Epson Premium Canvas Satin

Habe endlich meine ersten Drucke auf der Epson Premium Canvas Satin Leinwand gemacht und bin sehr zufrieden. Der Glanz ist nicht störend, das Druckbild hat schöne Schwärzen, einen guten Kontrast und großen Farbraum. Und ich habe mit Epsons Photoblack gedruckt, das spart den lästigen Tintenwechsel zum Matte Black und damit Kosten. Die Leinwand müffelt anfangs nach dem Bedrucken ein wenig, was vermutlich am Coating liegt. Die Oberfläche ist sehr robust, Fingerabdrücke machen ihr nichts aus und da schon Glanz drauf ist, gibt es auch keine unangenehmen Glanzstellen, wenn man versehentlich Druck drauf ausübt. Preislich ist die Canvas mit etwas mehr als 16 Euro pro qm gerade noch vertretbar.

Glänzende Leinwand und das gilt auch für die Epson Premium Canvas Satin, darf nicht gefirnist werden. Bitte unbedingt dran denken. Das Coating bietet ausreichenden Schutz. Insgesamt ein gutes Produkt. Einziges Manko: die Leinwand bricht manchmal, wenn an den Kanten eingefaltet wird.

Canvas und Eco Solvent

Druckmaschinen mit Eco Solvent Tinten statt der sonst üblichen wasserbasierten Tinten wie zum Beispiel in den Epson Stylus Pro Druckern sind nicht erst seit der Vorstellung des Epson GS6000 im Jahre 2008 gerade für Outdoor Anwendungen die bessere Wahl. Die Drucke sind kratzfest, wasserfest und halten ohne weiteren Schutz teilweise mehrere Jahre im Aussenbereich.

Gerade diese Attribute machen die Annahme möglich, man könne damit auch Canvas bedrucken. Und ja, man kann Canvas bedrucken, Epson hat sogar eigens eine Leinwand für den Epson GS6000 ins Programm aufgenommen. Apropos: wenn ich hier exemplarisch den Epson GS6000 anführe, dann nur weil ich Epson Geräte gerne benutze und so vielleicht auch aus Bequemlichkeit bei Epson bleiben würde. Außerdem wirbt Epson für seinen Eco Solvent Drucker mit dem derzeit größten Farbraum.

Ich bin also zu einem Demotermin gefahren, um mir das Gerät und die Druckergebnisse auf Canvas live zeigen zu lassen. Dazu waren auch eine CD mit eigenen Fotos im Gepäck, die ich Tage zuvor mit meinem Epson 9800 und Matteblack auf meiner Leinwand gedruckt hatte. So hatte ich später wieder zu Hause eine Vergleichsmöglichkeit.

Die Leinwand war schon im GS6000 eingelegt und eigentlich hätte es sofort losgehen können. Doch erst mal zum Gerät: Die Maschine verarbeitet Material bis zu 64 Zoll Breite, das sind beeindruckende 162 cm, und dicke Rollen kann man auch einlegen, so bis 30 kg schwer dürfen die sein. So kann richtig viel in einem Stück gedruckt werden. Maschinen dieser Liga sind bei anderen Anbietern sicher ähnlich ausgestattet, aber mich interessiert hier ja nur, wie sich Eco Solvent zu meinem Epson 9800 schlägt.

Erster Wermutstropfen ist, ich brauche unbedingt ein RIP zum Drucken. Einen eigenen Epsontreiber gibt es nicht. Schade. Ich persönlich habe keine so prickelnden Erfahrungen mit diversen RIPs gemacht. Naja. Und im Gegensatz zu Epson Amerika wird der Drucker hierzulande ohne RIP verkauft, entweder hat schon eins oder man muss sich das noch dazu kaufen. So wird der Einstieg ins Eco Solvent zu dem happigen Preis der Maschine nochmal um einen Betrag zwischen zwei- und dreitausend  erschwert.

