Ist in Leinwand noch Leinwand drin?

Waren wir nicht erst vor kurzem aufgeschreckt, als wir lasen und hörten, das wo Käse drin sein soll, gar kein Käse mehr drin ist? Ich war schockiert. Eine Pizza ohne echten Käse? Ich musste gleich an den berühmten Film Brust oder Keule mit Louis de Funes denken, wo er einen Gourmetkritiker spielt und sein Gegenspieler, Michel Colucci als Gérard Duchemin, einen skrupellosen Fastfoodfabrikanten. Da konnten wir sehen, wie ein Hähnchen aus meiner undefinierbaren Masse geformt wird, mit Lebensmittelfarbe die gebräunte Haut aufgesprüht wird. Ekelig.

Zwischen meinen Beiträgen habe ich Google-Anzeigen geschaltet. Da sehe ich dann immer öfter Anzeigen von Mitbewerbern um Aufträge für Foto auf Leinwand. Ja, der Markt ist für den Verbraucher inzwischen unüberschaubar geworden, für uns Dienstleister ein hartes Brot. Wehmut klingt in mir an, wenn ich an die Zeit denke, in der ich noch einer der ganz wenigen Anbieter war. Naja. Und die Preise, die meine Mitbewerber für Leinwanddrucke verlangen, lassen mich fragen, wie ist das denn möglich.

Jetzt hake ich mal ein wenig nach

Da bekomme ich bei http://ranaposter.de eine 80×120 cm Leinwand für 89 Euro. Natürlich auf Keilrahmen aufgezogen, oder nicht. Das geht nicht eindeutig aus der Produktbeschreibung hervor. Allein so einen Druck für den Versand zu verpacken, dauert bei mir schon fast eine viertel Stunde und kostet mich im Versand mit UPS schon einen saftigen Zuschlag wegen “großem Paket”. Und erst das Verpackungsmaterial.

Was mir noch auffällt: Microfaser Leinwand. Was ist das denn? Ich denke, Leinwand ist aus Baumwolle. Eine Googlesuche zeigt mir Microfasertücher, Leinwand für Beamer, also die bekannte Leinwand für Diavorträge, Leinwand für Rollos und tatsächlich werben ganz schön viele Anbieter von Foto auf Leinwand mit Microfaser-Leinwand. Die Leinwand mit einem Flächengewicht von 210g/qm bis zu stattlichen 400g/qm verspricht so nichts schlechtes. Oder? Bei www.online-artikel.de finde ich diese Aussage:

Vorsicht ist aber bei der Auswahl des jeweiligen Anbieters bezüglich eines Fotos auf der Leinwand geboten. Nicht immer wird die angebotene Qualität auch geboten. Was für einen Künstler verwerflich wäre – ist bei der Produktion einer Foto Leinwand unersetzbar – die Microfaser-Leinwand. Der Vorteil besteht darin, dass sich die im Druckverfahren verwendete Tinte sofort mit den Poren dieser Leinwand verbindet. Nur so ist es gewährleistet, dass das Foto auf Leinwand reflektionsfrei, kratzfest und wasserunempfindlich ist. In Fällen, in denen ein anderes Gewebe seinen Einsatz findet, passiert es nicht selten, dass an den Eckfalzen unschöne Farbbruchstellen entstehen. An eine Kratzfestigkeit und Wasserunempfindlichkeit ist gar nicht zu denken.

Hmm, stimmt denn diese Aussage? „Was für einen Künstler verwerflich wäre, ist für Foto auf Leinwand unersetzlich.“ Habe ich etwa die schönsten Fotografien meiner Frau, die damit mehrere Ausstellungen veranstaltet hat, unersetzlich versaut?

Unter http://mootivoo.de finde ich diese Aussage:

Ihr Bild wird auf ein speziell für den Druck von Fotoleinwänden entwickeltes Microfaser-Leinwandgewebe gedruckt. Ein High-Tech-Gewebe dass die Verbindung der lösungsmittelfreien Farben, durch den Sublimationsdruck, auf einer molekularen Ebene ermöglicht. So entsteht eine einzigartige Farbbrillanz und Ihr Bild wird kratzfest, UV-beständig und sogar waschfest bei 30 Grad!

Die Struktur (fein und doch gut sichtbar) dieses hochwertigen Materials eignet sich perfekt für Ihre mootivoo Fotodrucke und bewahrt, insbesondere aus der Nähe betrachtet, den Look ähnlich eines Gemäldes. Die seidenmatte, lichtechte Oberfläche gibt Farben besonders satt und leuchtend wieder und verleiht Ihrem mootivoo Bild eine sehr exklusive Wirkung.

Die Beschaffenheit dieses Materials lässt keine Wünsche offen, sie ist auf Haltbarkeit und Farbbrillanz optimiert.

Die verwendeten Leinwände sind darüber hinaus Naturprodukte und unterliegen der ständigen Kontrolle unseres Qualitätsmanagements. Das Baumwollgewebe wird exakt nach unseren Vorgaben verarbeitet und kleinste Webfehler durch optische Vermessungen erkannt und aussortiert. So kommt nur zu 100 % perfekt verarbeitete Leinwand zum Einsatz.

All diese Eigenschaften des mootivoo Leinwandgewebes lassen Ihre Motive edel und wertig zum Ausdruck bringen

Alle Anbieter sprechen übrigens von einer eigens für Sie hergestellten Leinwand. Als wäre ihr Angebot das Einzige. Apropos: Ein High-Tech-Gewebe steht oben und unten sprechen die von einem Naturprodukt. Wie geht das zusammen.

Ich lese weiter in den Googlesuchergebnissen und finde Hinweise, um was es sich denn überhaupt handelt und was zu erwarten ist: aufwändiges Transferverfahren, Sublimationstinten und 720 ppi Druckauflösung. Und es ist ein Produkt nach dem Öko-Tex Standard. Siehe zu Öko-Tex bei Wikipedia. Das was ich da lesen kann, klingt erstmal gut. Doch ist deshalb die klassische echte Leinwand schlecht?

