Timeless Firnis Gloss

Habe mir kurz vor Weihnachten mal ’ne Gallone von dem Timeless Gloss Firnis bestellt und dann einen 50×150 cm Druck auf der Bonjet Canvas matt zum Test damit lackiert.

Mein erster Eindruck ist, daß das Timeless Gloss sehr, sehr schnell trocknet. Ich muss die Rolle, die ich zum auftragen benutze, immer wieder in die Schale mit Firnis neu eintauchen und wenn ich dann die Rolle auf der Leinwand  dort ansetze, wo ich aufhörte, ist dort das Firnis schon fast komplett trocken. Als ich das Firnis überall aufgetragen hatte, konnte ich erste Bereiche mit unterschiedlichem Glanz sehen. Ich setzte mutig zum zweiten Durchgang an und trug auf der gesamten Fläche noch mal Firnis auf, diesmal etwas dünner, und versuchte so einen homogenen Glanz auf der Leinwand hin zu bekommen. Dabei merkte ich, daß das Firnis vom ersten Auftragen schon zäh klebrig an der Rolle zerrte.

Im trockenen Zustand waren auf der Leinwand immer noch mattere und glänzendere Bereiche auszumachen, vor allem, wenn ich schräg drauf schaute. Der Grund mag in den Umgebungsbedingungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Art der Leinwand gelegen haben, ich teste in den kommenden Tagen mal ein anderes Motiv und auch eine andere Leinwand werde ich für’s firnissen verwenden. So jedenfalls ist das Ergebnis nicht zu gebrauchen.

Meine anfängliche Frage, ob und wie sich das glänzende Firnis auf den Druck auswirkt, wurde beantwortet: Die Farben wirken brillanter, das Motiv ist kontrastreicher. Mit glänzendem Firnis wirkt das Motiv fast wie auf gutem Fotopapier gedruckt. Es ist plastischer, dreidimensionaler und knackiger. Einzig an den Stellen, an denen ich zweimal Firnis aufgetragen hatte, war der Glanz schon ein bisschen arg speckig, zuviel. Ich berichte vom nächsten Versuch.

Timeless Firnis Matt

Nach meinem ersten Test der Tetenal Firnislösung habe ich jetzt mal die von Breathing Color probiert. Breathing Color macht im Internet viel Werbung für seine Canvas Stoffe und wirbt besonders mit deren besonderer Weiße ohne optische Aufheller. Das matte Canvas Lyve von Breathing Color habe ich gerade im Test und berichte demnächst darüber.

Timeless ist eine Weiterentwicklung vom Glamour II und soll noch besser sein. Glamour II konnte ich nicht testen, womit ein Vergleich für mich nicht möglich ist. Timeless ist in drei Glanzgraden zu bekommen: matt, satin und gloss. Für meinen Test habe ich mir eine Dose in matt besorgt und war gleich enttäuscht von der Dosengröße: Ich hatte die in Pintgröße bestellt und diesen Pint fälschlicherweise mit knapp einem Liter angenommen. Tatsächlich ist das amerikanische Pint aber nur knapp einen halben Liter groß. In Amerika bekommt man allerorten ein Pint Bier serviert – also knapp einen halben Liter, was beim dünnen amerikanischen Bier nicht wirklich viel ist. Das so nebenbei.

Ein halber Liter stand mir für erste Firnisversuche also zur Verfügung – der kostete mich doch tatsächlich fast 35 Euro, der Liter so gut 70 Euro. Das wäre zweimal so teuer wie Protenal, wobei Protenal nur als Litergebinde zu haben ist, während Timeless auch als Gallone lieferbar ist. Eine Gallone entspricht fast 4 Liter – genauer sind es 3,785 Liter – und die gibt es für rund 130 Euro, was einem Literpreis von etwas mehr als 34 Euro entspricht. Damit ist Timeless dann wieder 1 Euro pro Liter günstiger als Protenal. Und Timeless wird nur einmal aufgetragen, Protenal dagegen zweimal, sparen wir auch hier, selbst wenn die leichte Verdünnbarkeit des Protenal mit einbezogen wird.

Gehe ich davon aus, das ich mit Protenal und Timeless die gleiche Quadratmeterzahl schützen kann, dann ist Timeless fast doppelt so ergiebig – weil nur einmal aufzutragen – wie Protenal. In Kosten ausgedrückt ergibt sich Timeless also ein deutlicher Vorteil, aber wohlgemerkt theoretisch.