Im Democenter war ein Colorgate RIP auf einem Windows PC installiert, eine hauseigene Canvas Marke mit satin glänzender Oberfläche im Drucker. Für die Ausgabe meines ersten Testfiles wurde auf höchste Auflösung und Qualität eingestellt. Nach wenigen Minuten beginnt der Druck. Der Geräuschpegel ist höher als bei meinem Epson 9800, aber nicht wirklich störend – halt etwas lauter, mechanischer. Der Druckkopf schiebt sich von links nach rechts über die Canvas und wieder zurück. Mein Epson 9800 schafft bei 1440 dpi so eins bis einskommafünf Quadratmeter pro Stunde, bestenfalls. Dieser soll fünf bis sechs bei 1440 dpi schaffen. Also viermal so schnell kommt mir das nicht vor. Doch als ich den Druck in Händen halte, bin ich erstmal beeindruckt. Stimmige Farben, gute Tiefen und die satin Oberfläche der Canvas ist glücklicherweise nicht so spiegelnd glänzend wie so oft gerade bei Canvas für meinen Epson 9800. Dann noch mal eben einige weitere meiner Motive drucken. Eco Solvent riecht ja meist nach Lösemitteln. Hier beim GS6000 riecht es auch, aber nicht wirklich störend, aber eben doch, obwohl Epson das anders sieht. Jetzt sind alle Drucke fertig. Sofort trocken sind sie noch nicht. Ich muss etwas warten. Ein völliges Durchtrocknen dauert aber doch sehr viel länger. Wieviel wurde nicht gesagt.

Ich hatte auch ein Motiv mit einem Cocktailglas mit rotem Inhalt, roter Kirsche und einer Scheibe Orange vor schwarzem Hintergrund mitgebracht. Das sah nun im Druck nicht so schwarz aus, wie ich mir das vorgstellt hatte. Und auch das Rot war  nicht wirklich intensiv. Der Verkäufer gab dann auch zu, dass der GS6000 beim Rot und Blau ein wenig schwächelt. Ein Graustufentestbild war mit feinen Verläufen sauber gedruckt und schien dort im Demoraum ohne Normlicht neutral. Zuhause sah das dann doch anders aus, aber dazu später mehr. Ende der Demo nach anderthalb Stunden. Alles gesagt, erklärt und gezeigt. Ich fahre heim.

Zuhause erwartete mich meine Frau bereits und wir beide rollten die Testdrucke sofort auf dem Tisch aus und ich holte meine früher mit dem Epson 9800 gemachten Vergleichsdrucke hervor. Uuh, ooh, da waren doch deutliche Unterschiede zwischen den Drucken. Das hatte ich nicht erwartet. Naja, das Gehirn spielt einem mit seiner Erinnerung doch gerne einen Streich und rechnet meist schön, so schön wie wir es uns wünschen.

Alle Drucke waren insgesamt etwas heller oder besser blasser. inwieweit das dem RIP, dem Medium oder den Tinten geschuldet ist, kann ich nicht sagen mangels Vergleichsmöglichkeit. Aber gehe ich davon aus, das diese Testdrucke einen Mittelwert bezüglich der möglichen Qualität mit Eco Solvent darstellen, so kann es nicht viel besser werden. Die Auflösung ist sehr fein, die Schärfe gut, Farbverläufe kommen gut. Aber in allen Punkten ist der Epson 9800 besser, deutlich besser. Meine Vergleichsdrucke sind deutlich farbintensiver, etwas schärfer, haben ein besseres Schwarz was in höherem Kontrast resultiert. Selbst ein Motiv, das ich 1998, also vor gut 12 Jahren auf einem damals hochmodernen HP Designjet 3500 gedruckt hatte, war farbintensiver und etwas schärfer, kontrastreicher. Das Graustufentestmotiv wirkte nun unter fast Normlich grünlich und verschwommen. Der Verlauf war OK, das Fehlen des zusätzlichen Schwarztons vom Epson 9800 macht sich also nur bedingt bemerkbar.

Fazit: Eco Solvent punktet immer, wenn es um den schnellen Druck großer Menge geht und wenn Wetterfestigkeit Bedingung ist. Großformatige Drucke betrachtet man ja aus größerem Abstand als ein Foto in DIN A3 Größe. Da sind die geringere Schärfe und Kontrast nicht ganz so ausschlaggebend. Aber das ist nicht mein Markt. Ich drucke Fotografien in allerbester Qualität. Maximale Tiefe, bester Kontrast, feine Verläufe und satte Farben wo gewünscht sind Voraussetzung. Und Eco Solvent ist davon weit entfernt, sehr weit entfernt. Und meine ursächliche Intention, das Problem mit den so besonders empfindlichen Leinwanddrucken auf matter Leinwand so zu umgehend, war überhaupt nicht erfüllt. Ich hatte ein Motiv meiner Vergleichsdrucke sogar schon mit Firnis überzogen vorliegen. Gegenüber meinem unbehandelten Vergleichsdruck war es etwas kräftiger mit noch tieferen Schwarz. Der Firnis dunkelt also etwas nach, Farben werden dabei leicht intensiver. Mit Firnis ist also noch mal eine Steigerung für hochwertige Fine Arts aus dem Epson 9800. Dagegen sah der Druck aus dem GS6000 ausgewaschen und blass aus. Schade. So aber werde ich meine Fähigkeiten im Firnissen weiter ausbauen – also mehr üben.