Geworben wird bei der Microfaser Leinwand auch mit Haltbarkeit, aber dazu gibt es keine Tests. OK. Anders zum Beispiel bei der Epson Leinwand. Die ist sogar für das Epson Zertifikat Digigraphie gut. Naja. Dieses Produkt „Microfaser Leinwand“ ist also eigentlich keine echte Leinwand. Im Gegenteil, es ist ein Druck auf Transferpapier, der dann vom Transferpapier mit einer Transferpresse auf den synthetischen Leinwandstoff aufgebracht wird. Es soll viele Vorteile wie Kratzfestigkeit, Wasserbeständigkeit und vielleicht Haltbarkeit haben. Aber es bedarf komplizierter Technik wie Transferpresse und spezieller Tinte. Inwieweit man solche Drucke mit denen mit Epson Tinte auf Epson Leinwand vergleichen kann, sei dahin gestellt, ich habe keine Erfahrungen damit. Wir kennen das Prinzip aber schon von den T-Shirt-Drucken, wo das gleiche Verfahren angewendet wird. Interessieren würde mich auch, wie groß der Farbraum nach dem transferieren der Farben bleibt.

Und mir ist aufgefallen, das sich die Texte für die Produktbeschreibung auf sehr vielen Webseiten gleichen, was darauf schließen lässt, das viele Shops nur sogenannte Partnershops sind und letztlich nur wenige Anbieter für die Produktion dahinter stehen.

Ich will die beworbenen Vorzüge der Microfaser Leinwand nicht schlecht reden, im Gegenteil spricht vieles dafür und sie merzt so manche Unzulänglichkeit herkömmlicher Leinwanddrucke aus. Aber wenn ich mich als anspruchsvoller Künstler für ein Hahnemühle PhotoRag Produkt interessiere, würde ich dann einen Fotodruck auf hochglänzender Fotofolie wie dem Ilford Galerie Smooth High Gloss Media in meine Überlegungen mit einbeziehen? Und vergleiche ich einen Druck auf einem 200g/qm schweren Fotopapier mit dem Ausdruck auf einem Barytpapier? Oder vergleiche ich ein Kleid von KiK mit einem von einem Modezar?

Ich habe auf viele Anfragen von Kunden nach kratzfesten und wasserunempfindlichen Leinwanddrucken von mir immer gereizt mit dem Vergleich mit einem van Gogh reagiert und ob sie, die Kunden, denn einen van Gogh auch in die Waschmaschine tun würden. Und meinte damit, einen van Gogh würde man ja auch pfleglich behandeln und erwarte das auch für einen guten Fotodruck auf Leinwand.

Aber der Erfolg der Microfaser Leinwand zeigt scheinbar, das ein Foto auf Leinwand eben doch mehr aushalten muss, als nur schön an der Wand auszusehen und den Betrachter zu erfreuen. Oder liege ich damit so falsch? Bin gespannt auf Reaktionen.

Farbmanagement mit Colormunki Teil 2

Ich habe nun seit Dezember 2009 bestimmt an die zwanzig Profile mit dem Colormunki erstellt. Doch irgendwie war ich nicht so richtig zufrieden, stimmten mein kalibrierter Apple Cinema Display und die Ausdrucke nicht überein – die Drucke waren immer einen Tick dunkler. Ich machte dafür meinen Bildschirm verantwortlich und akzeptierte die Drucke als richtig ausgemessen und kalibriert.

Doch das war ein dummer Trugschluß

Erst vergangene Woche fand ich durch eine langwierige Suche im Internet in einem Forum Klagelieder von Usern, die wie ich mit Mac OS 10.6, einem Epson Stylus Pro und dem Colormunki arbeiten und die ausführlich und fachkundig von einem Bug im Betriebssystem 10.6 berichteten, der dazu führt, das die Profile vom Colormunki nichts taugen und Ausdrucke zu dunkel aus dem Epson Stylus Pro kommen. Die Ursache scheint ein Fehler im Betriebssystem 10.6 zu sein, das eine doppelte Farbprofilanwendung vornimmt.

Rettung in Sicht

Ich bin in der glücklichen Situation, das ich noch einen Rechner mit Mac OS 10.5 rumstehen habe. Also flugs Colormunki darauf installiert – zum Glück darf ich das durch die Lizenz von Colormunki auch tun – und einen ersten Testdruck auf Epson Premium Canvas Satin gedruckt. Tatsächlich, schon der erste Testdruck mit den von Epson vorgegebenen Medieneinstellungen war gut. Also Colormunki gestartet und das erste Chart ausgedruckt. Trocknen lassen – ich hab sicherheitshalber eine halbe Stunde gewartet – und einmessen. Chart Nummer 2 ausgedruckt, trocken lassen und eingemessen. Testbild ausgedruckt, super!

Es klappt, das ICC Profil war vergleichsweise schnell und unkompliziert erstellt und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das Farbprofil ist sehr gut: Graubalance stimmt, kräftige und stimmige Farben, ausgewogene Zeichnung ins Lichtern und Tiefen. Und das, obwohl ich doch für diesen Test die vergleichsweise schwer zu profilierende glänzende Leinwand mir ausgesucht hatte. Die Oberfläche ist strukturiert und der Glanz macht ein korrektes Messen des Charts recht schwierig. Auch Colormunki hatte Probleme, indem ich einige Reihen vom Chart mehrmals einlesen musste. Doch letztlich konnte ich ein Profil erstellen. Vergleichsausdrucke mit meinem Profil und dem von Epson mitgelieferten Profil für die Epson Satin Leinwand fiel ganz klar zugunsten meines mit dem Colormunki erstellten Profils aus: neutralere Grautöne, etwas mehr Kontrast aber ohne zulaufende Tiefen, schöne kräftige Farben ohne das Bild künstlich bunt zu machen.

Mein Fazit

Mein Fazit für das Colormunki lautet, unbedingt empfehlenswert. Und einfacher gehts nimmer zu einem guten Farbprofil. Abgesehen von den nicht vorhersehbaren Unstimmigkeiten im Betriebssystem hätte ich vom ersten Tag an gute Profile damit haben können.

Vergleiche ich das Colormunki mit den früher von mir gekauften teuren “Profilösungen” wie das EyeOne, so entscheide ich mich immer wieder für das Colormunki. Das EyeOne und seine Software bieten so viele Optionen, die sich einem Gelegenheitsprofilierer wie mir nicht wirklich erschliessen. Alle Profilösungen empfand ich als undurchschaubar und unnötig kompliziert.

Und das Colormunki hat noch eine Besonderheit: das einfache optimieren eines einmal mit Colormunki erstellten Profils. Dazu wählt man einfach ein Profil in Colormunki, lädt zum Beispiel ein Graustufenbild in Colormunki, druckt ein weiteres Testchart und misst es ein. Schon hat man den Grauverlauf und die Grauachse im Profil optimiert. Genauso kann man es mit Hauttönen machen. Einfach ein Bild mit den gewünschten Hauttönen laden, Testchart drucken und messen. Schon sind besonders Hauttöne optimiert.

