Ich selbst stehe ja ständig in der Konkurrenz zu Mitbewerbern um jeden Auftrag. Doch ist das Geschäft überhaupt noch ein Geschäft. Lohnt sich die Arbeit und Mühe, die jeder von uns in seine Fotoprodukte steckt? Ich will in diesem Artikel der Frage nach gehen, wie viel Herzblut unser Geschäft verträgt und ob am Ende noch wer von seiner Arbeit leben mag, soweit diese Frage überhaupt beantwortet werden kann. Ich versuche Wege aufzuzeigen, die verschiedene Druckdienstleister gehen, um ihre Produkte günstig anbieten zu können. Zum Vergleich nehme ich mein Geschäft als den Einzelkämpfer, der bei den Druckdienstleistern am häufigsten vertreten ist, heran.
Wir als Druckdienstleister im Fotobusiness haben vielfältige Möglichkeiten, unsere Produkte wertig zu machen und genauso viele Möglichkeiten, günstig zu produzieren. Jeder legt seinen Schwerpunkt anders, mal auf Qualität, mal auf kleine Preise.
Um kleine Preise wirtschaftlich vertreten zu können, muss man günstig einkaufen, am besten in großen Mengen, denn dann gibt es Rabatte. Und bei den Papieren an sich kann auch kräftig gespart werden. Ein dünnes Papier ist billiger als ein dickes. Und die Tintenaufnahmeschicht kann gut oder exzellent sein. So kommt es, das ein 200 g/qm Fotopapier für wenig mehr als 1 Euro pro Quadratmeter zu haben ist, ein 260 g/qm Marken-Fotopapier aber schnell 7 Euro kostet. Der, der das 7 Euro teure Papier verarbeitet, hat hier immerhin schon siebenmal so hohe Kosten pro Abzug. Gleiches gilt für die verwendeten Tinten. Nehme ich beispielsweise die originalen Tinten von Epson, so kostet mich eine Kartusche mit 220 ml zwischen 60 und 80 Euro – das ist nicht mal ein viertel Liter! Rechne ich das auf den Quadratmeter um, so kostet es zwischen 4 und 6 Euro Tinte für jeden bedruckten Quadratmeter Fotopapier. Nehme ich sogenannte kompatible Tinten, reduziert sich der Kostenfaktor Tinte auf 3 bis 5 Euro.
Welche Auswirkungen bringt die Auswahl mit sich?
Nehme ich z. B. ein original Fotopapier von Epson, so habe ich die Gewissheit, das mein Foto besonders lange hält. Es gibt dazu die Untersuchungen vom Wilhelm Research Institute für diverse Markenprodukte bezüglich Haltbarkeit unter bestimmten Voraussetzungen. Epsons Papiere sind getestet und ich kann mich darauf beziehen, wenn ich ein Foto auf einem Epson Papier dem Kunden liefere. Nehme ich ein günstigeres Papier, gibt es solche Tests meist nicht. Es kann also passieren, das ein Foto auf einem Noname Papier schon nach wenigen Jahren seine Farben so stark verliert, das es unansehnlich wird. Und auch oder obwohl ich Epson Tinten verwendet habe, die ja bis 75 Jahre halten sollen. Auf dem Epson Papier dagegen kann ich meist auf 30 bis 50 Jahre vertrauen. Es zeigt sich, das die Tinte nur in Verbindung mit einem geeigneten Papier lange hält. Das gilt heute auch für Canon und HP Papiere und Tinten. Nehme ich dann noch eine kompatible Tinte, also keine Originaltinte, dann reduziert sich die Haltbarkeit nochmals um einen gewichtigen Faktor. Ich verweise da nur auf entsprechende Tests in Fotozeitschriften, wo Tinten für Desktopdrucker bis zum Format DIN A3 des öfteren untersucht und mit den originalen Tinten verglichen wurden. Da konnte man oft schon nach weniger als einem Jahr unter UV-Einstrahlung deutliche Farbunterschiede sehen. Aber wer billig will, bekommt billig.
Was kostet eigentlich ein 60×80 cm Fotoposter?
Bei mir kostet es 19,99 Euro inkl. MwSt., bei posterxxl.de kostet es 16,99 Euro, bei posterjack.com nur 9,99 Euro (Stand: 16. April 2010). Und was bekommt der Kunde?
Bei mir gibt es das Epson Premium Luster 260 g/qm Fotopapier, bei posterxxl.de ist es ein nicht näher bezeichnetes 230 g/qm Fotopapier und bei posterjack.com ist es ein 210 g/qm Fotopapier.
Wo liegen die Kosten? Das Epson Premium Luster kostet netto ca. 7 Euro pro qm, ein gutes 230 g/qm Fotopapier kann ich für unter 3 Euro kaufen und ein 210 g/qm Fotopapier bekomme ich für unter 2 Euro. Und das ohne Rabatte für besonders große Mengen zu beanspruchen.
Das 60×80 cm Poster hat eine Fläche von 0,6×0,8 m = 0,48 qm. Das Poster auf dem 210 g Papier kostet also gut 1 Euro, auf dem 230 g Papier schon 1,50 Euro und auf dem Epson Luster gar 3,50 Euro. Nun muss noch ein wenig Verschnitt hinzu gerechnet werden, denn selbst eine passende Rolle von 24 Zoll Breite (61 cm) braucht noch Material zum Schneiden vor und nach dem Druck. Ich rechne hier immer gut 2 cm oben und unten dazu, ich brauche also 61×84 cm Papier – macht 0,51 qm. Tinte für gut einen halben Quadratmeter rechne ich mit günstigen 4 Euro Originaltinte pro Quadratmeter geteilt durch zwei = 2 Euro an.
posterjack.com kostet ein 60×80 cm Poster also 1 Euro Papier + 2 Euro Tinte = 3 Euro (3,57 Euro inkl. MwSt.).
posterxxl.de kostet ein 60×80 cm Poster 1,50 Euro + 2 Euro Tinte = 3,50 Euro (4,17 Euro inkl. MwSt.).
