Wie ist die CO₂-Bilanz für Leinwand vs. Alu-Dibond?

Gibt es eigentlich sowas wie eine CO₂- Bilanz für Fotoabzüge? Ich meine ja und versuche in diesem Beitrag nur ein paar Punkte aufzudecken und komme zum Schluss, dass das Foto auf Leinwand deutlich besser abschneidet als das allseits so beliebte Foto auf Alu-Dibond. Dies ist meine Argumentation.

Foto auf Leinwand

Ein Foto auf Leinwand besteht aus den Komponenten Leinwand, Inkjetbeschichtung, Tinte, Keilrahmen und Klammern. Die Leinwand ist, wenn sie eine gute Leinwand ist, nur aus Baumwolle gewebt. Baumwolle darf als Klimaneutral eingestuft werden. Es gibt aber auch Leinwand, die aus einer Mischung aus Baumwolle und Polyamid – Kunstfasern, also Kunststoffe, also wohl aus Öl – hergestellt ist. Der Polyamidanteil kann zwischen 20 und 70 % sein. Polyamid ist also nicht klimaneutral. Die Inkjetbeschichtung enthält meist und synthetische Anteile, damit die Farbe nicht in die Leinwand selbst eindringt und so verläuft. Die Inkjetbeschichtung ist nicht klimaneutral. Die Keilrahmenleisten bestehen idealerweise aus reinem Holz, sind also klimaneutral. Billigere Keilrahmenleisten aber sind meist aus Resthölzern hergestellt, wobei viele kleine Holzstücke zu einem großen verleimt werden. Dieser Leim ist meist ein Industrieleim und enthält daher auch Rohstoffe, die nicht klimaneutral sein. Bleiben noch die Klammern aus Metall, mit denen die Leinwand am Holzrahmen befestigt wird.

Betrachtet man die Anteile am Foto auf Leinwand, die nicht klimaneutral sind, im Verhältnis zu denen, die klimaneutral sind, ergibt sich wohl ein Verhältnis von 80 % klimaneutralen Teilen zu 20 % nicht klimaneutralen Teilen.

Foto auf Alu-Dibond

Das Foto auf Alu-Dibond besteht aus dem Fotopapier, der Inkjetbeschichtung, dem Alu-Dibond, der Laminierfolie und Klebern. Das Fotopapier besteht aus Papier, einem Kunststoffanteil sowie der Inkjetbeschichtung. Alle drei Komponenten sind nicht klimaneutral. Das Alu-Dibond besteht aus zwei dünnen Schichten von Aluminium, das besonders energieintensiv hergestellt werden muss, sowie aus eine Schaumschicht dazwischen. Die Schaumschicht ist aus Kunststoffen und damit aus Öl und somit nicht klimaneutral. Die Laminierfolie ist eine Kunststofffolie – aus Öl – und nicht klimaneutral. Die Kleber werden benötigt um die Laminierfolie auf das Fotopapier zu kleben und eine weitere Schicht, um das Fotopapier auf die Alu-Dibondplatte zu fixieren. Kleber ist nicht klimaneutral. Ausserdem dürfen wir nicht vergessen, das Kleber auf und unter dem Fotopapier immer chemische Prozesse begünstigen, die der Langlebigkeit einer Fotografie nicht gut bekommen.

Ein Foto auf Alu-Dibond hat also keine Anteile vorzuweisen, die klimaneutral wären. Überhaupt keine. Das spricht also ganz doll für das Foto auf Leinwand.

Meine Schlussfolgerung

Wenn meine Beweisführung schlüssig ist, spricht also für Alle, denen unsere Umwelt und deren Schutz ein wichtiger Aspekt ist, nichts für ein Foto auf Alu-Dibond, ausser das es gut aussieht. Für das Foto auf Leinwand dagegen spricht Alles. Besonders, wenn gute Leinwand nur aus Baumwolle benutzt wird und bei den Keilrahmenleisten auf hochwertige Leisten Wert gelegt wird, die nicht verleimt sind.

Daneben gibt es, so finde ich jedenfalls, beim Foto auf Leinwand noch die Vorteile der leichteren Bauweise, der Kinderfreundlichkeit (dazu mehr in einem früheren Artikel von mir) und der Möglichkeit des teilweisen Recyclings. Denn wenn ich einen Druck mal nicht mehr sehen kann, der Keilrahmen ist immer wiederverwendbar und schont somit Ressourcen.

