LebeDeineKunst.de

Vor einigen Wochen entdeckte ich diese Website. Zuerst dachte ich, noch eine von diesen Fotogalerie Sites, wo man seine Fotografien anbieten soll. Doch der Titel „Lebe Deine Kunst“ machte mich ein wenig neugierig. Denn Kunst verkaufen ist ja nicht leicht.

Was wird dort geboten?

Es gibt kostenlose Basis-Konten und kostenpflichtige Pro-Konten. Die Basis-Konten sind arg eingeschränkt: Man kann sich nur 1 Galerie anlegen und nur 5 Fotos/Kunstwerke präsentieren. Und zum Verkauf anbieten geht auch nicht. Vom Verkauf soll man übrigens 100% ausbezahlt bekommen. Das Design der Galerie ist ansprechend und modern. Einzig im Konto ist die Schrift manchmal deutlich zu groß gewählt, als wären wir Alle ohne Brille hilflos. Ich bin mit einem Basis-Konto angefangen. Galerie anlegen (die dient wohl zur Gruppierung von Bildern), Bilder hochladen und Beschriften. Ein Ankreuzfeld für den Verkauf markieren und den Verkaufstext fürs Bild eintragen. Später sehe ich, das ich mit meinem Basis-Konto ja gar nicht verkaufen kann. Naja. Mit einem Pro-Konto geht das und solch ein Konto gibt es ab 7 Euro/Monat für ein 3-Monats-Abo runter bis 5,95 Euro/Monat für einen 24-Monats-Vertrag.

Schön und zeitgemäß finde ich die vielfältigen Verlinkungsmöglichkeiten. Facebook, Flickr, Twitter, XING und die eigene Homepage sind in den Grundeinstellen zum Profil eintragbar und werden für Jeden sichtbar auf der Profilseite zum Künstler als hübsche Buttons angezeigt. In Facebook wurde auch eine automatische Nachricht eingetragen, das ich jetzt auf LebeDeineKunst.de zu finden bin.

Wie geht es weiter?

Kaum hatte ich meine fünf Bilder hochgeladen, bekam ich schon die ersten „Gefällt mir“ Klicks. Schön, dachte ich, da passiert ja was. Und ich bekam sogar einen geschriebenen Kommentar. Das ist der Community-Gedanke. Doch mit Communities habe ich so meine Probleme, ist nicht mein Ding. Ich hab’s erstmal mitgenommen und ein wenig genossen. Immerhin erhielt ich in den ersten zwei Tagen so 7 positive Rückmeldungen zu meinen Motiven. Vielleicht hilft’s ja bei der Verbreitung meiner Motive.

Vorgestern eröffnete ich dann für meine Frau ein eigenes Basis-Konto. Fünf geeignete und repräsentative Fotografien aus ihrem Portfolio ausgewählt und hochgeladen war schnell getan. Das Beschriften dauert ja immer etwas länger, doch am Abend waren wir damit fertig. Und auch  hier wurden schon wenige Stunden nach dem Veröffentlichen der Fotos die ersten Bewertungen und Kommentare abgegeben. Das erinnerte mich ein wenig an die Erfahrungen mit meinem Konto. Sollte da vielleicht eine Masche hinter stecken? Meine Frau bekam so binnen 24 Stunden 6 positive Bewertungen und einen Kommentar. Die siebte E-Mail war dann ein Hinweis auf das Pro-Konto, mit dem man ja noch viel mehr machen kann.

Wenn das also von den Betreibern absichtlich herbeigeführte Aktionen sind, dann finde ich das nicht lauter und wäre sehr enttäuscht. Wer ähnliche Erfahrungen gemacht hat, kann das ja hier mal als Kommentar posten.