Mich kostet das 60×80 cm Poster 3,50 Euro + 2 Euro Tinte = 5,50 Euro (6,55 Euro inkl. MwSt.)
Was nicht in dieser Rechnung erfasst ist, welche Rabatte beim Einkauf posterjack.com und posterxxl.de geltend machen können. Und ich weiß nicht, mit welchen Tinten die beiden arbeiten. Da die beiden Referenzdienstleister auch Werbung im Fernsehen machen, kann von einem entsprechend großen Bekanntheitsgrad ausgegangen werden und das spiegelt sich im Auftragsvolumen wieder. Je mehr Durchsatz produziert wird, desto günstiger kann eingekauft werden und desto mehr kann automatisiert werden.
Dazu mein Beispiel: Ich muss meist erst das Papier im Drucker wechseln auf das richtige Material mit der günstigsten Materialbreite. So was dauert zwischen zwei und vier Minuten. Dann rufe ich die zu druckende Datei auf meinem Computer auf und layoute das Foto, so wie der Kunde es gedruckt haben möchte. Das dauert ca. zwei Minuten. Dann drucke ich. Dauer ca. fünf Minuten mit 1440 dpi Druckauflösung. Während dessen kann ich anderen Aufgaben nach gehen. Ist der Druck fertig, nehme ich es aus der Maschine und prüfe. Ist alles OK, gehe ich zur Schneidemaschine und schneide überstehende Ränder ab. Das dauert ca. zwei Minuten. Abschließend wird der Druck gerollt, in Folie oder Seidenpapier eingewickelt, in eine Papprolle verpackt, die noch zugeklebt werden muss. Der Versandauftrag wird von mir online erstellt, der Versandaufkleber auf einem Laserdrucker ausgedruckt und auf die Versandrolle aufgeklebt. Das dauert insgesamt noch mal ca. fünf Minuten. An dem einen Poster habe ich also ohne Druckzeit zwischen elf und dreizehn Minuten. Rechne ich mal gut 50 Euro, die ich als Selbständiger pro Stunde erwirtschaften muss, um meine Krankenversicherung und Rentenversicherung, Steuern und Material sowie meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, dann kostet mich dieser Druck 10,83 Euro Arbeitszeit.
Warum tue ich das überhaupt?
Arbeitszeit 10,83 Euro für ein 60×80 cm Poster plus 6,55 Euro Material- und Druckkosten macht 17,38 Euro. Beim Verkaufspreis von 19,99 Euro verbleiben mir so 2,61 Euro Gewinn, Gewinn, den ich dazu benutzen muss, einen Fehldruck, der ja immer vorkommen kann, auszugleichen und auch noch Rücklagen zu bilden für eine Reparatur an einer Maschine und für zukünftige Investitionen. Erst kurz vor Weihnachten 2009 ging an der Epson 9800 Druckmaschine die Reinigungseinheit kaputt – Kosten mit Einbau = 630 Euro. 2,61 Euro sind sehr wenig, um davon leben zu können, zumal ich davon ja die Mehrwertsteuer / Umsatzsteuer von 19 % noch ans Finanzamt abführen muss. So bleiben davon netto gerade 2,20 Euro übrig. Und um ein durchschnittliches Nettogehalt von z. B. 1800 Euro zu erwirtschaften, muss ich mindestens 820 Aufträge für Drucke in 60×80 cm auf meinem Epson Fotopapier bekommen. Jeden Monat. Es gibt aber starke Monate und schwache. Vor Weihnachten werden immer besonders viele Poster bstellt, oder nach den Sommerferien. Dazwischen ist es meist mau.
Mein Fazit oder eher meine erschreckende Erkenntnis?
Es ist für Kunden nicht nachvollziehbar, warum der eine Dienstleister nur 9,99 Euro, der andere aber 19,99 Euro für ein 60×80 cm Fotoposter haben muss. Und wenn der Kunde nur ein oder zweimal im Jahr ein Poster bestellt, wird er keine Vergleichsmöglichkeit haben. Außerdem wird der Kunde über die Haltbarkeit eines Fotoabzugs erst nach Jahren urteilen können, ob er, der Kunde, dann die Ursache in dem Papier oder eher in seinem Handeln sieht, sei dahin gestellt.
In Zeiten schwacher Konjunktur, Zeiten, in denen viele Angst um ihren Arbeitsplatz und damit ihre Zukunft haben, werden sich Luxusartikel wie Fotoposter nur schwerer verkaufen lassen und wenn, wird der Kunde bestimmt auch auf den Preis schauen. Kleinen Druckdienstleistern bleibt so die Rolle eines Tante-Emma-Ladens und die sind in der Vergangenheit allesamt von Discountern verdrängt worden. Sollen wir Kleinen jetzt eine Genossenschaft bilden, um so günstiger einkaufen können? Ich denke, das wird sich nicht so einfach realisieren lassen, denn einerseits ist die Konkurrenz untereinander zu ausgeprägt und andererseits, wie soll ein Kleiner mal eben größere Produktionskapazitäten aufbauen können, wenn denn überhaupt gewollt?
Was ist zu tun?