Update

Das Colormunki hat trotz widriger Umstände in allen Situationen hervorragende Profile geliefert. Das Problem mit Mac OS X 10.6 ist mit dem Update auf 10.6.3 glücklicherweise verschwunden. Einen Bug unter Mac OS Snow Leopard habe ich noch entdeckt, der aber nur mit Photosho CS2 zu tun hat: Als ich mir vergangene Woche das brandneue Photoshop CS5 installiert hatte und erste Testdrucke damit gemacht hatte, konnte ich sehen, das auch CS2 etwas zu dunkle Drucke produzierte und damit also auch seine Probleme mit dem neuen Farbmanagement unter Mac OS X 10.6 hatte. Also unter dem aktuellen Betriebssystem nicht mehr Photoshop CS2 zum Drucken verwenden!

Epson Premium Canvas Satin

Habe endlich meine ersten Drucke auf der Epson Premium Canvas Satin Leinwand gemacht und bin sehr zufrieden. Der Glanz ist nicht störend, das Druckbild hat schöne Schwärzen, einen guten Kontrast und großen Farbraum. Und ich habe mit Epsons Photoblack gedruckt, das spart den lästigen Tintenwechsel zum Matte Black und damit Kosten. Die Leinwand müffelt anfangs nach dem Bedrucken ein wenig, was vermutlich am Coating liegt. Die Oberfläche ist sehr robust, Fingerabdrücke machen ihr nichts aus und da schon Glanz drauf ist, gibt es auch keine unangenehmen Glanzstellen, wenn man versehentlich Druck drauf ausübt. Preislich ist die Canvas mit etwas mehr als 16 Euro pro qm gerade noch vertretbar.

Glänzende Leinwand und das gilt auch für die Epson Premium Canvas Satin, darf nicht gefirnist werden. Bitte unbedingt dran denken. Das Coating bietet ausreichenden Schutz. Insgesamt ein gutes Produkt. Einziges Manko: die Leinwand bricht manchmal, wenn an den Kanten eingefaltet wird.

Canvas und Eco Solvent

Druckmaschinen mit Eco Solvent Tinten statt der sonst üblichen wasserbasierten Tinten wie zum Beispiel in den Epson Stylus Pro Druckern sind nicht erst seit der Vorstellung des Epson GS6000 im Jahre 2008 gerade für Outdoor Anwendungen die bessere Wahl. Die Drucke sind kratzfest, wasserfest und halten ohne weiteren Schutz teilweise mehrere Jahre im Aussenbereich.

Gerade diese Attribute machen die Annahme möglich, man könne damit auch Canvas bedrucken. Und ja, man kann Canvas bedrucken, Epson hat sogar eigens eine Leinwand für den Epson GS6000 ins Programm aufgenommen. Apropos: wenn ich hier exemplarisch den Epson GS6000 anführe, dann nur weil ich Epson Geräte gerne benutze und so vielleicht auch aus Bequemlichkeit bei Epson bleiben würde. Außerdem wirbt Epson für seinen Eco Solvent Drucker mit dem derzeit größten Farbraum.

Ich bin also zu einem Demotermin gefahren, um mir das Gerät und die Druckergebnisse auf Canvas live zeigen zu lassen. Dazu waren auch eine CD mit eigenen Fotos im Gepäck, die ich Tage zuvor mit meinem Epson 9800 und Matteblack auf meiner Leinwand gedruckt hatte. So hatte ich später wieder zu Hause eine Vergleichsmöglichkeit.

Die Leinwand war schon im GS6000 eingelegt und eigentlich hätte es sofort losgehen können. Doch erst mal zum Gerät: Die Maschine verarbeitet Material bis zu 64 Zoll Breite, das sind beeindruckende 162 cm, und dicke Rollen kann man auch einlegen, so bis 30 kg schwer dürfen die sein. So kann richtig viel in einem Stück gedruckt werden. Maschinen dieser Liga sind bei anderen Anbietern sicher ähnlich ausgestattet, aber mich interessiert hier ja nur, wie sich Eco Solvent zu meinem Epson 9800 schlägt.

Erster Wermutstropfen ist, ich brauche unbedingt ein RIP zum Drucken. Einen eigenen Epsontreiber gibt es nicht. Schade. Ich persönlich habe keine so prickelnden Erfahrungen mit diversen RIPs gemacht. Naja. Und im Gegensatz zu Epson Amerika wird der Drucker hierzulande ohne RIP verkauft, entweder hat schon eins oder man muss sich das noch dazu kaufen. So wird der Einstieg ins Eco Solvent zu dem happigen Preis der Maschine nochmal um einen Betrag zwischen zwei- und dreitausend  erschwert.

Im Democenter war ein Colorgate RIP auf einem Windows PC installiert, eine hauseigene Canvas Marke mit satin glänzender Oberfläche im Drucker. Für die Ausgabe meines ersten Testfiles wurde auf höchste Auflösung und Qualität eingestellt. Nach wenigen Minuten beginnt der Druck. Der Geräuschpegel ist höher als bei meinem Epson 9800, aber nicht wirklich störend – halt etwas lauter, mechanischer. Der Druckkopf schiebt sich von links nach rechts über die Canvas und wieder zurück. Mein Epson 9800 schafft bei 1440 dpi so eins bis einskommafünf Quadratmeter pro Stunde, bestenfalls. Dieser soll fünf bis sechs bei 1440 dpi schaffen. Also viermal so schnell kommt mir das nicht vor. Doch als ich den Druck in Händen halte, bin ich erstmal beeindruckt. Stimmige Farben, gute Tiefen und die satin Oberfläche der Canvas ist glücklicherweise nicht so spiegelnd glänzend wie so oft gerade bei Canvas für meinen Epson 9800. Dann noch mal eben einige weitere meiner Motive drucken. Eco Solvent riecht ja meist nach Lösemitteln. Hier beim GS6000 riecht es auch, aber nicht wirklich störend, aber eben doch, obwohl Epson das anders sieht. Jetzt sind alle Drucke fertig. Sofort trocken sind sie noch nicht. Ich muss etwas warten. Ein völliges Durchtrocknen dauert aber doch sehr viel länger. Wieviel wurde nicht gesagt.

