Wow, da erleben wir ja gerade einen ganz neuen Boom. Kaum hat Amazon mit seinem Kindle ein Lesegerät für elektronische Bücher erfolgreich auf den Markt gebracht, boomt die Nachfrage nach elektronischem Lesestoff. Ich habe mich in den vergangenen Wochen ausführlich mit dem Erstellen von digitalen Büchern beschäftigt und bin da auf ganz schön viele Einschränkungen gestossen. Ich will das hier mal grob zusammen fassen.
Erstmal sind die Formate, in denen die digitalen Bücher vorliegen müssen, so vielfältig und natürlich untereinander inkompatibel, wie wir es schon so oft in der Vergangenheit erleben mussten, wenn neue Techniken den Markt erobern wollen. Ich denke da exemplarisch mal an die vielen konkurrierenden Videoformate, als VHS und Co. den Markt eroberten.
Als ein Standard mag sich das ePub-Format entwickeln. Es ist einfach und offen. Deshalb, und auch, weil das iPhone und iPad das unterstützen, gilt diesem Format meine Aufmerksamkeit. ePub ist im Prinzip HTML, allerdings ein HTML der Version 1.0. Es fehlen noch viele im heute allgegenwärtigen Web 2.0 selbstverständlich gewordene Gestaltungsmöglichkeiten. Ein bisschen Text, Überschriften, grundsätzliche Auszeichnungen wie Bold und Italics (Fett und Kursiv) und sparsam ein paar Fotos. Viel mehr geht noch nicht. Selbst verlinkte Inhaltsverzeichnisse sind nur hier und da möglich, nicht überall.
Dieses frühe Entwicklungsstadium des ePub Formats und die eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten machen aber ein gut gelayoutetes Buch noch fast unmöglich. Dafür ist es kompatibel mit: MobiPocket, Adobe Digital Editiones, FBReader, Stanza, Sony Reader, iPhone und eben iPad.
Software zum Layouten
Ich fand im Open Source Bereich die Software SIGIL. Damit kann ich ein digitales Buch schreiben. Das Schreiben gestaltet sich allerdings so wie in TextEdit auf dem Mac oder mit NotePad unter Windows. Es reicht aber, um ein Buch im ePub Format zu erstellen. Es ist für den Mac, Linux und Windows verfügbar. Ich kann damit ein Buchcover einbinden, ein Inhaltsverzeichnis erstellen und ein grundlegendes Layout machen. Wenn ich darin nicht mein Buch schreiben will, dafür also lieber meinen bevorzugten Texteditor verwenden möchte, muss ich beachten, dass nur die Formate TXT, HTML und ePub importiert werden kann. Für den Export steht nur das ePub Format zur Verfügung.
Dann fand ich noch eCub. Das ist auch ein Programm für viele Plattformen: Es läuft auf Windows, Linux, Mac, FreeBSD und Solaris. In eCub kann ich nicht schreiben, nur ein Buch bzw. Buchkapitel zusammen stellen. Dazu importiere ich TXT ode HTML Dokumente. Auch Bilder kann ich importieren. Die importierten Kapitel bringe ich in die richtige Reihenfolge, lege für das Buch alle Metainformationen fest – das sind Infos zum Autor, das Copyright, Coverbild, Erscheinungsdatum, optional eine ISBN sowie andere Daten fest. Exportieren kann ich nur im ePub Format. Als Besonderheit mag die Funktion zum Erstellen von Buchcovern gesehen werden. Der Autor Julian Smart hat ein simples Programm geschaffen, das schnell zum Erfolg führt, wenn man ein Buch im ePub Format erstellen möchte.
Dann gibt es noch calibre. Für Mac, Linux und Windows ist das Open Source Programm dort herunterladbar. calibre ist mehr ein Verwaltungsprogramm, in dem ich meine gesammelten digitalen Bücher sammle. Habe ich darin ein digitales Buch gespeichert, kann ich das allerdings aus calibre heraus exportieren. Das ePub Format wird von calibre auch unterstützt. Ausser Metadaten eingeben kann ich allerdings nicht in den Erstellungsprozess eingreifen. Es ist mehr zum konvertieren von einem Format zu einem anderen in diesem Punkt geeignet.