Nachtrag zur Kratzfestigkeit: Eco Solvent und auch Epson wirbt für den GS6000 mit kratzfesten Ausdrucken. Zuhause angekommen bin ich dann spaßeshalber mal mit dem Fingernagel über den Leinwanddruck aus dem GS6000 gekratzt – oops, den kann man ja sehen. Also doch nicht kratzfest. Wieso das aber versprochen wird?

Und wer als Fine Art Druckdienstleister was auf sich hält, wird ein Foto auf Leinwand nicht mit einem Eco Solvent Drucker drucken. Achten Sie unbedingt auf die verwendeten Maschinen und Tinten, wenn Sie irgendwo besonders günstige Angebote entdecken. Steckt eine Eco Solvent Maschine in der Produktion, erwarten Sie keine hochwertigen Prints, wenn Sie Fine Art wollen.

Canvas und Firnis

In den vergangenen Wochen habe ich meine Lieferanten für die Canvas total genervt. Immer und immer wieder musste ich nachfragen, wie ich denn die Canvasoberfläche meiner Fotos auf Leinwand besser schützen kann. Nun bin ich etwas schlauer.

Das ursächliche Problem, warum die Canvas nach dem Druck so empfindlich ist, ist die Tinte. Als eingeschworener Epson Fan drucke ich auf der Leinwand natürlich mit  dem matten Schwarz um eine bessere Tiefe zu bekommen. Das matte Schwarz besteht aus größeren Pigmentteilchen, die weniger in die Tintenaufnahmeschicht matter Oberflächen wie Canvas aufgenommen wird. Dadurch entsteht ein besseres Schwarz, der Druck hat mehr Tiefe und einen höheren Kontrast als vergleichsweise mit dem Photoblack. Diese größeren Pigmentteilchen haben aber den Nebeneffekt, das man sie durch leichten Druck schon verdichten kann, und wenn sie verdichtet werden, entsteht ein Glanz.

Dem kann man entgegen wirken, indem die Canvas nach dem Druck, aber vor dem Rahmen, mit einem Schutzlack versiegelt wird. Das kann einmal das Spray sein, wie man es allerorten kaufen kann. Doch die Wirkung will sich mit dem Spray nicht so richtig einstellen. Alternativ gibt es Firnislacke, wie wir sie von den mit Öl malenden Künstlern kennen. Es darf aber nicht irgendein Firnis sein, der Firnis muss auf die Leinwandschicht und die Tinte genau abgestimmt sein. Sowohl das Spray als auch eine Firnislösung habe ich probiert, wobei das Spray kläglich versagte und hier nicht weiter behandelt wird.

Es gibt zum Auftragen der Firnis zwei Vorgehensweisen: Mit einer Malerrolle und mit einer Sprühanlage.

Mit der Malerrolle habe ich meinen zweiten Versuch  gemacht. Man nimmt eine Schaumstoffrolle, ich habe zwei Stück im Baumarkt für wenige Euro gekauft, eine mit 11 cm Breite und die andere mit 16 cm Breite. Wichtig ist nur, das die Seiten der Rolle unbedingt abgerundet sein müssen. Sonst bekommt man beim Auftragen immer Streifen von Firnis. Den Firnis habe ich in eine kleine Schale gefüllt und die Menge mit 25 % distilliertem Wasser verdünnt. Das distillierte Wasser ist wohl wichtig, damit keine Keime, die im Leitungswasser immer vorhanden sind, sich im Firnis einbetten und so die Haltbarkeit des Schutzfirnis verändern. Jedenfalls muss der Firnis dreimal aufgetragen werden. Also den Druck mindestens 24 Stunden trocknen lassen. Dann den Druck auf eine Platte (Holz oder Glas) mit Kreppklebeband fixieren. Ich hatte einmal eine dickere Pappe als Unterlage genommen, doch die wölbte sich ob der Feuchtigkeit nach dem zweiten Auftragen des Firnis und ein Weiterarbeiten war so nicht mehr möglich. Dann die erste Schicht Firnis aufrollen und dreissig Minuten trocknen lassen. Dabei sollte die Luftfeuchtigkeit im Raum nicht zu hoch und die Raumtemperatur um die 20 Grad sein. Stimmen Luftfeuchtigkeit und Temperatur nicht, muss länger Zwischengetrocknet werden. Nun wird der Druck um 90 Grad gedreht und der zweite Firnisauftrag aufgebracht. Dann wieder dreissig Minuten trocknen lassen. Und den Druck wieder um 90 Grad drehen und den dritten und letzten Auftrag aufrollen, das sogenannte Finish.