Ich hatte auch ein Motiv mit einem Cocktailglas mit rotem Inhalt, roter Kirsche und einer Scheibe Orange vor schwarzem Hintergrund mitgebracht. Das sah nun im Druck nicht so schwarz aus, wie ich mir das vorgstellt hatte. Und auch das Rot war  nicht wirklich intensiv. Der Verkäufer gab dann auch zu, dass der GS6000 beim Rot und Blau ein wenig schwächelt. Ein Graustufentestbild war mit feinen Verläufen sauber gedruckt und schien dort im Demoraum ohne Normlicht neutral. Zuhause sah das dann doch anders aus, aber dazu später mehr. Ende der Demo nach anderthalb Stunden. Alles gesagt, erklärt und gezeigt. Ich fahre heim.

Zuhause erwartete mich meine Frau bereits und wir beide rollten die Testdrucke sofort auf dem Tisch aus und ich holte meine früher mit dem Epson 9800 gemachten Vergleichsdrucke hervor. Uuh, ooh, da waren doch deutliche Unterschiede zwischen den Drucken. Das hatte ich nicht erwartet. Naja, das Gehirn spielt einem mit seiner Erinnerung doch gerne einen Streich und rechnet meist schön, so schön wie wir es uns wünschen.

Alle Drucke waren insgesamt etwas heller oder besser blasser. inwieweit das dem RIP, dem Medium oder den Tinten geschuldet ist, kann ich nicht sagen mangels Vergleichsmöglichkeit. Aber gehe ich davon aus, das diese Testdrucke einen Mittelwert bezüglich der möglichen Qualität mit Eco Solvent darstellen, so kann es nicht viel besser werden. Die Auflösung ist sehr fein, die Schärfe gut, Farbverläufe kommen gut. Aber in allen Punkten ist der Epson 9800 besser, deutlich besser. Meine Vergleichsdrucke sind deutlich farbintensiver, etwas schärfer, haben ein besseres Schwarz was in höherem Kontrast resultiert. Selbst ein Motiv, das ich 1998, also vor gut 12 Jahren auf einem damals hochmodernen HP Designjet 3500 gedruckt hatte, war farbintensiver und etwas schärfer, kontrastreicher. Das Graustufentestmotiv wirkte nun unter fast Normlich grünlich und verschwommen. Der Verlauf war OK, das Fehlen des zusätzlichen Schwarztons vom Epson 9800 macht sich also nur bedingt bemerkbar.

Fazit: Eco Solvent punktet immer, wenn es um den schnellen Druck großer Menge geht und wenn Wetterfestigkeit Bedingung ist. Großformatige Drucke betrachtet man ja aus größerem Abstand als ein Foto in DIN A3 Größe. Da sind die geringere Schärfe und Kontrast nicht ganz so ausschlaggebend. Aber das ist nicht mein Markt. Ich drucke Fotografien in allerbester Qualität. Maximale Tiefe, bester Kontrast, feine Verläufe und satte Farben wo gewünscht sind Voraussetzung. Und Eco Solvent ist davon weit entfernt, sehr weit entfernt. Und meine ursächliche Intention, das Problem mit den so besonders empfindlichen Leinwanddrucken auf matter Leinwand so zu umgehend, war überhaupt nicht erfüllt. Ich hatte ein Motiv meiner Vergleichsdrucke sogar schon mit Firnis überzogen vorliegen. Gegenüber meinem unbehandelten Vergleichsdruck war es etwas kräftiger mit noch tieferen Schwarz. Der Firnis dunkelt also etwas nach, Farben werden dabei leicht intensiver. Mit Firnis ist also noch mal eine Steigerung für hochwertige Fine Arts aus dem Epson 9800. Dagegen sah der Druck aus dem GS6000 ausgewaschen und blass aus. Schade. So aber werde ich meine Fähigkeiten im Firnissen weiter ausbauen – also mehr üben.

Nachtrag zur Kratzfestigkeit: Eco Solvent und auch Epson wirbt für den GS6000 mit kratzfesten Ausdrucken. Zuhause angekommen bin ich dann spaßeshalber mal mit dem Fingernagel über den Leinwanddruck aus dem GS6000 gekratzt – oops, den kann man ja sehen. Also doch nicht kratzfest. Wieso das aber versprochen wird?

Und wer als Fine Art Druckdienstleister was auf sich hält, wird ein Foto auf Leinwand nicht mit einem Eco Solvent Drucker drucken. Achten Sie unbedingt auf die verwendeten Maschinen und Tinten, wenn Sie irgendwo besonders günstige Angebote entdecken. Steckt eine Eco Solvent Maschine in der Produktion, erwarten Sie keine hochwertigen Prints, wenn Sie Fine Art wollen.

Canvas und Firnis

In den vergangenen Wochen habe ich meine Lieferanten für die Canvas total genervt. Immer und immer wieder musste ich nachfragen, wie ich denn die Canvasoberfläche meiner Fotos auf Leinwand besser schützen kann. Nun bin ich etwas schlauer.

Das ursächliche Problem, warum die Canvas nach dem Druck so empfindlich ist, ist die Tinte. Als eingeschworener Epson Fan drucke ich auf der Leinwand natürlich mit  dem matten Schwarz um eine bessere Tiefe zu bekommen. Das matte Schwarz besteht aus größeren Pigmentteilchen, die weniger in die Tintenaufnahmeschicht matter Oberflächen wie Canvas aufgenommen wird. Dadurch entsteht ein besseres Schwarz, der Druck hat mehr Tiefe und einen höheren Kontrast als vergleichsweise mit dem Photoblack. Diese größeren Pigmentteilchen haben aber den Nebeneffekt, das man sie durch leichten Druck schon verdichten kann, und wenn sie verdichtet werden, entsteht ein Glanz.

Dem kann man entgegen wirken, indem die Canvas nach dem Druck, aber vor dem Rahmen, mit einem Schutzlack versiegelt wird. Das kann einmal das Spray sein, wie man es allerorten kaufen kann. Doch die Wirkung will sich mit dem Spray nicht so richtig einstellen. Alternativ gibt es Firnislacke, wie wir sie von den mit Öl malenden Künstlern kennen. Es darf aber nicht irgendein Firnis sein, der Firnis muss auf die Leinwandschicht und die Tinte genau abgestimmt sein. Sowohl das Spray als auch eine Firnislösung habe ich probiert, wobei das Spray kläglich versagte und hier nicht weiter behandelt wird.

Es gibt zum Auftragen der Firnis zwei Vorgehensweisen: Mit einer Malerrolle und mit einer Sprühanlage.