Timeless darf nicht verdünnt werden, daraus ergibt sich ein weiterer Vorteil: Reste können zurück in die Dose gekippt werden, ich muss nur selten Ansatzlösungen wegtun und spare hier noch mal.

Das Auftragen

Dose gut schütteln und die fertige Lösung in eine Schale für die Malerrolle kippen. Die Malerrolle gut mit dem Firnis vollsaugen lassen und dann auf das Canvas aufrollen. Auf Breathing Colors Website gibts ein Video, dass das Vorgehen gut zeigt. Tatsächlich sehe ich keine Veränderungen der Farbe beim Auftragen. Die Firnislösung ist ganz klar, keine gelbliche Veränderung wie beim Protenal. Das Timeless muss kräftig aufgetragen werden. Es sind viele Rollbewegungen mit der Malerrolle zu machen, wobei ich mit immer weniger Druck rolle. Nach kurzer Zeit ist das Firnis angetrocknet und ich kann den Canvasdruck zur Seite legen. Nach gut 12 Stunden ist das Firnis wirklich trocken und ich sehe auch hier, wie beim Protenal, leichte Glanzunterschiede in der Oberfläche, so wie ich die ersten Bahnen mit viel Firnis auf der Rolle gerollt hatte. Vielleicht ist das Canvas schuld? Ich hatte das Bonjet 360 matte Canvas von Le Bon Image für die Tests genommen und da sowohl das Protenal als auch Timeless diese Streifen zeigen, bin ich geneigt das Canvas als Ursache anzusehen. Ich werde da noch Tests mit dem Breathing Color Lyve und dem Epson Water Resistant matte Canvas und den beiden Firnis machen müssen.

Mein Fazit

Timeless ist im großen Gebinde bezahlbar, allerdings muss man sich dann auch eine Gallone davon hinstellen. Wer nur ab und an und dann nur kleinere Flächen versiegeln muss, dem wird das Timeless zu teuer sein. Timeless lässt sich ähnlich einfach und ohne Probleme auftragen wie das Protenal. Keine Bläschen, keine Farbänderungen.

Beide matten Firnisse, das Protenal wie auch das Timeless, sind nicht komplett matt. Das Timeless ist ein Hauch matter als Protenal. Schaut man seitlich auf die Canvasdrucke, so nimmt der Kontrast ab, Schwärzen werden grauer. Beim direkten Betrachten von vorn wirkt das Bild so wie ohne Firnis und auch die Streifen sind nicht sichtbar.

Früher beim Laminieren von Fotodrucken war mir aufgefallen, das eine matte Folie ein knackiges Foto total flau werden lässt, nur glänzende Folie erhielt das Erscheinungsbild.

Um also einen Canvasdruck knackiger, brillianter zu machen, muss ich schon eine seidenglänzende oder gar glänzende Firnis verwenden. Das konnte ich im vergangenen Jahr auch mit der seidenglänzenden Firnis von Canvasi beobachten, die besonders das Schwarz schwärzer werden ließ. Doch damit erhalte ich auch wieder Glanz auf der Leinwand und Reflexionen vom Licht im Raum. Dann kann ich auch gleich eine glänzende Leinwand nehmen und spare mir die kleherei mit Firnis, Zeit und Geld. Die Epson Premium Canvas satin hat mir besonders gut gefallen.

Tetenal Protenal M Firnis

Wer seine matten Canvasdrucke schützen will, der benutzt ein Firnis. Ich habe mir vor wenigen Tagen mal das Firnis von Tetenal besorgt und weil ich die Anmutung der matten Leinwand erhalten wollte, das mit dem matten Finish gewählt.

Tetenal verspricht mit einem Liter bis zu 15 qm Canvas zu versiegeln. Man soll es nur zweimal auftragen müssen. Andere Firnisse sind da ausgiebiger aufzutragen, meist müssen die dreimal aufgerollt oder aufgesprüht werden. Tetenal Protenal ist so günstiger als andere.