Doch dann kam die Ernüchterung

Aufgeschreckt wegen der auffälligen Bewertungen nach dem Veröffentlichen der Fotos durchstöberte ich die Galerien der anderen Künstler. Fast alle Portfolios, die ich so aufrief, waren Pro-Konten. Nicht ein Basis-Konto wurde angezeigt. Viele Bilder wurden so auch zum Kauf angeboten, was ja mit dem Pro-Konto möglich wird. Doch irgendwie störte ich mich an den Preisen. Nicht das die zu hoch oder niedrig waren, die Währung störte mich: Credits. Was sind denn Credits? Tatsächlich wird hier das vollmundige Versprechen, man bekäme 100% vom Verkaufserlös, irgendwie umgangen. Ich hatte angenommen, ich verkaufte mein Bild direkt an den Kunden. In den FAQs steht dann: Credits sind eine virtuelle Währung und man bekommt die Credits, die eins zu eins einem Euro entsprechen, erst ab 100 Credits Kontostand kostenfrei ausgezahlt. Hat man weniger verkauft und so weniger als 100 Credits/Euro auf seinem Konto und möchte die trotzdem ausbezahlt bekommen, kostet es 10 Euro Gebühr. Viele bieten ihre Bilder als digitale Daten für 10 Euro für eine Verwendung im Web an und müssten so erstmal 10 Stück zu dem Preis verkaufen. Der Betreiber, die LDKunst GmbH, wird hier also zum Treuhänder und verwaltet das Künstlerguthaben bis zur Auszahlung. Schlimmer noch für den Käufer: der muss Credits kaufen, bevor er damit Bilder kaufen kann und die gibt es nur in 4 Paketen zu kaufen. Über die Anzahl der Credits in einem Paket schweigt sich die FAQ aus. Der Käufer muss so eventuell viel mehr Credits kaufen, als er für den Kauf eines Bildes braucht.

Da kommen schlimme Befürchtungen auf

Die Betreiberfirma LDKunst GmbH ist eine GmbH. Ohne irgendwelche Unterstellungen vorzunehmen, aber bei einem Versprechen, der Künstler bekäme 100% Verkaufserlös ausgezahlt, warum führt die LDKunst GmbH dann das Inkasso durch? Würde sie selbst einen Kostenaufwand prozentual vom Erlös für den Betrieb der Website und für das Inkasso einbehalten, wäre das Inkasso nachvollziehbar. Aber so? Was passiert, wenn 100 Künstler dort ein Konto mit 90 Euro Guthaben hätten, immerhin 9.000 Euro, und die GmbH ginge Konkurs? Das mag man sich gar nicht ausmalen.

Meine Schlussfolgerung

Nach einigen Tagen intensiver Beschäftigung mit LebeDeineKunst.de stellt sich mir die Frage, nach dem Sinn und Nutzen. Die Künstler-Portfolios, die ich mir angesehen habe, waren allesamt Pro-Konten und man konnte von den Künstlern nur digitale Daten(!) kaufen. Ich habe auch Fotografien, die ich gerne als Kunstwerke verkaufen möchte, doch dann bitteschön als sauber ausgeführte Kunstdrucke und niemals käme ich auf die Idee, meine Kunst in digitaler Form wegzugeben. Vielleicht bin ich aber auch nur altmodisch. Sollten die überwiegende Anzahl an Künstlern dort ihre Bilder nur digital verkaufen wollen, so wäre der Titel LebeDeineKunst doch obsolet und die Galerie nur eine weitere Fotovermarktungsplattform.

Das treuhänderische Handeln von LDKunst GmbH hinterlässt bei mir ein komisches Gefühl. Ich kann die Absichten, die dahinter stehen, nicht nachvollziehen. Das ergibt für mich keinen Sinn, eher nur deutlichen Kostenaufwand für LDKunst GmbH. Nur warum soll die LDKunst GmbH dies tun, welche Absicht verfolgt sie damit. Eigentlich sollte ihr der Verdienst mit den Pro-Konten ausreichen.

Vielleicht überdenkt die LDKunst GmbH ihr Konzept ja noch mal und macht deutlicher, was sie denn wirklich will.

Noch mal Fotogeschenke

Die Website http://www.meeresschaetze.de habe ich soeben überarbeitet und neu online gestellt. Ilona Weinhold-Wackernah zeigt auf dieser Site ihr gesamtes zum Kauf stehendes Portfolio von Fotografien in Editionen. Die meisten ihrer Arbeiten sind als Digigraphien ausgeführt, das heisst, jede Serie ist gleich ausgeführt auf besonders zertifiziertem Material und jedes Motiv ist in der Anzahl limitiert (meist auf nur 5 Stück). Dazu gibt es je ein Zertifikat und jeder Druck ist signiert.

Traum-Lilie, 90x30 cm, Canvas, 98 €

Traum-Lilie

Ausnahme – also nicht als Digigraphie ausgeführt – bildet ihre neue Serie „Wohnraumoffensive“. Die Motive sind meist malerisch gehaltene Ausschnitte von Naturmotiven, in 90×30 cm auf der besonders guten Epson Premium Canvas satin Leinwand gedruckt. Einzelne Motive kosten 98 €, kaufen Sie 2 Motive, gibt es ein drittes umsonst dazu.