Beim Aufrollen unbedingt auf einen gleichmäßigen Auftrag achten und die Rolle nicht zu stark aufpressen. Das der Firnis Anfangs etwas milchig aussieht, macht nichts, er wird sehr schnell klar und bleibt auch bis zuletzt so. Einzig auf kleine Luftbläschen muss geachtet werden. Die unbedingt so lange überrollen, bis sie sich aufgelöst haben. Mir ist beim zweiten Motiv passiert, das ich nach dem zweiten Durchgang einige kleine Luftbläschen übersehen hatte und nach einer halben Stunde war der Firnis handtrocken, die Bläschen waren noch da und der Druck jetzt so unansehnlich, das ich ihn wegtun musste. Nachdem der dritte Firnisauftrag gemacht ist, sollte der Druck weitere 24 Stunden trocknen und erst dann auf den Keilrahmen aufgezogen werden. Mein Fazit: Wer nur ab und an mal einen Canvasdruck firnissen will, für den ist das eine einfache Vorgehensweise. Wer aber mehrere Drucke oder gar viele schützen will oder muss, der bekommt Probleme. Ich habe da öfter mal so 100×250 cm große Drucke. Da die Drucke zwischendurch immer wieder trocknen müssen, hat man schnell Platzprobleme. Und irgendwo zur Seite stellen geht auch nicht so einfach, denn zu leicht kann sich ein Staubkorn auf der klebrigen Oberfläche festsetzen und ist später nicht mehr entfernbar.

Das Aufsprühen. Dazu habe ich mir eine Sprühpistole von Wagner gekauft. Knapp hundert Euro hat mich die Maschine im Baumarkt gekostet, gleich mit zwei Tanks für die Firnislösung. Die Sprühpistole ist eine sogenannte HVLP Sprühpistole, HVLP steht für High Volume Low Pressure und meint, sie spüht viel Farbe mit geringem Druck. Das wiederum bedeutet, es entsteht fast kein Sprühnebel, der sich im Raum verteilt und so alles mit seinen Farben zudeckt. Das ist gut. Und der Firnis kommt mit guten Druck aus der Pistole. Da gibt es dann wieder Haufenweise Anleitungen, wie die Pistole gehalten werden soll und in welchem Abstand.

Mein erster Versuch war, die Leinwand an einer Art Wäscheleine im Badezimmer über der Badewanne aufzuhängen. Doch der Spühdruck aus der Maschine blies mir die Leinwand immer weg, ein Firnisauftrag war so nicht möglich. Also wieder eine entsprechend große Unterlage besorgen und die Leinwand mit Kreppklebeband darauf fixieren. Mit einem gleichmäßigen Abstand von 5 bis 10 cm zum Canvas den Firnis gleichmäßig aufsprühen. Dabei schön darauf achten, dass der Firnis auch alles bedeckt, aber nicht zu viel, das der Firnis in Tropfenbahnen nach unten läuft. Die Canvas steht senkrecht vor mir, ein flaches hinlegen auf dem Tisch, wie beim Rollen mit der Malerrolle, geht ja nicht. Das Ergebnis war OK. Die Vorgehensweise ist wie beim Aufrollen. Erster Auftrag, dreissig Minuten trocken, zweiter Auftrag, dreissig Minuten trocken, dritter Auftrag. Mit Luftbläschen hat man hier keine Sorgen. Mein Fazit: Das Aufsprühen geht einfacher von der Hand. Doch die Sprühpistole kostet deutlich mehr und stellt an den Bediener deutlich höhere Fertigkeiten. Man muss mehr auf seine Gesundheit achten und unbedingt eine Atemschutzmaske tragen. Und Lärm produziert das Gebläse in der Sprühpistole auch, der leicht störend sein kann. Und so sehr man beim Spürhen auch Acht gibt, etwas geht immer vorbei am Canvas und muss hinterher gereinigt werden, es sei denn, man hat einen dauerhaften Sprühraum. Ich habe leider keinen. Das Sprühen mit der Sprühpistole ist dafür etwas sparsamer im Umgang mit dem doch recht teuren Firnis. Einen Liter bekommt man so zwischen 30 bis 60 Euro, fünf Liter Gebinde sind etwas günstiger pro Liter.

