Ich habe nun seit Dezember 2009 bestimmt an die zwanzig Profile mit dem Colormunki erstellt. Doch irgendwie war ich nicht so richtig zufrieden, stimmten mein kalibrierter Apple Cinema Display und die Ausdrucke nicht überein – die Drucke waren immer einen Tick dunkler. Ich machte dafür meinen Bildschirm verantwortlich und akzeptierte die Drucke als richtig ausgemessen und kalibriert.
Doch das war ein dummer Trugschluß
Erst vergangene Woche fand ich durch eine langwierige Suche im Internet in einem Forum Klagelieder von Usern, die wie ich mit Mac OS 10.6, einem Epson Stylus Pro und dem Colormunki arbeiten und die ausführlich und fachkundig von einem Bug im Betriebssystem 10.6 berichteten, der dazu führt, das die Profile vom Colormunki nichts taugen und Ausdrucke zu dunkel aus dem Epson Stylus Pro kommen. Die Ursache scheint ein Fehler im Betriebssystem 10.6 zu sein, das eine doppelte Farbprofilanwendung vornimmt.
Rettung in Sicht
Ich bin in der glücklichen Situation, das ich noch einen Rechner mit Mac OS 10.5 rumstehen habe. Also flugs Colormunki darauf installiert – zum Glück darf ich das durch die Lizenz von Colormunki auch tun – und einen ersten Testdruck auf Epson Premium Canvas Satin gedruckt. Tatsächlich, schon der erste Testdruck mit den von Epson vorgegebenen Medieneinstellungen war gut. Also Colormunki gestartet und das erste Chart ausgedruckt. Trocknen lassen – ich hab sicherheitshalber eine halbe Stunde gewartet – und einmessen. Chart Nummer 2 ausgedruckt, trocken lassen und eingemessen. Testbild ausgedruckt, super!
Es klappt, das ICC Profil war vergleichsweise schnell und unkompliziert erstellt und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das Farbprofil ist sehr gut: Graubalance stimmt, kräftige und stimmige Farben, ausgewogene Zeichnung ins Lichtern und Tiefen. Und das, obwohl ich doch für diesen Test die vergleichsweise schwer zu profilierende glänzende Leinwand mir ausgesucht hatte. Die Oberfläche ist strukturiert und der Glanz macht ein korrektes Messen des Charts recht schwierig. Auch Colormunki hatte Probleme, indem ich einige Reihen vom Chart mehrmals einlesen musste. Doch letztlich konnte ich ein Profil erstellen. Vergleichsausdrucke mit meinem Profil und dem von Epson mitgelieferten Profil für die Epson Satin Leinwand fiel ganz klar zugunsten meines mit dem Colormunki erstellten Profils aus: neutralere Grautöne, etwas mehr Kontrast aber ohne zulaufende Tiefen, schöne kräftige Farben ohne das Bild künstlich bunt zu machen.
Mein Fazit
Mein Fazit für das Colormunki lautet, unbedingt empfehlenswert. Und einfacher gehts nimmer zu einem guten Farbprofil. Abgesehen von den nicht vorhersehbaren Unstimmigkeiten im Betriebssystem hätte ich vom ersten Tag an gute Profile damit haben können.
Vergleiche ich das Colormunki mit den früher von mir gekauften teuren “Profilösungen” wie das EyeOne, so entscheide ich mich immer wieder für das Colormunki. Das EyeOne und seine Software bieten so viele Optionen, die sich einem Gelegenheitsprofilierer wie mir nicht wirklich erschliessen. Alle Profilösungen empfand ich als undurchschaubar und unnötig kompliziert.
Und das Colormunki hat noch eine Besonderheit: das einfache optimieren eines einmal mit Colormunki erstellten Profils. Dazu wählt man einfach ein Profil in Colormunki, lädt zum Beispiel ein Graustufenbild in Colormunki, druckt ein weiteres Testchart und misst es ein. Schon hat man den Grauverlauf und die Grauachse im Profil optimiert. Genauso kann man es mit Hauttönen machen. Einfach ein Bild mit den gewünschten Hauttönen laden, Testchart drucken und messen. Schon sind besonders Hauttöne optimiert.
Update
Das Colormunki hat trotz widriger Umstände in allen Situationen hervorragende Profile geliefert. Das Problem mit Mac OS X 10.6 ist mit dem Update auf 10.6.3 glücklicherweise verschwunden. Einen Bug unter Mac OS Snow Leopard habe ich noch entdeckt, der aber nur mit Photosho CS2 zu tun hat: Als ich mir vergangene Woche das brandneue Photoshop CS5 installiert hatte und erste Testdrucke damit gemacht hatte, konnte ich sehen, das auch CS2 etwas zu dunkle Drucke produzierte und damit also auch seine Probleme mit dem neuen Farbmanagement unter Mac OS X 10.6 hatte. Also unter dem aktuellen Betriebssystem nicht mehr Photoshop CS2 zum Drucken verwenden!
Guten Tag Herr Wackernah,
erst einmal darf ich Ihnen zu ihrer gelungen Webseite und den fundierten Inhalten der Beiträge gratulieren.
Ich selbst beschäftige mich seit einem Jahr wieder ernsthafter mit der Fotografie und möchte meinen Monitor/Drucker mit Color Munki kalibrieren. Auf meine Frage nach den anwenderrelevanten Vorteile eines Hardware kalibrierbaren Monitors (z. B. Eizo CG 243 ca. € 1200.– zuzügl. C-Munki) gegenüber der Justierung des Arbeitsmonitors über die Grafikkarte im Rechner finde ich im Internet und bei den Herstellern (Eizo, Color Munki) keine venünftigen, sachbezogenen Antworten.
Natürlich ist die Hardware Kalibrierung, bei kompatibler Software von Monitor und C-Munki besser, die Frage nach der Bedeutung des Vorteils für die Gesamtkette, unter Einbeziehung des Drucks ist für mich relevant.
Da ihre Konfiguration (imac 27″ + Color Munki) preislich und gerätetechnisch (weil unkompliziert) vorteilhaft ist, interessiert mich ihre Auffassung zu dem vorgenannten Thema.
Für eine Kurzantwort wäre ich ihnen dankbar.
Freundliche Grüße
Karlheinz Herrmann
Robert-Schumann-Str. 15, 90768 Fürth
Naja, meine Konfiguration ist schon ein klein wenig anders, aber das soll jetzt mal nicht wichtig sein, sehr geehrter Herr Herrmann.
Eine Kalibrierung des Monitors ist immer die Basis, weil wir unsere Fotos ja visuell am Monitor bearbeiten und so entscheiden, welche Kontraste und Farben wir im Foto haben möchten. Wenn Sie diesen Gedanken fortführen und Ihre Fotos dann mit einem Arbeitsprofil weitergeben, ob an Ihren Schreibtischdrucker oder ein Labor ist dann egal, dann sollten die Farben und Kontraste so gut es eben geht, dem entsprechen, was Sie auf Ihrem Monitor gesehen haben. Abweichungen entstehen, wenn das Papier/Druckmedium z.B. weniger Farben/Kontraste darstellen kann oder schlimmer, wenn das Labor keine geeigneten Profile für seine Papiere hat bzw. verwendet.