Jetzt Digigraphie zertifiziert

Gestern bekam ich den unterzeichneten Vertrag von Epson zurück, der mich als zertifiziertes Digigraphie Labor auszeichnet. Was bedeutet das? Es ist eine Auszeichnung, mit der ich am Digigraphie Programm teilnehmen kann und das wiederum bedeutet, ich kann Künstler-Ediionen für Sie in limitierten Auflagen erstellen und die Drucke mit einem Prägestempel signieren sowie für den Druck dem Käufer ein Zertifikat ausstellen.

Dem Käufer eines Kunstdrucks geben wir damit eine Fotografie mit Gütesiegel in die Hand. Drucke nach dem Digigraphie Programm dürfen nur auf von Epson zertifizierten Medien gedruckt werden und nur mit einem Epson Drucksystem der neuesten Generation. Und die Drucke müssen immer limitiert sein, wobei die Limitierung jeweils die Druckgröße, das Medium und das Drucksystem vorgeben. Sie können so aber auch mehrere limitierte Auflagen gleichzeitig herausgeben.

Eine limitierte Auflage setzt sich so zusammen:

Auflage: 5 Stück (die Auflage legen Sie einmal vor Druckbeginn fest)

Material: Epson Premium Canvas Satin (oder ein anderes Material Ihrer Wahl)

Druckgröße: 50×60 cm

Drucksystem: Epson Stylus Pro 9800

Ändert sich irgend eine Komponente in dieser limitierten Auflage, so ist die Auflage beendet und eine neue Auflage muss begonnen werden. Damit der Käufer sieht, das es sich um eine limitierte Auflage handelt, wird jeder Druck mit einem speziellen Prägestempel geprägt, ein Zertifikat ausgestellt und von Ihnen als Künstler unterschrieben.

So sieht mein Stempel aus, mit dem jedes Bild geprägt wird:

Welche weiteren Vorteile hat das für Sie als Künstler?

Einen weiteren Vorteil haben Sie durch die Veröffentlichung Ihrer limitierten Motive in der Galerie auf der Webseite von Epsons Digigraphie Site. Das Einpflegen der Bilder übernehme ich in Absprache mit Ihnen. Die Galerie sorgt durch ihren Bekanntheitsgrad für eine gute Werbung. Und Epson ist mit seinem Ausstellungsraum in Düsseldorf sehr rege, was hochwertige Ausstellungen mit Bildern von namhaften Künstlern angeht.

Jetzt müssen Sie nur noch starten. Ich jedenfalls werde den Anfang machen, mit ausgewählten Fotografien aus den Foto-Editionen von meiner Frau Ilona Weinhold-Wackernah.

Was ist denn Digigraphie?

Korrekt muss es ja Digigraphie by Epson heißen, denn Digigraphie ist eine Idee von Epson für hochwertige, limitierte Drucke auf speziell dafür zertifizierten Medien. Für Epson bedeutet Digigraphie eine Aufwertung seiner Drucker, Medien und der damit erstellten Drucke. Doch was zunächst nach einem Werbegag ausschaute, hat sich inzwischen mit vorzeigbaren Ergebnissen zu einem kleinen aber bedeutsamen Kunstmarkt entwickelt.

Epson hat dazu eine eigene Website entwickelt, die Anfangs etwas holprig aufgemacht war, inzwischen aber funktionierend alles zur Digigraphie erklärt. Dort kann auch nachgelesen werden, wie man Digigraphie Künstler wird. Gelistet werden in der Rubrik Neuigkeiten Wissenwertes um die Digigraphie und Künstler, die im Kunstbetrieb ausstellen. Der Kunstbetrieb wird von Epson wie folgt beschrieben:

Der „Epson Kunstbetrieb“ in Düsseldorf ist ein „Kunstort“ mit innovativem Konzept: Dort werden nicht nur hochkarätige Ausstellungen für Fotografie und Videokunst gezeigt, sondern der Epson Kunstbetrieb versteht sich auch als Produktionsort für Digigraphie®, Begegnungs-Forum, Workshop-Zentrum und Event-Location – eben als kunstbezogene Betriebsstätte. Im Epson Kunstbetrieb sollen Sammler und Kunst-Produzenten, Studenten und etablierte Künstler sowie alle Interessenten in einen „betriebsamen“ Dialog einsteigen.