Ich habe heute ein Canvas in 70×120 cm gedruckt und nach einigen Stunden Trockenzeit das Protenal angerührt: 3 Teile Protenal, ein Teil Wasser. Das Auftragen geht mit der Rolle leicht und ist schnell gemacht. Unbedingt eine Schaumstoffrolle mit abgerundeten Seiten verwenden (ich hab meine bei Max Bahr bekommen)! Bläschen, die beim Aufrollen mit der Schaumstoffrolle entstehen, verschwinden bei Protenal schnell und es entsteht eine glatte Oberfläche. Zum Vergleich mit dem Firnis von Canvasi: da hatte ich bei zwei von drei Versuchen nach dem Trocknen des Firnis noch Bläschen auf dem Canvas, was dadurch nicht mehr zu gebrauchen war.

Das Protenal erzeugt einen ganz schwachen Glanz auf dem Canvas, obwohl ich das matte Protenal verwendete. Und es bleiben leichte Streifen nach dem Trocknen zu sehen. Dabei hatte ich versucht, das Protenal gleichmässig aufzurollen. Die Streifen zeigen sich nach dem Trocknen durch unterschiedliche Glanzgrade und die sieht man, wenn man die Leinwand schräg gegen das Licht betrachtet. Das war nicht so toll.

In meinem Test habe ich das Protenal auf die Bonjet 360 Leinwand von Le Bon Image aufgetragen. Diese Leinwand ist sehr weiss, also mit optischen Aufhellern. Das Protenal macht die weisse Leinwand etwas gelber. Im Motiv konnte ich keine Farbänderungen wahrnehmen, aber das von mir verwendete Motiv war für solch kritische Betrachtungen eh nicht sonderlich geeignet. Also aufpassen!

Mein Fazit:

Verglichen mit dem Firnis von Canvasi nimmt die Tiefenwirkung im Bild nicht zu, eher wird es ein ganz klein wenig kontrastärmer. Es ist leichter zu verarbeiten, wenn auch die Streifen nach dem Trocknen noch Probleme machen. Mit ca. 30 Euro pro Liter netto ist Protenal nicht günstig, aber günstiger als Art Shield. Es ist schneller zu verarbeiten, denn zwischen den beiden Auftragvorgängen muss nur 4 bis 6 Stunden Trockenzeit vergehen. Bei Art Shield sollten es 12 bis 24 Stunden sein und das sogar dreimal aufzutragen ist. Matt bleibt mit Protenal nicht matt, auch wenn der Glanz nur schräg gegen das Licht betrachtet sichtbar wird und sich dann als schwaches Schimmern zeigt. Wie das bei Art Shield und Canvasi ist, konnte ich noch nicht probieren. Von Canvasi hatte ich bisher nur das semimatte probiert.

Canvas und Firnis

In den vergangenen Wochen habe ich meine Lieferanten für die Canvas total genervt. Immer und immer wieder musste ich nachfragen, wie ich denn die Canvasoberfläche meiner Fotos auf Leinwand besser schützen kann. Nun bin ich etwas schlauer.

Das ursächliche Problem, warum die Canvas nach dem Druck so empfindlich ist, ist die Tinte. Als eingeschworener Epson Fan drucke ich auf der Leinwand natürlich mit  dem matten Schwarz um eine bessere Tiefe zu bekommen. Das matte Schwarz besteht aus größeren Pigmentteilchen, die weniger in die Tintenaufnahmeschicht matter Oberflächen wie Canvas aufgenommen wird. Dadurch entsteht ein besseres Schwarz, der Druck hat mehr Tiefe und einen höheren Kontrast als vergleichsweise mit dem Photoblack. Diese größeren Pigmentteilchen haben aber den Nebeneffekt, das man sie durch leichten Druck schon verdichten kann, und wenn sie verdichtet werden, entsteht ein Glanz.

Dem kann man entgegen wirken, indem die Canvas nach dem Druck, aber vor dem Rahmen, mit einem Schutzlack versiegelt wird. Das kann einmal das Spray sein, wie man es allerorten kaufen kann. Doch die Wirkung will sich mit dem Spray nicht so richtig einstellen. Alternativ gibt es Firnislacke, wie wir sie von den mit Öl malenden Künstlern kennen. Es darf aber nicht irgendein Firnis sein, der Firnis muss auf die Leinwandschicht und die Tinte genau abgestimmt sein. Sowohl das Spray als auch eine Firnislösung habe ich probiert, wobei das Spray kläglich versagte und hier nicht weiter behandelt wird.

Es gibt zum Auftragen der Firnis zwei Vorgehensweisen: Mit einer Malerrolle und mit einer Sprühanlage.