Ist die Leinwand ein Souvenir?

Vor ein paar Tagen war ich während eines Telefonats doch tatsächlich sprachlos, ich musste richtig schlucken, um neue worte zu finden. Was war geschehen? Ich hatte für eine Gruppe von Fotografen, die gerne großformatig Fotografien ausstellen wollen, ein Angebot für die Drucke auf Leinwand unterbreitet. Da die Räumlichkeiten wohl sehr groß sind und Fotografien in üblichen Formaten wie 50×70 cm oder 60×90 cm sich darin verlieren würden, so die Aussage des Anfragers für das Angebot, sollten die Drucke schon so um die Metergröße sein. Ich überlegte praktisch und bot die Formate 80×120 cm bis 100×150 cm an. Und da ich die Fotografien gerne gut präsentiert gesehen hätte, wertig und anmutig, nahm ich die gute Leinwand als Basis für meine Kalkulation. Und weil die Leinwand auch so schön stabil ist, leicht zu transportieren und einfach aufzuhängen ist, dachte ich damit die goldene Mitte getroffen zu haben.

In dem für diesen Artikel ursächlichen Telefonat wurde mir also ausgerichtet, Leinwand wäre inzwischen zu sehr als Souvenir verschrien, ein touristisches give-away-Produkt?! Ich hätte mal lieber auf Fotopapier anbieten sollen und man hätte die Fotografien dann mit Aluschienen frei hängend angebracht. Und außerdem fühlte sich ein teilnehmender Fotograf ausgegrenzt, er hätte gerne auch die Fotodrucke für die Ausstellung ausgeführt. Und der hatte auch gleich einen Vorschlag, wie er sich die Präsentation der Fotos vorstellte: auf hochwertiger Plane gedruckt und mit Ösen darin versehen könne man die ganz einfach aufhängen. Ab da fehlten mir die Worte.

Nun zu meiner Betrachtungsweise

Ob der Fotograf mit seiner Sichtweise den Fotografien wirklich hilft, sie beim Betrachter angemessen ankommen zu lassen? Ich weiß nicht. Sicher mag ein Druck auf Plane seine Wirkung zeigen, aber bestimmt nicht, wenn ich die Motive zuvor schon in drei Museen kleinformatig in einem Glasrahmen gezeigt habe – da fehlt einfach die Kontinuität. Und ein künstlerischer Anspruch war immer da. Und, wenn ich das richtig verstanden hatte, sollten die Fotografien auch verkauft werden. Aber wer möchte sich schon eine Plane ins Wohnzimmer hängen, das wird wohl eher die Ausnahme sein.

Ich stelle mir aber, beim Vergleich der Leinwand mit einem Produkt aus dem Souvenir Bereich, die Frage, ob die Leinwand denn wirklich schon verbraucht ist. Ist die Leinwand nicht mehr tauglich für eine gute Fotografie? Aber da kommt auch gleich die Frage hinterher, was soll denn überhaupt ausgestellt werden: die Fotografie oder der Druck. Ist der Rahmen wichtiger als das Motiv. Oder soll mit einem ausgefallenen Rahmen vielleicht eine langweilige Fotografie aufgepeppt werden?

Warum muss das Klassische immer langweilig sein?

Heute werden Fotografien auf vielfältige Weise präsentiert. Manch wer schaut sich seine eigenen Fotos sogar einem einem elektronischen Diarahmen an. Da wechseln die Motive so schnell, das man gar keine Zeit findet, sich über ein misslungenes Foto zu ärgern. Hier zählt die Masse. Und weil durchleuchtet ist es auch noch schon bunt. Drucke hinter Acryl scheinen mir da sehr ähnliche Motivationen aufzuweisen. Eine gute Fotografie braucht wie ein gutes Gemälde seine Zeit zum Betrachten. Der Blick sollte idealerweise zum Motiv geführt werden, das Motiv in den Mittelpunkt rücken. Und da Fotografien meist an irgendwelchen Flächen, wie der Wand in einem Zimmer, gezeigt werden, muss die Fotografie, das Motiv zur Umgebung abgegrenzt werden. Das machte bis vor kurzem immer ein Bilderrahmen. Dabei ist es egal, ob ein Holzrahmen oder ein Rahmen aus Aluminium diese Aufgabe übernimmt. Nur muss der Rahmen harmonisch zur Fotografie sein, sie unterstützen. Aber vielleicht wird das zu oft vergessen.