Mit der Malerrolle habe ich meinen zweiten Versuch  gemacht. Man nimmt eine Schaumstoffrolle, ich habe zwei Stück im Baumarkt für wenige Euro gekauft, eine mit 11 cm Breite und die andere mit 16 cm Breite. Wichtig ist nur, das die Seiten der Rolle unbedingt abgerundet sein müssen. Sonst bekommt man beim Auftragen immer Streifen von Firnis. Den Firnis habe ich in eine kleine Schale gefüllt und die Menge mit 25 % distilliertem Wasser verdünnt. Das distillierte Wasser ist wohl wichtig, damit keine Keime, die im Leitungswasser immer vorhanden sind, sich im Firnis einbetten und so die Haltbarkeit des Schutzfirnis verändern. Jedenfalls muss der Firnis dreimal aufgetragen werden. Also den Druck mindestens 24 Stunden trocknen lassen. Dann den Druck auf eine Platte (Holz oder Glas) mit Kreppklebeband fixieren. Ich hatte einmal eine dickere Pappe als Unterlage genommen, doch die wölbte sich ob der Feuchtigkeit nach dem zweiten Auftragen des Firnis und ein Weiterarbeiten war so nicht mehr möglich. Dann die erste Schicht Firnis aufrollen und dreissig Minuten trocknen lassen. Dabei sollte die Luftfeuchtigkeit im Raum nicht zu hoch und die Raumtemperatur um die 20 Grad sein. Stimmen Luftfeuchtigkeit und Temperatur nicht, muss länger Zwischengetrocknet werden. Nun wird der Druck um 90 Grad gedreht und der zweite Firnisauftrag aufgebracht. Dann wieder dreissig Minuten trocknen lassen. Und den Druck wieder um 90 Grad drehen und den dritten und letzten Auftrag aufrollen, das sogenannte Finish.

Beim Aufrollen unbedingt auf einen gleichmäßigen Auftrag achten und die Rolle nicht zu stark aufpressen. Das der Firnis Anfangs etwas milchig aussieht, macht nichts, er wird sehr schnell klar und bleibt auch bis zuletzt so. Einzig auf kleine Luftbläschen muss geachtet werden. Die unbedingt so lange überrollen, bis sie sich aufgelöst haben. Mir ist beim zweiten Motiv passiert, das ich nach dem zweiten Durchgang einige kleine Luftbläschen übersehen hatte und nach einer halben Stunde war der Firnis handtrocken, die Bläschen waren noch da und der Druck jetzt so unansehnlich, das ich ihn wegtun musste. Nachdem der dritte Firnisauftrag gemacht ist, sollte der Druck weitere 24 Stunden trocknen und erst dann auf den Keilrahmen aufgezogen werden. Mein Fazit: Wer nur ab und an mal einen Canvasdruck firnissen will, für den ist das eine einfache Vorgehensweise. Wer aber mehrere Drucke oder gar viele schützen will oder muss, der bekommt Probleme. Ich habe da öfter mal so 100×250 cm große Drucke. Da die Drucke zwischendurch immer wieder trocknen müssen, hat man schnell Platzprobleme. Und irgendwo zur Seite stellen geht auch nicht so einfach, denn zu leicht kann sich ein Staubkorn auf der klebrigen Oberfläche festsetzen und ist später nicht mehr entfernbar.

Das Aufsprühen. Dazu habe ich mir eine Sprühpistole von Wagner gekauft. Knapp hundert Euro hat mich die Maschine im Baumarkt gekostet, gleich mit zwei Tanks für die Firnislösung. Die Sprühpistole ist eine sogenannte HVLP Sprühpistole, HVLP steht für High Volume Low Pressure und meint, sie spüht viel Farbe mit geringem Druck. Das wiederum bedeutet, es entsteht fast kein Sprühnebel, der sich im Raum verteilt und so alles mit seinen Farben zudeckt. Das ist gut. Und der Firnis kommt mit guten Druck aus der Pistole. Da gibt es dann wieder Haufenweise Anleitungen, wie die Pistole gehalten werden soll und in welchem Abstand.

Mein erster Versuch war, die Leinwand an einer Art Wäscheleine im Badezimmer über der Badewanne aufzuhängen. Doch der Spühdruck aus der Maschine blies mir die Leinwand immer weg, ein Firnisauftrag war so nicht möglich. Also wieder eine entsprechend große Unterlage besorgen und die Leinwand mit Kreppklebeband darauf fixieren. Mit einem gleichmäßigen Abstand von 5 bis 10 cm zum Canvas den Firnis gleichmäßig aufsprühen. Dabei schön darauf achten, dass der Firnis auch alles bedeckt, aber nicht zu viel, das der Firnis in Tropfenbahnen nach unten läuft. Die Canvas steht senkrecht vor mir, ein flaches hinlegen auf dem Tisch, wie beim Rollen mit der Malerrolle, geht ja nicht. Das Ergebnis war OK. Die Vorgehensweise ist wie beim Aufrollen. Erster Auftrag, dreissig Minuten trocken, zweiter Auftrag, dreissig Minuten trocken, dritter Auftrag. Mit Luftbläschen hat man hier keine Sorgen. Mein Fazit: Das Aufsprühen geht einfacher von der Hand. Doch die Sprühpistole kostet deutlich mehr und stellt an den Bediener deutlich höhere Fertigkeiten. Man muss mehr auf seine Gesundheit achten und unbedingt eine Atemschutzmaske tragen. Und Lärm produziert das Gebläse in der Sprühpistole auch, der leicht störend sein kann. Und so sehr man beim Spürhen auch Acht gibt, etwas geht immer vorbei am Canvas und muss hinterher gereinigt werden, es sei denn, man hat einen dauerhaften Sprühraum. Ich habe leider keinen. Das Sprühen mit der Sprühpistole ist dafür etwas sparsamer im Umgang mit dem doch recht teuren Firnis. Einen Liter bekommt man so zwischen 30 bis 60 Euro, fünf Liter Gebinde sind etwas günstiger pro Liter.

Ein richtiger Fan vom Firnissen werde ich aber bestimmt nicht werden. Zu viele Unannehmlichkeiten durch den erforderlichen Platz, die Staubfreiheit (die ja bei der regelmäßigen Arbeit mit Canvas sowieso nicht gegeben ist) und die langwierige Prozedur sowie die Unwägbarkeiten wie Staub oder die Luftbläschen lassen ein kalkulierbares Arbeiten eigentlich nicht zu.