Mit der Malerrolle habe ich meinen zweiten Versuch  gemacht. Man nimmt eine Schaumstoffrolle, ich habe zwei Stück im Baumarkt für wenige Euro gekauft, eine mit 11 cm Breite und die andere mit 16 cm Breite. Wichtig ist nur, das die Seiten der Rolle unbedingt abgerundet sein müssen. Sonst bekommt man beim Auftragen immer Streifen von Firnis. Den Firnis habe ich in eine kleine Schale gefüllt und die Menge mit 25 % distilliertem Wasser verdünnt. Das distillierte Wasser ist wohl wichtig, damit keine Keime, die im Leitungswasser immer vorhanden sind, sich im Firnis einbetten und so die Haltbarkeit des Schutzfirnis verändern. Jedenfalls muss der Firnis dreimal aufgetragen werden. Also den Druck mindestens 24 Stunden trocknen lassen. Dann den Druck auf eine Platte (Holz oder Glas) mit Kreppklebeband fixieren. Ich hatte einmal eine dickere Pappe als Unterlage genommen, doch die wölbte sich ob der Feuchtigkeit nach dem zweiten Auftragen des Firnis und ein Weiterarbeiten war so nicht mehr möglich. Dann die erste Schicht Firnis aufrollen und dreissig Minuten trocknen lassen. Dabei sollte die Luftfeuchtigkeit im Raum nicht zu hoch und die Raumtemperatur um die 20 Grad sein. Stimmen Luftfeuchtigkeit und Temperatur nicht, muss länger Zwischengetrocknet werden. Nun wird der Druck um 90 Grad gedreht und der zweite Firnisauftrag aufgebracht. Dann wieder dreissig Minuten trocknen lassen. Und den Druck wieder um 90 Grad drehen und den dritten und letzten Auftrag aufrollen, das sogenannte Finish.

Beim Aufrollen unbedingt auf einen gleichmäßigen Auftrag achten und die Rolle nicht zu stark aufpressen. Das der Firnis Anfangs etwas milchig aussieht, macht nichts, er wird sehr schnell klar und bleibt auch bis zuletzt so. Einzig auf kleine Luftbläschen muss geachtet werden. Die unbedingt so lange überrollen, bis sie sich aufgelöst haben. Mir ist beim zweiten Motiv passiert, das ich nach dem zweiten Durchgang einige kleine Luftbläschen übersehen hatte und nach einer halben Stunde war der Firnis handtrocken, die Bläschen waren noch da und der Druck jetzt so unansehnlich, das ich ihn wegtun musste. Nachdem der dritte Firnisauftrag gemacht ist, sollte der Druck weitere 24 Stunden trocknen und erst dann auf den Keilrahmen aufgezogen werden. Mein Fazit: Wer nur ab und an mal einen Canvasdruck firnissen will, für den ist das eine einfache Vorgehensweise. Wer aber mehrere Drucke oder gar viele schützen will oder muss, der bekommt Probleme. Ich habe da öfter mal so 100×250 cm große Drucke. Da die Drucke zwischendurch immer wieder trocknen müssen, hat man schnell Platzprobleme. Und irgendwo zur Seite stellen geht auch nicht so einfach, denn zu leicht kann sich ein Staubkorn auf der klebrigen Oberfläche festsetzen und ist später nicht mehr entfernbar.

Das Aufsprühen. Dazu habe ich mir eine Sprühpistole von Wagner gekauft. Knapp hundert Euro hat mich die Maschine im Baumarkt gekostet, gleich mit zwei Tanks für die Firnislösung. Die Sprühpistole ist eine sogenannte HVLP Sprühpistole, HVLP steht für High Volume Low Pressure und meint, sie spüht viel Farbe mit geringem Druck. Das wiederum bedeutet, es entsteht fast kein Sprühnebel, der sich im Raum verteilt und so alles mit seinen Farben zudeckt. Das ist gut. Und der Firnis kommt mit guten Druck aus der Pistole. Da gibt es dann wieder Haufenweise Anleitungen, wie die Pistole gehalten werden soll und in welchem Abstand.