Einige Ausstellungen wurden in der einschlägigen Presse schon ausführlich erwähnt. Bessere Presse kann man seinen Drucken gar nicht wünschen. Das Konzept von Epson scheint schlüssig.

Was aber zeichnet die Digigraphie-Drucke aus?

Der Einstieg ist  nicht mal so eben gemacht. Sowohl als Künstler als auch als Druckdienstleister müssen Sie einen Vertrag mit Epson schließen und darin versichern, sich genau an die vorgegebenen Richtlinien halten werden. Das setzt einerseits einen Drucker von Epson sowie zertifizierte Medien voraus:

Digigraphie® – Definition: Digigraphie® bezeichnet einen Ausdruck auf einem professionellen Epson Stylus Pro-Drucker mit UltraChrome™-,UltraChrome™ K3-, oder UltraChrome™ K3 Vivid Magenta-Tintentechnologie auf einem zertifizierten Papier. Jeder Druck wird mit Nummer und Unterschrift authentifiziert, mit Prägestempel versehen und mit einem Zertifikat ausgestattet.

Geeignete und zertifizierte Medien lesen Sie bitte online nach -> Epson Digigraphie.

Andererseits brauchen Sie einen Prägestempel, den man nur bei Epson bekommt und der kostet nicht wenig. Der Stempel wird eigens mit dem Namen des Künstlers oder dem des Druckdienstleisters angefertigt. Und Sie dürfen grundsätzlich nur limitierte Auflagen anbieten. Eine limitierte Auflage gilt aber nur für eine Druckgröße auf einem gewählten Medium. Wollen Sie ein weiteres Material alternativ anbieten, bedeutet dies eine zweite limitierte Auflage. Das schränkt ein führt das Prinzip einer limitierten Auflage aber ad absurdum, denn Sie können unendlich viele limitierte Auflagen erzeugen. Naja.

Jeder limitierte Druck muss mit dem Prägestempel geprägt werden und vom Künstler eigenhändig unterschrieben bzw. signiert sein.

Was aber ist mit Druckdienstleistern?

Auch als Druckdienstleister kann jeder im Rahmen der Vertragsvorgaben am Digigraphie-Programm teilnehmen und Künstlern damit Drucke erstellen, die dem Konzept der Digigraphie konform sind. Das ist auch gut so, denn nicht jeder Künstler wird gleich einen großformatigen Epson Drucker hinstellen. Und wer kann fachlich besser mit den Vorgaben der Digigraphie umgehen, als ein versierter Druckdienstleister. Einzig die Stempelprägung weist dann den Druckdienstleister aus als Ersteller, nicht den Künstler. Der Künstler bleibt weiterhin der Autor und hält das Urheberrecht und signiert seine Kunstwerke. Das Prinzip kann aber auch Verwirrung stiften. Und eigentlich eignet sich das Konzept nur für räumlich nah bei einander lebende Künstler und Druckdienstleister, denn ein häufiger Postversand der Drucke ist den Drucken bestimmt nicht dienlich. Das muss aber sein, denn der Künstler signiert, der Druckdienstleister prägt und nummeriert und schickt an den Kunstkäufer. Oder so.

Ist das ein Markt, wertet es meine Drucke auf?

Vorweg: Epson gewinnt in jedem Fall. Aber die beiden anderen großen, Canon und HP, haben ähnliches in der Schublade bzw. schon veröffentlicht.

Für den Künstler bedeutet dies, sich auf einen Drucker von Epson und ein zertifiziertes Material fest zu legen. Die zertifizierten Medien sind allesamt aus der ganz oberen Preisliga, also muss der Künstler auch die Kostenseite betrachten. Das ist nicht ganz billig. Aber nicht jeder Künstler gehört zu den ganz wenigen, die für jeden Druck mal eben ein paar tausend Euro verlangen und auch bekommen. Da muss jeder für sich kritisch heran gehen. Und der Künstler darf nicht glauben, nur weil ein Druck nach den Digigraphie Vorgaben erstellt wurde, verkauft sich der Druck einfacher oder gar besser. Mitnichten.