Resümee

Eine Canvasverkäufer klagte mir sein Leid am Telefon, als ich ihn fragte, was er mir denn empfehlen würde. Er meinte, er hätte über die Jahre soviel versucht, doch nichts befriedigendes sei zu finden gewesen. Eine schwache Alternative sah er und auch ich hatte die Variante schon ins Auge gefasst, in der Verwendung von Canvas mit Satin oder Glossy Oberfläche. Die so beschichtete Leinwand verhält sich fast wie ein gutes Fotopapier, das in der Oberfläche deutlich unempfindlicher ist. Dazu hatte ich mir von Rauch eine satinglänzende recht teure Leinwand besorgt. Die Leinwandoberfläche möchte ich fast als unzerstörbar kennzeichnen, auch wenn das sicher übertrieben ist. Doch Druck und Reiben können dieser Oberfläche erstmal nichts anhaben. Und ich darf diese Leinwand sogar mit Photoblack bedrucken für ein bestes Ergebnis. Das spart den teuren Tintenwechsel. Das Schwarz ist noch ein bisschen Tiefer als das der matten Leinwand mit Matteblack bedruckt. Wermutstropfen sind der recht hohe Preis und viel schlimmer, die störenden Reflexe beim Betrachten der Leinwand durch die glänzende Oberfläche vor allem in Flächen mit hohem Farbauftrag. Also genau dort, wo die Leinwand mit besserem Schwarz punkten kann, schwächelt sie, weil das Schwarz häufig nur als Grau empfunden wird wegen der Lichtspiegelungen. Schade.

Ausblick

Ich recherchiere im Moment nach anderen, weiteren Lösungen für dieses Problem der so besonders empfindlichen Leinwanddrucke. Was ich gefunden habe, kann ich Ihnen vielleicht schon bald hier präsentieren. Ich bin gespannt, wie es ausgeht, Sie hoffentlich auch.

Fotos aufziehen

Ich hatte vor Jahren mal die aufgezogenen Fotodrucke auf Kromapappe und KAPA im Angebot. Das hat sich irgendwann als nicht optimal heraus gestellt. Einerseits sind die Kleber nicht für eine lange Haltbarkeit der Drucke zuträglich – da reagiert doch Chemie im Kleber mit den Farben im Druck – und andererseits waren die teuer und sehr anfällig gegen mechanische Beschädigungen. Jedenfalls hatte ich davon verabschiedet und die aus meinem Programm herausgenommen. Das bleibt auch so!
Was tue ich dann, werden Sie vielleicht fragen?
Nun, gute Fotodrucke sollten einen guten Rahmen bekommen – meine jedenfalls ich. Die Auswahl ist riesengroß und für jeden Zweck, Anlaß und Geldbeutel ist was dabei. Rahmen haben üblicherweise eine Glasscheibe vorn, wodurch man den Print betrachtet. Das Glas schützt den Druck gegen den Betrachter – man denke nur an Menschen mit einer feuchten Aussprache – und das Glas ist sogar leicht zu reinigen. Würde ein Druck aber direkt am Glas anliegen, so bietet das Glas über kurz oder lang ein Biotop für Schimmelpilze. Immer dort, wor Druck und Glas direkten Kontakt haben, kann sich Feuchtigkeit aus der Luft sammeln und dann gibt es irgendwann Flecken. Damit der Schimmel keine Chance bekommt, rät der Profi zu einem Passepartout, möglichst aus säurefreiem Karton. Das Passepartout schafft dem Bild einen Freiraum zum Rahmen und hält den Druck vom Glas fern. So mache ich das jetzt seit vielen Jahren und bin sehr zufrieden. Einziger Wermutstropfen: Ich kann Ihnen fertig gerahmte Bilder nicht verkaufen, denn ein Versand der Rahmen mit Glas ist einfach zu riskant.
Ich wurde in den vergangenen Wochen mehrfach nach meinem Angebot der Drucke auf KAPA gefragt: Nun, wie ich sagte, die gibt es nicht mehr und wird es bei mir auch auch nicht mehr geben. Wer trotzdem seine Lieblingsmotive gerne so präsentieren möchte, dem empfehle ich Alu-DiBond-Platten. Otto Küper hat zum Beispiel welche in seinem Angebot, die sogar schon mit einer selbstklebenden Schicht ausgestattet sind. So was gibt es sonst nirgends. Und man kann sich die Platten einzeln dort bestellen zu, wie ich finde, moderaten Preisen. Seine Webseite finden Sie unter http://www.kueper-kg.de/.
Als Alternative zu aufgezogenen Prints hat sich auch der Leinwanddruck etabliert. Ich mag die matte Oberfläche mit ihrer feinen Struktur und solch ein Druck zeigt sich sogar für den häufigen Transport robust genug. Natürlich lässt sich ein Canvasdruck auch noch aufwerten, indem ein Schattenfugenrahmen ihn umrahmt. Schattenfugenrahmen sind Leisten in L-Form, wobei nur die senkrechte Kante von vorn zu sehen ist. Dabei ist solch ein Rahmen innen immer gut 1 bis 2 cm größer als der Keilrahmen. Dieser offene Zwischenraum ist dann als Fuge im Schatten um den Leinwanddruck zu sehen. Die Wirkung ist toll und sehr wertig. Vielleicht werde ich das Produkt mal zusätzlich ins Angebot aufnehmen. Bis dahin gibt es viele Anbieter, bei denen man die Schattenfugenrahmen kaufen kann: boesner, canvasi.de und auch die bekannten Rahmenhersteller wie Halbe und Nielsen-Bainbridge.

Aufziehen, konservieren und bloß keine Inkjets ins Museum?