Mein erster Versuch war, die Leinwand an einer Art Wäscheleine im Badezimmer über der Badewanne aufzuhängen. Doch der Spühdruck aus der Maschine blies mir die Leinwand immer weg, ein Firnisauftrag war so nicht möglich. Also wieder eine entsprechend große Unterlage besorgen und die Leinwand mit Kreppklebeband darauf fixieren. Mit einem gleichmäßigen Abstand von 5 bis 10 cm zum Canvas den Firnis gleichmäßig aufsprühen. Dabei schön darauf achten, dass der Firnis auch alles bedeckt, aber nicht zu viel, das der Firnis in Tropfenbahnen nach unten läuft. Die Canvas steht senkrecht vor mir, ein flaches hinlegen auf dem Tisch, wie beim Rollen mit der Malerrolle, geht ja nicht. Das Ergebnis war OK. Die Vorgehensweise ist wie beim Aufrollen. Erster Auftrag, dreissig Minuten trocken, zweiter Auftrag, dreissig Minuten trocken, dritter Auftrag. Mit Luftbläschen hat man hier keine Sorgen. Mein Fazit: Das Aufsprühen geht einfacher von der Hand. Doch die Sprühpistole kostet deutlich mehr und stellt an den Bediener deutlich höhere Fertigkeiten. Man muss mehr auf seine Gesundheit achten und unbedingt eine Atemschutzmaske tragen. Und Lärm produziert das Gebläse in der Sprühpistole auch, der leicht störend sein kann. Und so sehr man beim Spürhen auch Acht gibt, etwas geht immer vorbei am Canvas und muss hinterher gereinigt werden, es sei denn, man hat einen dauerhaften Sprühraum. Ich habe leider keinen. Das Sprühen mit der Sprühpistole ist dafür etwas sparsamer im Umgang mit dem doch recht teuren Firnis. Einen Liter bekommt man so zwischen 30 bis 60 Euro, fünf Liter Gebinde sind etwas günstiger pro Liter.

Ein richtiger Fan vom Firnissen werde ich aber bestimmt nicht werden. Zu viele Unannehmlichkeiten durch den erforderlichen Platz, die Staubfreiheit (die ja bei der regelmäßigen Arbeit mit Canvas sowieso nicht gegeben ist) und die langwierige Prozedur sowie die Unwägbarkeiten wie Staub oder die Luftbläschen lassen ein kalkulierbares Arbeiten eigentlich nicht zu.

Resümee

Eine Canvasverkäufer klagte mir sein Leid am Telefon, als ich ihn fragte, was er mir denn empfehlen würde. Er meinte, er hätte über die Jahre soviel versucht, doch nichts befriedigendes sei zu finden gewesen. Eine schwache Alternative sah er und auch ich hatte die Variante schon ins Auge gefasst, in der Verwendung von Canvas mit Satin oder Glossy Oberfläche. Die so beschichtete Leinwand verhält sich fast wie ein gutes Fotopapier, das in der Oberfläche deutlich unempfindlicher ist. Dazu hatte ich mir von Rauch eine satinglänzende recht teure Leinwand besorgt. Die Leinwandoberfläche möchte ich fast als unzerstörbar kennzeichnen, auch wenn das sicher übertrieben ist. Doch Druck und Reiben können dieser Oberfläche erstmal nichts anhaben. Und ich darf diese Leinwand sogar mit Photoblack bedrucken für ein bestes Ergebnis. Das spart den teuren Tintenwechsel. Das Schwarz ist noch ein bisschen Tiefer als das der matten Leinwand mit Matteblack bedruckt. Wermutstropfen sind der recht hohe Preis und viel schlimmer, die störenden Reflexe beim Betrachten der Leinwand durch die glänzende Oberfläche vor allem in Flächen mit hohem Farbauftrag. Also genau dort, wo die Leinwand mit besserem Schwarz punkten kann, schwächelt sie, weil das Schwarz häufig nur als Grau empfunden wird wegen der Lichtspiegelungen. Schade.

Ausblick

Ich recherchiere im Moment nach anderen, weiteren Lösungen für dieses Problem der so besonders empfindlichen Leinwanddrucke. Was ich gefunden habe, kann ich Ihnen vielleicht schon bald hier präsentieren. Ich bin gespannt, wie es ausgeht, Sie hoffentlich auch.

Ist die Leinwand ein Souvenir?