Für den Kunstmarkt ist die Digigraphie aber ein verlässliches Produkt. Der Kunstmarkt weiß und kann sich darauf verlassen, dass der Druck strengen Qualitäts- und Produktkriterien unterliegt. Einzig das relativ offene Konzept der limitierten Auflagen bedarf noch einiger Klärung. Nicht jeder Künstler wird sich selbst soweit beschränken und einen Druck nur in einer oder ganz wenigen Auflagen anbieten. Das wird die Zukunft zeigen. Doch bieten viele Künstler ihre Drucke in vielen Auflagen an, kann die Digigraphie schnell ihren Ruf verlieren.

Für den Druckdienstleister bietet die Digigraphie ein Qualitätssiegel. Es ist zwar relativ einfach, sich dem Digigraphie Programm anzuschließen, doch Epson wird schon ein Auge drauf haben, das Druckdienstleister sich genau an die Vorgaben halten. Und wer mal Schindluder mit dem Siegel treibt, fliegt schnell raus aus dem Programm. Denn Epson behält sich einen Ausschluß vor und dann muss der Prägestempel zurück gegeben werden. Ohne Prägestempel keine Digigraphie. Schon gut, was sich Epson da ausgedacht hat.

Es gibt aber auch schon kritische Stimmen!

Es gibt Druckdienstleister, die nach noch mehr Qualität streben. Denen ist das Digigraphie Programm schon wieder zu wenig speziell, zu viele können daran teilnehmen. Die wollen das allerletzte Quäntchen Qualität bieten und ihre Arbeit noch  hochwertiger erscheinen lassen. Ob sich noch weitere Qualitätssiegel etablieren können, wird sich zeigen. Aber am Produkt BIO war das ja auch möglich, wo viele Siegel nebeneinander bestehen. Nur der Kunde weiß sich nicht mehr zurecht zu finden im Siegeldschungel.

Da bleibt dann letztlich auch die Frage, ob denn ein Qualitätssiegel überhaupt beim Kunden ankommt. Kann ein Kunde etwas mit Digigraphie anfangen und interessiert den Durchschnittskunden überhaupt irgendein Siegel?

Kommentare sind herzlich willkommen, eine Diskussion erwünscht.

Wie ist eigentlich die Situation der Druckdienstleister?

Ich selbst stehe ja ständig in der Konkurrenz zu Mitbewerbern um jeden Auftrag. Doch ist das Geschäft überhaupt noch ein Geschäft. Lohnt sich die Arbeit und Mühe, die jeder von uns in seine Fotoprodukte steckt? Ich will in diesem Artikel der Frage nach gehen, wie viel Herzblut unser Geschäft verträgt und ob am Ende noch wer von seiner Arbeit leben mag, soweit diese Frage überhaupt beantwortet werden kann. Ich versuche Wege aufzuzeigen, die verschiedene Druckdienstleister gehen, um ihre Produkte günstig anbieten zu können. Zum Vergleich nehme ich mein Geschäft als den Einzelkämpfer, der bei den Druckdienstleistern am häufigsten vertreten ist, heran.

Wir als Druckdienstleister im Fotobusiness haben vielfältige Möglichkeiten, unsere Produkte wertig zu machen und genauso viele Möglichkeiten, günstig zu produzieren. Jeder legt seinen Schwerpunkt anders, mal auf Qualität, mal auf kleine Preise.

Um kleine Preise wirtschaftlich vertreten zu können, muss man günstig einkaufen, am besten in großen Mengen, denn dann gibt es Rabatte. Und bei den Papieren an sich kann auch kräftig gespart werden. Ein dünnes Papier ist billiger als ein dickes. Und die Tintenaufnahmeschicht kann gut oder exzellent sein. So kommt es, das ein 200 g/qm Fotopapier für wenig mehr als 1 Euro pro Quadratmeter zu haben ist, ein 260 g/qm Marken-Fotopapier aber schnell 7 Euro kostet. Der, der das 7 Euro teure Papier verarbeitet, hat hier immerhin schon siebenmal so hohe Kosten pro Abzug. Gleiches gilt für die verwendeten Tinten. Nehme ich beispielsweise die originalen Tinten von Epson, so kostet mich eine Kartusche mit 220 ml zwischen 60 und 80 Euro – das ist nicht mal ein viertel Liter! Rechne ich das auf den Quadratmeter um, so kostet es zwischen 4 und 6 Euro Tinte für jeden bedruckten Quadratmeter Fotopapier. Nehme ich sogenannte kompatible Tinten, reduziert sich der Kostenfaktor Tinte auf 3 bis 5 Euro.