In der digit! Ausgabe 3-09 wird dieses Thema kontrovers unter dem Titel »Von allem das Beste« von Peter Schuffelen beleuchtet und einige Fachleute dazu befragt.
Der allgemeine Tenor unter den Fachbetrieben, die Fine Art Printing anbieten, scheint zu sein: Inkjets sind für die Fotokunst geeignet und Fotokunst muss konserviert werden. Viele altbekannte Betriebe und auch jüngere verfolgen das Ziel, dem Künstler unbedingt ein konservatorisch umständlich und kostenintensiv bearbeitetes Fotoprodukt verkaufen zu wollen. Da ist das aus früheren Laborzeiten, als Fotos nur auf chemischem Wege hergestellt wurden, bekannte DiaSec von Grieger scheinbar allen nachahmungswert – es wurden Produkte unter eigenem Namen entwickelt, die das DiaSec im Prinzip kopieren. Dabei ist das DiaSec doch besonders empfindlich. Fotos müssen nach deren Gusto also aufgezogen und vor allen Umwelteinflüssen geschützt werden. Und begründet wird das vorwiegend mit der Annahme, Galeristen, Kunstsammler und Museen würden die Bilder sonst nicht akzeptieren. So werden Fotos auf Platten geklebt und vorn mit Schutzlaminaten, Plexiglasfolien und -scheiben für immer und ewig vereint. Doch was diese Klebesessions dem Foto anhaben und dessen Haltbarkeit negativ beeinflussen können, wird gern verschwiegen.
In dem Artikel in der digit! werden dann aber auch die, die das angeblich zu verantworten hatten, gefragt und was wunderts, es stimmt so nicht unbedingt. Sicher ist das eine oder andere Museum auch heute noch der Meinung, Fotografien würden sonst nicht lange genug halten, auch Inkjetdrucke nicht, doch sind die meist auch nur den Fachleuten aus den fotoverarbeitenden Betrieben in deren Argumentation gefolgt.
Als Fazit aus dem Artikel kann gezogen werden, Inkjets sind heute besser als manch ein gut gemachter chemischer Fotoabzug und Inkjets bloß nicht aufziehen oder gar speziell konservieren, so ein befragter Galerist.

Der Inkjetdruck auf gutem Papier ist haltbarer als ein chemischer Fotoabzug. Wieviel hängt von den Tinten, dem Papier und den Bedingungen, unter denen das Bild später lagert, ab. Und es ist fast egal, ob mit einem Canon, HP oder Epson gedruckt wird, solange man pigmentierte Tinten verwendet.
Das Aufziehen macht das Bild zwar schön plan und spart vielleicht gar einen teuren Rahmen, aber Aufziehen geht nur mit Kleber und Kleber kann auf die Farben auch noch nach Jahren einen ungünstigen Einfluß haben, ganz zu schweigen von den Folgen für das bedruckte Papier. Ein Galerist fasst für sich in dem Artikel zusammen: am besten das Bild hinter einem Passepartout anbringen und dann ab in einen guten Rahmen.
Das ist auch meine Meinung.

Viele Kunstsammler und Fotokäufer interessieren sich übrigens fast gar nicht für Aspekte wie Haltbarkeit und technische Ausführung. Denen ist das Bild und der Name des Bildschaffenden viel wichtiger.

Fastbind Fotomount M3

Fastbind wirbt mit Deluxe Photobooks und als mir das System vor Ort gezeigt und demonstriert wurde, war ich der gleichen Meinung. Das System zeichnet sich durch einen vergleichsweise günstigen Anschaffungspreis aus und braucht nicht viel, außer ein bisschen handwerkliches Geschick.

Was man bekommt, ist ein Fotobuch mit sehr dicken Seiten – gut 1 mm stark sind die einzelnen gebundenen Blätter – und der Möglichkeit, das Buch auf 180 Grad aufzuschlagen. Ohne Drücken und Biegen! Wegen der dicken Seiten möchte ich bei dem Produkt nicht so sehr den Begriff Fotobuch verwenden, mir scheint der Begriff Fotoalbum hier besser angezeigt.

Wie geht das?

Man layoute die beim aufgeschlagenen Buch nebeneinander liegenden Seiten in einer Software. Das kann Photoshop sein, aber auch jeder andere Software, die dann entweder PDFs oder Bilddateien ausgeben kann. Bilder können so selbstverständlich durch die Falz laufen. Der gedruckte Bogen wird genau in der Mitte genutet – mit einer Maschine wird das Material für ein sauberes Knicken vorbereitet. Dann knickt man die Bogen, so das die Motivhälften genau auf einander liegen. Jetzt wird der geknickte Bogen auf ein Mounting Sheet aufgebracht. Mounting Sheets sind beidseitig selbstklebend ausgerüstete hochwertige Pappen. Jede Buchseite enthält also in der Mitte ein Mounting Sheet. Zwei Buchseiten werden durch den Druck zusammen gehalten – das ist sehr stabil, verwendet man dafür schweres Foto- oder Fineartpapier.

Hat man den Buchblock aus allen Seiten fertig geklebt, wird dieser auf das Endformat zugeschnitten. Dazu verwende man einen Stapelschneider, am Besten eine elektrische Schneidemaschine. Ein Buchblock darf bis zu 8 cm dick werden und sollte für gut und gerne 60 Blatt oder 120 Seiten reichen (grob geschätzt).

Abschließend wird der Buchblock in den Umschlag eingehängt – also eingeklebt. Das erste Blatt wurde auf ein Mounting Endsheet geklebt, wobei die dem Buchcover zugewandte Seite zunächst frei bleibt. Die dient zum einkleben in den Umschlag.

Was wird noch benötigt?

Zum Nuten benötigt man idealerweise eine Nutmaschine, ein Falzbein geht aber auch. Und ein professionelles Fotoalbum sollte einen individuellen Umschlag haben. Den baut man sich mit der Fastbind Hardcover Maschine. Das ist ein Montagetisch, mit dem auf den bedruckten und selbstklebend ausgerüsteten Umschlag – gut ist eine Klebefolie – die Hardcoverpappen aufgebracht werden. Die Ecken müssen zum Umschlagen abgeschnitten werden, was mit der Maschine auch erledigt werden kann und dann werden die Folienseiten um die Pappe umgeklebt. Eine gute und einfach zu bedienende Lösung.

Was kommt dabei raus?

Ein Fotoalbum in bester Druckqualität auf fast jedem hochwertigen Papier, das man sich vorstellen mag. Feste Albenseiten, die sich trotzdem flach aufschlagen lassen – ein wichtiges Merkmal, möchte man das Album mal mehreren gleichzeitig zeigen. Einen ganz nach eigenem Geschmack und Motiv gestalteten Umschlag und eine praktische und robuste Bindung.

Ich habe das Album mal rum gezeigt und jeder war wie ich von der Wertigkeit überzeugt.

Ich habe mich für das Produkt entschieden und werde bis zum Sommer Fotoalben in dieser Machart anbieten. Der Preis wird allerdings mit denen aus den Großlaboren nicht mithalten können, da steckt dann doch sehr viel mehr Material und Zeit drin, denn das Buch ist dann komplett von Hand gemacht. So ein Buch kann dann in 20×30 cm mit 20 Seiten schnell mal 130 Euro kosten.

Dürfen Finearts aufgezogen werden?