Ein richtiger Fan vom Firnissen werde ich aber bestimmt nicht werden. Zu viele Unannehmlichkeiten durch den erforderlichen Platz, die Staubfreiheit (die ja bei der regelmäßigen Arbeit mit Canvas sowieso nicht gegeben ist) und die langwierige Prozedur sowie die Unwägbarkeiten wie Staub oder die Luftbläschen lassen ein kalkulierbares Arbeiten eigentlich nicht zu.

Resümee

Eine Canvasverkäufer klagte mir sein Leid am Telefon, als ich ihn fragte, was er mir denn empfehlen würde. Er meinte, er hätte über die Jahre soviel versucht, doch nichts befriedigendes sei zu finden gewesen. Eine schwache Alternative sah er und auch ich hatte die Variante schon ins Auge gefasst, in der Verwendung von Canvas mit Satin oder Glossy Oberfläche. Die so beschichtete Leinwand verhält sich fast wie ein gutes Fotopapier, das in der Oberfläche deutlich unempfindlicher ist. Dazu hatte ich mir von Rauch eine satinglänzende recht teure Leinwand besorgt. Die Leinwandoberfläche möchte ich fast als unzerstörbar kennzeichnen, auch wenn das sicher übertrieben ist. Doch Druck und Reiben können dieser Oberfläche erstmal nichts anhaben. Und ich darf diese Leinwand sogar mit Photoblack bedrucken für ein bestes Ergebnis. Das spart den teuren Tintenwechsel. Das Schwarz ist noch ein bisschen Tiefer als das der matten Leinwand mit Matteblack bedruckt. Wermutstropfen sind der recht hohe Preis und viel schlimmer, die störenden Reflexe beim Betrachten der Leinwand durch die glänzende Oberfläche vor allem in Flächen mit hohem Farbauftrag. Also genau dort, wo die Leinwand mit besserem Schwarz punkten kann, schwächelt sie, weil das Schwarz häufig nur als Grau empfunden wird wegen der Lichtspiegelungen. Schade.

Ausblick

Ich recherchiere im Moment nach anderen, weiteren Lösungen für dieses Problem der so besonders empfindlichen Leinwanddrucke. Was ich gefunden habe, kann ich Ihnen vielleicht schon bald hier präsentieren. Ich bin gespannt, wie es ausgeht, Sie hoffentlich auch.

Ist die Leinwand ein Souvenir?

Vor ein paar Tagen war ich während eines Telefonats doch tatsächlich sprachlos, ich musste richtig schlucken, um neue worte zu finden. Was war geschehen? Ich hatte für eine Gruppe von Fotografen, die gerne großformatig Fotografien ausstellen wollen, ein Angebot für die Drucke auf Leinwand unterbreitet. Da die Räumlichkeiten wohl sehr groß sind und Fotografien in üblichen Formaten wie 50×70 cm oder 60×90 cm sich darin verlieren würden, so die Aussage des Anfragers für das Angebot, sollten die Drucke schon so um die Metergröße sein. Ich überlegte praktisch und bot die Formate 80×120 cm bis 100×150 cm an. Und da ich die Fotografien gerne gut präsentiert gesehen hätte, wertig und anmutig, nahm ich die gute Leinwand als Basis für meine Kalkulation. Und weil die Leinwand auch so schön stabil ist, leicht zu transportieren und einfach aufzuhängen ist, dachte ich damit die goldene Mitte getroffen zu haben.

In dem für diesen Artikel ursächlichen Telefonat wurde mir also ausgerichtet, Leinwand wäre inzwischen zu sehr als Souvenir verschrien, ein touristisches give-away-Produkt?! Ich hätte mal lieber auf Fotopapier anbieten sollen und man hätte die Fotografien dann mit Aluschienen frei hängend angebracht. Und außerdem fühlte sich ein teilnehmender Fotograf ausgegrenzt, er hätte gerne auch die Fotodrucke für die Ausstellung ausgeführt. Und der hatte auch gleich einen Vorschlag, wie er sich die Präsentation der Fotos vorstellte: auf hochwertiger Plane gedruckt und mit Ösen darin versehen könne man die ganz einfach aufhängen. Ab da fehlten mir die Worte.