Meine Fürsprache für die klassische Präsentation

Ich möchte meine Fotografie auch praktisch sehen. Sie muss auch mal den Standort wechseln können, sie muss auch mal transportiert werden dürfen, sie muss sich harmonisch aber nicht aufdringlich an den Betrachter wenden, egal in welchem Umfeld.

Für den klassischen Bilderrahmen mit Glas – und bitte unbedingt mit einem wertigen Passepartout – spricht, stabil, leicht zu handhaben, großer Schutz gegen Beschädigung und Alterung. Und mit einem Nagel in der Wand ist es getan, das Bild hängt. Einziger wirklicher Nachteil ist das Glas, wenn solch eine Fotografie mal verschickt werden soll, es kann zu leicht zerbrechen.

Fotografien auf Platten aufgezogen sind auch OK. Aber mit doch einigen praktischen Nachteilen. Die KAPA-Platte ist super leicht, aber der leichte Schaumkern macht sie extrem empfindlich gegen Druck von allen Seiten. Weiterer Nachteil, die Fotografie muss aufgeklebt werden. Kleber ist Chemie und Chemie erzeugt chemische Prozesse und die beeinflussen wiederrum nachteilig die Haltbarkeit der Fotografie. Es gibt zwar bessere und schlechtere Kleber, doch irgendwann wird auch der beste Kleber sich im Foto zeigen – meist sehr hässlich, so dass das Foto unansehnlich wird. Gleiches gilt auch für die Dibond-Platte. Die ist zwar mechanisch nicht so empfindlich wie KAPA, aber das Problem mit dem Kleber bleibt und die Platte ist deutlich schwerer und hat, weil aus Metall, Kanten und Ecken, die verletzen können. Weiterhin sollten die Fotografien, die auf diesen Platten aufgezogen sind, gegen Feuchtigkeit und Umwelteinflüsse geschützt werden. Das macht man meist mit speziellen Laminierfolien, die vorn aufwändig aufgebracht werden. Aber auch hier gilt das Problem mit chemischen Prozessen in der Zukunft.

Auf Canvas präsentierte Giclées (Giclées sind Drucke mit wasserlöslicher Tinte auf einem gewählten Bedruckstoff, wie heute fast alle Fotografien mit modernen Druckmaschinen gedruckt werden) sind am Besten naturverbunden. Der Canvas ist überwiegend oder ganz aus Baumwolle, er ist gewebt und präsentiert damit ein weiteres Kunsthandwerk und wird auf einen Holzkeilrahmen ausgespannt. Der Druck ist leicht und stabil, die Leinwand kann mit den Keilen leicht nachgespannt werden. Es gibt Canvas mit glänzendem Coating gegen Feuchtigkeit und Alterung aber manchmal störenden Reflexen beim Betrachten und es gibt mattes Coating, das einen besonders hohen Kontrast darstellen kann, aber auch sehr empfindlich ist. Dem entgegen wirken kann man mit einen besonderen Firnis, wie es auch in der Malerei verwendet wird. Matter Leinwanddruck mit Firnis kann angefasst werden, kann mit einem feuchten Tuch abgewischt werden und verlängert die Haltbarkeit der Farben noch mal deutlich. Vorsichtige Schätzungen gehen von fünfzig bis hundert Jahren aus. Und anders als beim Aufkleben und Laminieren der Fotodrucke auf Platten findet hier kein nachteiliger chemischer Prozess mehr statt. Der Firnis enthält Wasser, das einfach wegtrocknet nach dem auf den Canvas aufgebracht.

Meine Favoriten jetzt und zukünftig

Meine Favoriten sind Ihnen bestimmt schon klar, so wie ich die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten aufgezeigt habe. Ich bleibe beim Fotodruck in einem guten Bilderrahmen und alternativ wähle auch genau so gerne das Canvas. Ich mache es mir sogar noch etwas einfacher: im Bilderrahmen zeige ich nur Fotografien bis 50×60 cm, mit Passepartout ist der Rahmen dann bis zu 60×80 cm groß. Solche Rahmenformate bekomme ich in vielen Ausführungen, weil 60×80 cm ein häufiges Format ist. Alle größeren Formate zeige ich auf Canvas. Und ich drucke meine Motive auf matter Leinwand und seit einigen Tagen firnisse ich die Drucke hinterher für einen optimalen Schutz. Gelegentlich rahme ich einen Canvasdruck zusätzlich mit einem Schattenfugenrahmen.

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