Welche Auswirkungen bringt die Auswahl mit sich?

Nehme ich z. B. ein original Fotopapier von Epson, so habe ich die Gewissheit, das mein Foto besonders lange hält. Es gibt dazu die Untersuchungen vom Wilhelm Research Institute für diverse Markenprodukte bezüglich Haltbarkeit unter bestimmten Voraussetzungen. Epsons Papiere sind getestet und ich kann mich darauf beziehen, wenn ich ein Foto auf einem Epson Papier dem Kunden liefere. Nehme ich ein günstigeres Papier, gibt es solche Tests meist nicht. Es kann also passieren, das ein Foto auf einem Noname Papier schon nach wenigen Jahren seine Farben so stark verliert, das es unansehnlich wird. Und auch oder obwohl ich Epson Tinten verwendet habe, die ja bis 75 Jahre halten sollen. Auf dem Epson Papier dagegen kann ich meist auf 30 bis 50 Jahre vertrauen. Es zeigt sich, das die Tinte nur in Verbindung mit einem geeigneten Papier lange hält. Das gilt heute auch für Canon und HP Papiere und Tinten. Nehme ich dann noch eine kompatible Tinte, also keine Originaltinte, dann reduziert sich die Haltbarkeit nochmals um einen gewichtigen Faktor. Ich verweise da nur auf entsprechende Tests in Fotozeitschriften, wo Tinten für Desktopdrucker bis zum Format DIN A3 des öfteren untersucht und mit den  originalen Tinten verglichen wurden. Da konnte man oft schon nach weniger als einem Jahr unter UV-Einstrahlung deutliche Farbunterschiede sehen. Aber wer billig will, bekommt billig.

Was kostet eigentlich ein 60×80 cm Fotoposter?

Bei mir kostet es 19,99 Euro inkl. MwSt., bei posterxxl.de kostet es 16,99 Euro, bei posterjack.com nur 9,99 Euro (Stand: 16. April 2010). Und was bekommt der Kunde?

Bei mir gibt es das Epson Premium Luster 260 g/qm Fotopapier, bei posterxxl.de ist es ein nicht näher bezeichnetes 230 g/qm Fotopapier und bei posterjack.com ist es ein 210 g/qm Fotopapier.

Wo liegen die Kosten? Das Epson Premium Luster kostet netto ca. 7 Euro pro qm, ein gutes 230 g/qm Fotopapier kann ich für unter 3 Euro  kaufen und ein 210 g/qm Fotopapier bekomme ich für unter 2 Euro. Und das ohne Rabatte für besonders große Mengen zu beanspruchen.

Das 60×80 cm Poster hat eine Fläche von 0,6×0,8 m = 0,48 qm. Das Poster auf dem 210 g Papier kostet also gut 1 Euro, auf dem 230 g Papier schon 1,50 Euro und auf dem Epson Luster gar 3,50 Euro. Nun muss noch ein wenig Verschnitt hinzu gerechnet werden, denn selbst eine passende Rolle von 24 Zoll Breite (61 cm) braucht noch Material zum Schneiden vor und nach dem Druck. Ich rechne hier immer gut 2 cm oben und unten dazu, ich brauche also 61×84 cm Papier – macht 0,51 qm. Tinte für gut einen halben Quadratmeter rechne ich mit günstigen 4 Euro Originaltinte pro Quadratmeter geteilt durch zwei = 2 Euro an.

posterjack.com kostet ein 60×80 cm Poster also 1 Euro Papier + 2 Euro Tinte = 3 Euro (3,57 Euro inkl. MwSt.).

posterxxl.de kostet ein 60×80 cm Poster 1,50 Euro + 2 Euro Tinte = 3,50 Euro (4,17 Euro inkl. MwSt.).

Mich kostet das 60×80 cm Poster 3,50 Euro + 2 Euro Tinte = 5,50 Euro (6,55 Euro inkl. MwSt.)

Was nicht in dieser Rechnung erfasst ist, welche Rabatte beim Einkauf posterjack.com und posterxxl.de geltend machen können. Und ich weiß nicht, mit welchen Tinten die beiden arbeiten. Da die beiden Referenzdienstleister auch Werbung im Fernsehen machen, kann von einem entsprechend großen Bekanntheitsgrad ausgegangen werden und das spiegelt sich im Auftragsvolumen wieder. Je mehr Durchsatz produziert wird, desto günstiger kann eingekauft werden und desto mehr kann automatisiert werden.