Nun zu meiner Betrachtungsweise

Ob der Fotograf mit seiner Sichtweise den Fotografien wirklich hilft, sie beim Betrachter angemessen ankommen zu lassen? Ich weiß nicht. Sicher mag ein Druck auf Plane seine Wirkung zeigen, aber bestimmt nicht, wenn ich die Motive zuvor schon in drei Museen kleinformatig in einem Glasrahmen gezeigt habe – da fehlt einfach die Kontinuität. Und ein künstlerischer Anspruch war immer da. Und, wenn ich das richtig verstanden hatte, sollten die Fotografien auch verkauft werden. Aber wer möchte sich schon eine Plane ins Wohnzimmer hängen, das wird wohl eher die Ausnahme sein.

Ich stelle mir aber, beim Vergleich der Leinwand mit einem Produkt aus dem Souvenir Bereich, die Frage, ob die Leinwand denn wirklich schon verbraucht ist. Ist die Leinwand nicht mehr tauglich für eine gute Fotografie? Aber da kommt auch gleich die Frage hinterher, was soll denn überhaupt ausgestellt werden: die Fotografie oder der Druck. Ist der Rahmen wichtiger als das Motiv. Oder soll mit einem ausgefallenen Rahmen vielleicht eine langweilige Fotografie aufgepeppt werden?

Warum muss das Klassische immer langweilig sein?

Heute werden Fotografien auf vielfältige Weise präsentiert. Manch wer schaut sich seine eigenen Fotos sogar einem einem elektronischen Diarahmen an. Da wechseln die Motive so schnell, das man gar keine Zeit findet, sich über ein misslungenes Foto zu ärgern. Hier zählt die Masse. Und weil durchleuchtet ist es auch noch schon bunt. Drucke hinter Acryl scheinen mir da sehr ähnliche Motivationen aufzuweisen. Eine gute Fotografie braucht wie ein gutes Gemälde seine Zeit zum Betrachten. Der Blick sollte idealerweise zum Motiv geführt werden, das Motiv in den Mittelpunkt rücken. Und da Fotografien meist an irgendwelchen Flächen, wie der Wand in einem Zimmer, gezeigt werden, muss die Fotografie, das Motiv zur Umgebung abgegrenzt werden. Das machte bis vor kurzem immer ein Bilderrahmen. Dabei ist es egal, ob ein Holzrahmen oder ein Rahmen aus Aluminium diese Aufgabe übernimmt. Nur muss der Rahmen harmonisch zur Fotografie sein, sie unterstützen. Aber vielleicht wird das zu oft vergessen.

Meine Fürsprache für die klassische Präsentation

Ich möchte meine Fotografie auch praktisch sehen. Sie muss auch mal den Standort wechseln können, sie muss auch mal transportiert werden dürfen, sie muss sich harmonisch aber nicht aufdringlich an den Betrachter wenden, egal in welchem Umfeld.

Für den klassischen Bilderrahmen mit Glas – und bitte unbedingt mit einem wertigen Passepartout – spricht, stabil, leicht zu handhaben, großer Schutz gegen Beschädigung und Alterung. Und mit einem Nagel in der Wand ist es getan, das Bild hängt. Einziger wirklicher Nachteil ist das Glas, wenn solch eine Fotografie mal verschickt werden soll, es kann zu leicht zerbrechen.

Fotografien auf Platten aufgezogen sind auch OK. Aber mit doch einigen praktischen Nachteilen. Die KAPA-Platte ist super leicht, aber der leichte Schaumkern macht sie extrem empfindlich gegen Druck von allen Seiten. Weiterer Nachteil, die Fotografie muss aufgeklebt werden. Kleber ist Chemie und Chemie erzeugt chemische Prozesse und die beeinflussen wiederrum nachteilig die Haltbarkeit der Fotografie. Es gibt zwar bessere und schlechtere Kleber, doch irgendwann wird auch der beste Kleber sich im Foto zeigen – meist sehr hässlich, so dass das Foto unansehnlich wird. Gleiches gilt auch für die Dibond-Platte. Die ist zwar mechanisch nicht so empfindlich wie KAPA, aber das Problem mit dem Kleber bleibt und die Platte ist deutlich schwerer und hat, weil aus Metall, Kanten und Ecken, die verletzen können. Weiterhin sollten die Fotografien, die auf diesen Platten aufgezogen sind, gegen Feuchtigkeit und Umwelteinflüsse geschützt werden. Das macht man meist mit speziellen Laminierfolien, die vorn aufwändig aufgebracht werden. Aber auch hier gilt das Problem mit chemischen Prozessen in der Zukunft.