Und dann fand ich noch smashwords.com. Das passt eigentlich nicht ganz in die Software Rubrik, aber ich kann mir dort auch ein ePub Buch erstellen lassen. Die Hauptaufgabe von smashwords.com liegt allerdings in der Distribution von digitalen Büchern. smashwords.com sorgt u. a. für das Einstellen meines Buches in den iTunes Store von Apple. Für mich der einzige Weg, meine Bücher dort anzubieten. Im Moment jedenfalls. smashwords.com verlangt von mir, das ich ein Buch sauber gelayoutet im Wordformat dort einreiche. Wenn ich das getan habe, sorgt ein Onlinekonverter für das Erstellen von fast allen wichtigen Formaten und für das Publizieren auf den verschiedenen Verkaufsplattformen. Dazu gehören iBookstore, Barnes & Nobel, Sony, Kobo und demnächst auch Amazon. So kann ich gewiss sein, jeden Leser mit meinem Buch zu erreichen. Un smashwords.com sorgt für die jeweils richtigen Buchformate, die die verschiedenen Lesegeräte erfordern. Nachteil von smashwords.com ist das erforderliche Wordformat, das ich zwingend einreichen muss. Ich habe kein MS Word, ich schreibe in Apples Pages. Pages kann auch im Wordformat speichern, doch ich muss erst ausprobieren, ob das von Pages generierte Worddokument auch vom Onlinekonverter auf smashwords.com richtig interpretiert wird. Hinweise dazu konnte ich im Web nicht finden, auch nicht auf smashwords.com. Der Onlinekoverter dort hat übrigens auch den kleinsten Funktionsumfang. Bilder sollte man sparsam einsetzen, keine Leerzeichen am Absatzanfang, keine Tabs, kene Textrahmen, keine Tabellen, keine automatisch erzeugten Inhaltsverzeichnisse, keine Fussnoten. Und es gibt keinen Testmodus, wo ich probieren kann, wie mein Buch konvertiert z. B. im ePub Format aussieht.
Mein vorläufiges Fazit
Digitale Bücher sind noch ganz neu. Die Nachfrage ist groß, vielleicht auch weil es eben neu ist. Nicht alle Arten von Büchern eignen sich im Moment für eine digitale Edition. Bücher mit viel Text sind vorzuziehen. Fotobücher gehen gar nicht. Wissenschaftliche Bücher, in denen sehr viel referenziert wird, sind nicht möglich. Dazu muss das jedenfalls das ePub Format noch deutlich erweitert werden. Wer wert auf ein ausgetüfteltes Layout legt, kommt um das PDF nicht herum. Aber PDF kann nicht von allen Lesegeräten wieder gegeben werden und PDF ist ja meist ein starres Layout, das sich nur bedingt an verschiedene Lesegeräte bzw. deren größere oder kleinere Displaygrößen anpasst. Genau dieses sich Anpassen an die Displaygrößen und das Lesen darauf zwingt zum ePub Format, eben weil es sich flexibel im Textfluss anpasst. Das führt wiederum dazu, das Layout so einfach wie möglich zuhalten. Ein Spagat, der hoffentlich in der Zukunft kleiner wird und dem Autor mehr Gestaltungsmöglichkeiten in die Hand gibt. Mit dem Layout und vor allem der Schriftwahl kann ich ein Buch lesefreundlich oder auch unleserlich machen, ich kann eine Stimmung zum Leser tragen.
Update: Habe vor wenigen Tagen das Update von Apples Textverarbeitung Pages installiert und das bringt nun auch die Exportmöglichkeit zu ePub mit. Habe gleich mal mein Buch »Jan van Moor« überarbeitet und exportiert und wow, das ist einfach und sieht sehr gut aus. Einfacher gehts nimmer.
Pingback: Selbst ePub-eBooks erstellen mit Tango Solo