Dazu mein Beispiel: Ich muss meist erst das Papier im Drucker wechseln auf das richtige Material mit der günstigsten Materialbreite. So was dauert zwischen zwei und vier Minuten. Dann rufe ich die zu druckende Datei auf meinem Computer auf und layoute das Foto, so wie der Kunde es gedruckt haben möchte. Das dauert ca. zwei Minuten. Dann drucke ich. Dauer ca. fünf Minuten mit 1440 dpi Druckauflösung. Während dessen kann ich anderen Aufgaben nach gehen. Ist der Druck fertig, nehme ich es aus der Maschine und prüfe. Ist alles OK, gehe ich zur Schneidemaschine und schneide überstehende Ränder ab. Das dauert ca. zwei Minuten. Abschließend wird der Druck gerollt, in Folie oder Seidenpapier eingewickelt, in eine Papprolle verpackt, die noch zugeklebt werden muss. Der Versandauftrag wird von mir online erstellt, der Versandaufkleber auf einem Laserdrucker ausgedruckt und auf die Versandrolle aufgeklebt. Das dauert insgesamt noch mal ca. fünf Minuten. An dem einen Poster habe ich also ohne Druckzeit zwischen elf und dreizehn Minuten. Rechne ich mal gut 50 Euro, die ich als Selbständiger pro Stunde erwirtschaften muss, um meine Krankenversicherung und Rentenversicherung, Steuern und Material sowie meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, dann kostet mich dieser Druck 10,83 Euro Arbeitszeit.

Warum tue ich das überhaupt?

Arbeitszeit 10,83 Euro für ein 60×80 cm Poster plus 6,55 Euro Material- und Druckkosten macht 17,38 Euro. Beim Verkaufspreis von 19,99 Euro verbleiben mir so 2,61 Euro Gewinn, Gewinn, den ich dazu benutzen muss, einen Fehldruck, der ja immer vorkommen kann, auszugleichen und auch noch Rücklagen zu bilden für eine Reparatur an einer Maschine und für zukünftige Investitionen. Erst kurz vor Weihnachten 2009 ging an der Epson 9800 Druckmaschine die Reinigungseinheit kaputt – Kosten mit Einbau = 630 Euro. 2,61 Euro sind sehr wenig, um davon leben zu können, zumal ich davon ja die Mehrwertsteuer / Umsatzsteuer von 19 % noch ans Finanzamt abführen muss. So bleiben davon netto gerade 2,20 Euro übrig. Und um ein durchschnittliches Nettogehalt von z. B. 1800 Euro zu erwirtschaften, muss ich mindestens 820 Aufträge für Drucke in 60×80 cm auf meinem Epson Fotopapier bekommen. Jeden Monat. Es gibt aber starke Monate und schwache. Vor Weihnachten werden immer besonders viele Poster bstellt, oder nach den Sommerferien. Dazwischen ist es meist mau.

Mein Fazit oder eher meine erschreckende Erkenntnis?

Es ist für Kunden nicht nachvollziehbar, warum der eine Dienstleister nur 9,99 Euro, der andere aber 19,99 Euro für ein 60×80 cm Fotoposter haben muss. Und wenn der Kunde nur ein oder zweimal im Jahr ein Poster bestellt, wird er keine Vergleichsmöglichkeit haben. Außerdem wird der Kunde über die Haltbarkeit eines Fotoabzugs erst nach Jahren urteilen können, ob er, der Kunde, dann die Ursache in dem Papier oder eher in seinem Handeln sieht, sei dahin gestellt.

In Zeiten schwacher Konjunktur, Zeiten, in denen viele Angst um ihren Arbeitsplatz und damit ihre Zukunft haben, werden sich Luxusartikel wie Fotoposter nur schwerer verkaufen lassen und wenn, wird der Kunde bestimmt auch auf den Preis schauen. Kleinen Druckdienstleistern bleibt so die Rolle eines Tante-Emma-Ladens und die sind in der Vergangenheit allesamt von Discountern verdrängt worden. Sollen wir Kleinen jetzt eine Genossenschaft bilden, um so günstiger einkaufen können? Ich denke, das wird sich nicht so einfach realisieren lassen, denn einerseits ist die Konkurrenz untereinander zu ausgeprägt und andererseits, wie soll ein Kleiner mal eben größere Produktionskapazitäten aufbauen können, wenn denn überhaupt gewollt?