Auf Canvas präsentierte Giclées (Giclées sind Drucke mit wasserlöslicher Tinte auf einem gewählten Bedruckstoff, wie heute fast alle Fotografien mit modernen Druckmaschinen gedruckt werden) sind am Besten naturverbunden. Der Canvas ist überwiegend oder ganz aus Baumwolle, er ist gewebt und präsentiert damit ein weiteres Kunsthandwerk und wird auf einen Holzkeilrahmen ausgespannt. Der Druck ist leicht und stabil, die Leinwand kann mit den Keilen leicht nachgespannt werden. Es gibt Canvas mit glänzendem Coating gegen Feuchtigkeit und Alterung aber manchmal störenden Reflexen beim Betrachten und es gibt mattes Coating, das einen besonders hohen Kontrast darstellen kann, aber auch sehr empfindlich ist. Dem entgegen wirken kann man mit einen besonderen Firnis, wie es auch in der Malerei verwendet wird. Matter Leinwanddruck mit Firnis kann angefasst werden, kann mit einem feuchten Tuch abgewischt werden und verlängert die Haltbarkeit der Farben noch mal deutlich. Vorsichtige Schätzungen gehen von fünfzig bis hundert Jahren aus. Und anders als beim Aufkleben und Laminieren der Fotodrucke auf Platten findet hier kein nachteiliger chemischer Prozess mehr statt. Der Firnis enthält Wasser, das einfach wegtrocknet nach dem auf den Canvas aufgebracht.

Meine Favoriten jetzt und zukünftig

Meine Favoriten sind Ihnen bestimmt schon klar, so wie ich die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten aufgezeigt habe. Ich bleibe beim Fotodruck in einem guten Bilderrahmen und alternativ wähle auch genau so gerne das Canvas. Ich mache es mir sogar noch etwas einfacher: im Bilderrahmen zeige ich nur Fotografien bis 50×60 cm, mit Passepartout ist der Rahmen dann bis zu 60×80 cm groß. Solche Rahmenformate bekomme ich in vielen Ausführungen, weil 60×80 cm ein häufiges Format ist. Alle größeren Formate zeige ich auf Canvas. Und ich drucke meine Motive auf matter Leinwand und seit einigen Tagen firnisse ich die Drucke hinterher für einen optimalen Schutz. Gelegentlich rahme ich einen Canvasdruck zusätzlich mit einem Schattenfugenrahmen.

Schreiben Sie mir mit der Kommentarfunktion einfach Ihren Standpunkt, ich würde mich sehr freuen.

Wo bekommt man Keilrahmenleisten

Ich selbst habe jahrelang bei boesner in Bremen gekauft. Leider waren oft die Leisten, die ich gerade benötigte, abverkauft und Nachlieferung war selten in Sicht. Das mag in anderen Filialen von boesner, die es in vielen größeren Städten in ganz Deutschland gibt, ähnlich sein.

Alternativ bietet sich auch boesner Versand an. Auf der Website von boesner findet man alle Kontaktdaten und ganz neu können im Shop sogar Keilrahmen der Klasse Standard in 50er Bündeln bestellt werden. Ich empfehle allerdings die Güteklasse Classic, weil die mehrfach verleimt sind und somit deutlich weniger verziehen (Holz arbeitet immer und wenn es ganz feucht oder ganz trocken wird, verzieht es sich mehr oder weniger – dagegen hilft nur eine Mehrfachverleimung).

Ganz neu ist das Angebot von lila-canvas. Dort heißen die Leisten zwar auch Standard, doch die sind mehrfach verleimt. Etwas preiswerter als bei boesner sind die auch und man kann dort schon ab zwei Leisten bestellen. Und wer noch boesner Leisten hat, kann die mit denen von lila-canvas sogar mischen.

Update:

Heute empfehle ich ganz ungeniert die besonders hochwertigen Leisten von der Fa. Nadler: www.pro-artist.com