Vor ein paar Tagen war ich während eines Telefonats doch tatsächlich sprachlos, ich musste richtig schlucken, um neue worte zu finden. Was war geschehen? Ich hatte für eine Gruppe von Fotografen, die gerne großformatig Fotografien ausstellen wollen, ein Angebot für die Drucke auf Leinwand unterbreitet. Da die Räumlichkeiten wohl sehr groß sind und Fotografien in üblichen Formaten wie 50×70 cm oder 60×90 cm sich darin verlieren würden, so die Aussage des Anfragers für das Angebot, sollten die Drucke schon so um die Metergröße sein. Ich überlegte praktisch und bot die Formate 80×120 cm bis 100×150 cm an. Und da ich die Fotografien gerne gut präsentiert gesehen hätte, wertig und anmutig, nahm ich die gute Leinwand als Basis für meine Kalkulation. Und weil die Leinwand auch so schön stabil ist, leicht zu transportieren und einfach aufzuhängen ist, dachte ich damit die goldene Mitte getroffen zu haben.

In dem für diesen Artikel ursächlichen Telefonat wurde mir also ausgerichtet, Leinwand wäre inzwischen zu sehr als Souvenir verschrien, ein touristisches give-away-Produkt?! Ich hätte mal lieber auf Fotopapier anbieten sollen und man hätte die Fotografien dann mit Aluschienen frei hängend angebracht. Und außerdem fühlte sich ein teilnehmender Fotograf ausgegrenzt, er hätte gerne auch die Fotodrucke für die Ausstellung ausgeführt. Und der hatte auch gleich einen Vorschlag, wie er sich die Präsentation der Fotos vorstellte: auf hochwertiger Plane gedruckt und mit Ösen darin versehen könne man die ganz einfach aufhängen. Ab da fehlten mir die Worte.

Nun zu meiner Betrachtungsweise

Ob der Fotograf mit seiner Sichtweise den Fotografien wirklich hilft, sie beim Betrachter angemessen ankommen zu lassen? Ich weiß nicht. Sicher mag ein Druck auf Plane seine Wirkung zeigen, aber bestimmt nicht, wenn ich die Motive zuvor schon in drei Museen kleinformatig in einem Glasrahmen gezeigt habe – da fehlt einfach die Kontinuität. Und ein künstlerischer Anspruch war immer da. Und, wenn ich das richtig verstanden hatte, sollten die Fotografien auch verkauft werden. Aber wer möchte sich schon eine Plane ins Wohnzimmer hängen, das wird wohl eher die Ausnahme sein.

Ich stelle mir aber, beim Vergleich der Leinwand mit einem Produkt aus dem Souvenir Bereich, die Frage, ob die Leinwand denn wirklich schon verbraucht ist. Ist die Leinwand nicht mehr tauglich für eine gute Fotografie? Aber da kommt auch gleich die Frage hinterher, was soll denn überhaupt ausgestellt werden: die Fotografie oder der Druck. Ist der Rahmen wichtiger als das Motiv. Oder soll mit einem ausgefallenen Rahmen vielleicht eine langweilige Fotografie aufgepeppt werden?

Warum muss das Klassische immer langweilig sein?

Heute werden Fotografien auf vielfältige Weise präsentiert. Manch wer schaut sich seine eigenen Fotos sogar einem einem elektronischen Diarahmen an. Da wechseln die Motive so schnell, das man gar keine Zeit findet, sich über ein misslungenes Foto zu ärgern. Hier zählt die Masse. Und weil durchleuchtet ist es auch noch schon bunt. Drucke hinter Acryl scheinen mir da sehr ähnliche Motivationen aufzuweisen. Eine gute Fotografie braucht wie ein gutes Gemälde seine Zeit zum Betrachten. Der Blick sollte idealerweise zum Motiv geführt werden, das Motiv in den Mittelpunkt rücken. Und da Fotografien meist an irgendwelchen Flächen, wie der Wand in einem Zimmer, gezeigt werden, muss die Fotografie, das Motiv zur Umgebung abgegrenzt werden. Das machte bis vor kurzem immer ein Bilderrahmen. Dabei ist es egal, ob ein Holzrahmen oder ein Rahmen aus Aluminium diese Aufgabe übernimmt. Nur muss der Rahmen harmonisch zur Fotografie sein, sie unterstützen. Aber vielleicht wird das zu oft vergessen.