Dazu habe ich vor kurzem ein Gespräch mit dem Außendienst-Mitarbeiter von Römerturm Feinpapiere, Herr Michael Dähn, geführt. Das Gespräch war mir wichtig, weil ich im alten Shop unter www.posterdruck.biz auch Hahnemühles Fineart Pearl auf KAPA FIX® und Finnpappe angeboten hatte und nun vor der Entscheidung stand, diese Kombination auch im neuen Shop anzubieten. 

Seine Meinung dazu ganz klar NEIN.

Sowohl das KAPA FIX® als auch der Kromakarton (eine Finnpappe von Römerturm) sind zwar säurefrei und auch der Kleber ist sehr verträglich, doch meint er, unter bestimmten Umweltbedingungen können die Aufziehmaterialien eben doch mit dem Kleber und an dem Druck Reaktionen auslösen, die eine beschleunigte Alterung des Drucks vom Rand her bedingen.

Fineartpapiere, insbesondere Papiere aus reinem Zellstoff sind gerade auf langsame Alterung getrimmt. Erst im zweiten Aspekt wird mit der Inkjetbeschichtung auf gute Druckergebnisse geschaut. Herr Dähn gab mir dazu viele Fachbegriffe in dem Gespräch, die ich mir leider nicht alle merken konnte, doch der Tenor ist: Fotopapiere ja, Fineartpapiere nein. Fotopapiere sind hier eindeutig im Vorteil, weil einerseits der Kunststoffträger weniger auf saure Einflüsse reagiert und andererseits Fotopapiere eh nicht auf so lange Haltbarkeit ausgelegt sind, wie Fineartpapiere. Fazit: Fotopapiere sind eher gealtert als das Aufziehen Probleme verursachen kann, mit Fineartpapieren dagegen verhält es sich genau anders herum – sie überstehen von Haus aus ein Aufziehmaterial um viele Jahre.

Wie sollen Fineartpapiere denn nun gerahmt werden?

Die einfachste Form ist hinter Glas mit Passepartout. Das Glas hält Feuchtigkeit und Umweltgase vom Druck fern. Schädigende Umweltgase sind vor allem Ozon und Ozonverbindungen. Das Passepartout hält den Druck plan und gibt ihm den würdigen Rahmen. Aber nicht jedes Passepartout eignet sich. Auch der Passepartoutkarton muss alterungsbeständig sein – meist sind das die so genannten Museumsqualitäten. Darauf bitte unbedingt achten. Wer es noch besser meint, nimmt rückwändig auch solche Museumskartons und verklebt den Rahmen von hinten, damit auch dort keine schädlichen Umwelteinflüsse eindringen können.

Ausblick

Fotopapiere werde ich weiterhin auf KAPA FIX® aufgezogen anbieten. Und Fotopapiere auf Finnpappe werden ins Programm aufgenommen.

Fineartpapiere werden in den kommenden Wochen um ein neues Produkt ergänzt. Für Drucke hinter einem Passepartout muss der Druck etwas größer als der Passepartoutausschnitt sein. Das wird im neuen Produkt berücksichtigt sein.

Was macht ein Farbprofil im Graustufenbild?

Ein Bild, das nur Graustufen von Schwarz bis Weiß enthält, kann eigentlich nicht durch ein Farbprofil beschrieben werden, denn Farbinformationen sind ja nicht drin außer eben die schwarze Farbe. Aber ein Farbprofil enthält einen Gammawert, der hier dringend benötigt wird.
Macintosh- und Windows-Systeme verwenden leider nicht nur unterschiedliche Standardmonitorauflösungen – Macs = 72 dpi und Windows = 96 dpi – auch das Monitorgamma ist verschieden – Macs = 1,8 und Windows = 2,2. Das Gamma wirkt sich im gesamten Helligkeitsbereich aus, außer Schwarz und Weiß sind gleich. Ich habe hier zwei Bilder eingefügt mit einem Gamma von 1,8 und 2,2. Der Unterschied ist nicht sehr groß, jedenfalls in diesem Motiv, andere Motive mögen größere Unterschiede aufweisen. Mit einem ICC-Profil im Bild wäre kein Unterschied zu sehen.

Gamma 1,8
Bild mit Gamma 1,8

Gamma 2,2
Bild mit Gamma 2,2

Man kann ein Graustufenbild mit einem Graustufen-ICC-Profil abspeichern. Es gibt gerade mit professionellen Softwares meist Profile dazu. Mit Photoshop z. B. bekommt man automatisch Grau 1,8 und Grau 2,2 installiert. Nicht jeder weiss aber um die Wirkung eines Profils im Graustufenbild, denn wer von jeher mit einem Mac gearbeitet hat, weiß nichts von einer anderen Darstellung auf einem Windows.
Mein Workflow mit dem alles entscheidenden RIP (Raster Image Prozessor), das die im Bild vorhandenen Farben in Farben der Druckmaschine umrechnet, erwartet auch bei Graustufenbildern eine Angabe des Gammawerts. Ist keine Angabe – sprich kein Profil – im Bild, so wird ein Windowsgamma von 2,2 angenommen. Kommt das Bild nur einem Mac ohne Profil, wird der Druck zu dunkel ausfallen. Das ist ärgerlich.

Meine Empfehlung

Sind Sie sich nicht sicher, ob oder wie Sie ein Grauprofil ins Bild speichern können, dann führen Sie alle Arbeiten am Bild in Graustufen durch, bis das Bild Ihren Vorstellungen entspricht und wandeln es dann zurück ins RGB. Sie verlieren nichts. Kontrollieren Sie in Ihrem Bildbearbeitungsprogramm mit der Pipette, ob alle Graustufen gleiche RGB-Werte aufweisen. Ein mittleres Grau sollte 128 in Rot, Blau und Grün aufweisen.
Wird z. B. das Farbprofil sRGB als Zielfarbraum angegeben, so wird der Gammawert auch gleich mit angepasst. sRGB verwendet ein Gamma von 2,2. Die Anpassung übernimmt z. B. Photoshop automatisch, Sie bekommen bei richtiger Anwendung keine Farb- oder Graustufenänderungen im Bild. Einzig die Bilder werden größer, denn nun müssen ja drei Farbkanäle im Bild gespeichert werden versus 1 Kanal im Graustufenbild. Als JPEG gespeichert ist der Unterschied allerdings nur marginal. Selbstverständlich kann jedes andere Farbprofil verwendet werden wie Adobe-RGB, LStar-RGB, ECI-RGB usw.
Beim Druck mit RIP ist voreingestellt, dass gleiche RGB-Werte in allen drei Kanälen als Grauwert behandelt werden – das Ergebnis ist ein neutrales Graustufenbild auf Papier oder Leinwand.