Was ist zu tun?

Fotos auf Leinwand verkaufen sich bestens

Ich war vor kurzem auf einer Art Versammlung von Fotografinnen und Fotografen, wo eine gemeinsame Ausstellung im Sommer 2010 besprochen wurde. Es wurde über Formate, Art der Fotopräsentationen und das Konzept der Ausstellung diskutiert. Übrig blieben für die Präsentation noch Aludibond und Canvas auf Keilrahmen. Doch einige Fotografen monierten, das Produkt Leinwand sei out und nicht mehr Zeitgemäß.

Ein Fotograf berichtete daraufhin von einer Ausstellung im vergangenen Jahr 2009, auf der die Fotografien auch verkauft wurden. Und auch dort waren die Fotos auf verschiedenen Medien präsentiert worden. Und er berichtete stolz, das von den verkauften Fotos gut 80 % auf Leinwand waren. Die Leinwand entsprach also am meisten dem Kundengeschmack. Dem kann ich nur zustimmen.

Einige Tage zuvor bekam ich eine neue Ausgabe der digit, in der Andreas Jankowsky von jam fineartprint verschiedene Präsentationsformen vorstellte und miteinander verglich. Er ging dabei sowohl auf die Argumentation der Fotografen ein als auch auf Kundenwünsche. Bei der Leinwand zum Beispiel stellte er auch die Kinderfreundlichkeit in den Vordergrund und begründete seine Sicht mit der leichten Bauweise des Keilrahmens und wie wenig Schaden ein herunter fallender Leinwanddruck anichten kann. Das sieht bei einem Glasrahmen oder Aludibond schon anders aus. Auch dem stimme ich zu. Der Artikel ist aber auch sonst lesenswert.

Auch in der eingangs erwähnten Diskussion zwischen den Fotografen, wie denn die Fotos präsentiert werden sollen, wurde meiner Meinung nach der Sicht und Ansprüche der Käufer von Fotografien zu wenig Beachtung geschenkt. Und ich meine auch, zu oft werden Fotografien in einer Art und Weise präsentiert – aufgepeppt – das man meinen könnte, es stünden nicht die Fotomotive im Mittelpunkt/zum Verkauf, sondern die Aufmachung derselben. Dabei wirkt eine gute Fotografie doch für sich selbst, oder?

Bernd Schmidt Timmendorfer Strand

Bernd Schmidt zeigt zwölf großformatige Fotografien im alten Rathaus in Timmendorfer Strand und veröffentlicht rechtzeitig zu Ostern seinen Kalender für 2011 mit einer Auswahl seiner Landschaftsfotografien von Timmendorfer Strand und Niendorf an der Ostsee.

Auf dem Foto links TSNT-Geschäftsführer Christian Jaletzke und rechts der Fotograf Bernd Schmidt mit dem neuen Kalender „Timmendorfer Strand Meerblicke zum Träumen“  für  das  Jahr 2011.

Die großformatigen Fotografien sind auf Epson Premium Canvas Satin gedruckt und ich – www.posterdruck.biz – durfte den Auftrag ausgeführen.

Wie verkaufe ich meine Prints

Gerade eben fand ich einen sehr ausführlichen Bericht vom Fotografen Dan Heller im Web, in dem er seine Erfahrungen im verkaufen von Prints von seinen Fotografien beschreibt. Der Artikel ist leider in amerikanisch verfasst, aber man versteht die wichtigen Aspekte auch dann, wenn das Englisch schon ein wenig eingerostet ist.

Dan Heller führt den Leser behutsam durch alle wichtigen Bereiche, die man sich vor dem ersten Anbieten seiner Fotografien als Prints überlegen sollte. Da sind Kapitel mit „Wer kauft eigentlich Fotografien als Kunst“ oder „Welcher Käufer ist der richtige für Sie“ sowie „Kunst kaufen: Die Kaufkriterien …“ und „Verkaufspreise“. Abschließend erläutert er aus seiner Erfahrung ob „Signieren und Nummerieren“ von Prints sinnvoll ist, geht auf das „Rahmen von Prints“ ein und schließt in seinem „Summary“, man möge sich selbst und seinen Status in der Kunstwelt kritisch  betrachten und dann klein aber fein seine Werke auf dem Markt der Künste zu platzieren.

Lesen Sie den Artikel hier: Selling Photography Prints von Dan Heller.