Meine Fürsprache für die klassische Präsentation

Ich möchte meine Fotografie auch praktisch sehen. Sie muss auch mal den Standort wechseln können, sie muss auch mal transportiert werden dürfen, sie muss sich harmonisch aber nicht aufdringlich an den Betrachter wenden, egal in welchem Umfeld.

Für den klassischen Bilderrahmen mit Glas – und bitte unbedingt mit einem wertigen Passepartout – spricht, stabil, leicht zu handhaben, großer Schutz gegen Beschädigung und Alterung. Und mit einem Nagel in der Wand ist es getan, das Bild hängt. Einziger wirklicher Nachteil ist das Glas, wenn solch eine Fotografie mal verschickt werden soll, es kann zu leicht zerbrechen.

Fotografien auf Platten aufgezogen sind auch OK. Aber mit doch einigen praktischen Nachteilen. Die KAPA-Platte ist super leicht, aber der leichte Schaumkern macht sie extrem empfindlich gegen Druck von allen Seiten. Weiterer Nachteil, die Fotografie muss aufgeklebt werden. Kleber ist Chemie und Chemie erzeugt chemische Prozesse und die beeinflussen wiederrum nachteilig die Haltbarkeit der Fotografie. Es gibt zwar bessere und schlechtere Kleber, doch irgendwann wird auch der beste Kleber sich im Foto zeigen – meist sehr hässlich, so dass das Foto unansehnlich wird. Gleiches gilt auch für die Dibond-Platte. Die ist zwar mechanisch nicht so empfindlich wie KAPA, aber das Problem mit dem Kleber bleibt und die Platte ist deutlich schwerer und hat, weil aus Metall, Kanten und Ecken, die verletzen können. Weiterhin sollten die Fotografien, die auf diesen Platten aufgezogen sind, gegen Feuchtigkeit und Umwelteinflüsse geschützt werden. Das macht man meist mit speziellen Laminierfolien, die vorn aufwändig aufgebracht werden. Aber auch hier gilt das Problem mit chemischen Prozessen in der Zukunft.

Auf Canvas präsentierte Giclées (Giclées sind Drucke mit wasserlöslicher Tinte auf einem gewählten Bedruckstoff, wie heute fast alle Fotografien mit modernen Druckmaschinen gedruckt werden) sind am Besten naturverbunden. Der Canvas ist überwiegend oder ganz aus Baumwolle, er ist gewebt und präsentiert damit ein weiteres Kunsthandwerk und wird auf einen Holzkeilrahmen ausgespannt. Der Druck ist leicht und stabil, die Leinwand kann mit den Keilen leicht nachgespannt werden. Es gibt Canvas mit glänzendem Coating gegen Feuchtigkeit und Alterung aber manchmal störenden Reflexen beim Betrachten und es gibt mattes Coating, das einen besonders hohen Kontrast darstellen kann, aber auch sehr empfindlich ist. Dem entgegen wirken kann man mit einen besonderen Firnis, wie es auch in der Malerei verwendet wird. Matter Leinwanddruck mit Firnis kann angefasst werden, kann mit einem feuchten Tuch abgewischt werden und verlängert die Haltbarkeit der Farben noch mal deutlich. Vorsichtige Schätzungen gehen von fünfzig bis hundert Jahren aus. Und anders als beim Aufkleben und Laminieren der Fotodrucke auf Platten findet hier kein nachteiliger chemischer Prozess mehr statt. Der Firnis enthält Wasser, das einfach wegtrocknet nach dem auf den Canvas aufgebracht.

Meine Favoriten jetzt und zukünftig

Meine Favoriten sind Ihnen bestimmt schon klar, so wie ich die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten aufgezeigt habe. Ich bleibe beim Fotodruck in einem guten Bilderrahmen und alternativ wähle auch genau so gerne das Canvas. Ich mache es mir sogar noch etwas einfacher: im Bilderrahmen zeige ich nur Fotografien bis 50×60 cm, mit Passepartout ist der Rahmen dann bis zu 60×80 cm groß. Solche Rahmenformate bekomme ich in vielen Ausführungen, weil 60×80 cm ein häufiges Format ist. Alle größeren Formate zeige ich auf Canvas. Und ich drucke meine Motive auf matter Leinwand und seit einigen Tagen firnisse ich die Drucke hinterher für einen optimalen Schutz. Gelegentlich rahme ich einen Canvasdruck zusätzlich mit einem Schattenfugenrahmen.

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