In den vergangenen Wochen habe ich meine Lieferanten für die Canvas total genervt. Immer und immer wieder musste ich nachfragen, wie ich denn die Canvasoberfläche meiner Fotos auf Leinwand besser schützen kann. Nun bin ich etwas schlauer.

Das ursächliche Problem, warum die Canvas nach dem Druck so empfindlich ist, ist die Tinte. Als eingeschworener Epson Fan drucke ich auf der Leinwand natürlich mit  dem matten Schwarz um eine bessere Tiefe zu bekommen. Das matte Schwarz besteht aus größeren Pigmentteilchen, die weniger in die Tintenaufnahmeschicht matter Oberflächen wie Canvas aufgenommen wird. Dadurch entsteht ein besseres Schwarz, der Druck hat mehr Tiefe und einen höheren Kontrast als vergleichsweise mit dem Photoblack. Diese größeren Pigmentteilchen haben aber den Nebeneffekt, das man sie durch leichten Druck schon verdichten kann, und wenn sie verdichtet werden, entsteht ein Glanz.

Dem kann man entgegen wirken, indem die Canvas nach dem Druck, aber vor dem Rahmen, mit einem Schutzlack versiegelt wird. Das kann einmal das Spray sein, wie man es allerorten kaufen kann. Doch die Wirkung will sich mit dem Spray nicht so richtig einstellen. Alternativ gibt es Firnislacke, wie wir sie von den mit Öl malenden Künstlern kennen. Es darf aber nicht irgendein Firnis sein, der Firnis muss auf die Leinwandschicht und die Tinte genau abgestimmt sein. Sowohl das Spray als auch eine Firnislösung habe ich probiert, wobei das Spray kläglich versagte und hier nicht weiter behandelt wird.

Es gibt zum Auftragen der Firnis zwei Vorgehensweisen: Mit einer Malerrolle und mit einer Sprühanlage.

Mit der Malerrolle habe ich meinen zweiten Versuch  gemacht. Man nimmt eine Schaumstoffrolle, ich habe zwei Stück im Baumarkt für wenige Euro gekauft, eine mit 11 cm Breite und die andere mit 16 cm Breite. Wichtig ist nur, das die Seiten der Rolle unbedingt abgerundet sein müssen. Sonst bekommt man beim Auftragen immer Streifen von Firnis. Den Firnis habe ich in eine kleine Schale gefüllt und die Menge mit 25 % distilliertem Wasser verdünnt. Das distillierte Wasser ist wohl wichtig, damit keine Keime, die im Leitungswasser immer vorhanden sind, sich im Firnis einbetten und so die Haltbarkeit des Schutzfirnis verändern. Jedenfalls muss der Firnis dreimal aufgetragen werden. Also den Druck mindestens 24 Stunden trocknen lassen. Dann den Druck auf eine Platte (Holz oder Glas) mit Kreppklebeband fixieren. Ich hatte einmal eine dickere Pappe als Unterlage genommen, doch die wölbte sich ob der Feuchtigkeit nach dem zweiten Auftragen des Firnis und ein Weiterarbeiten war so nicht mehr möglich. Dann die erste Schicht Firnis aufrollen und dreissig Minuten trocknen lassen. Dabei sollte die Luftfeuchtigkeit im Raum nicht zu hoch und die Raumtemperatur um die 20 Grad sein. Stimmen Luftfeuchtigkeit und Temperatur nicht, muss länger Zwischengetrocknet werden. Nun wird der Druck um 90 Grad gedreht und der zweite Firnisauftrag aufgebracht. Dann wieder dreissig Minuten trocknen lassen. Und den Druck wieder um 90 Grad drehen und den dritten und letzten Auftrag aufrollen, das sogenannte Finish.

Beim Aufrollen unbedingt auf einen gleichmäßigen Auftrag achten und die Rolle nicht zu stark aufpressen. Das der Firnis Anfangs etwas milchig aussieht, macht nichts, er wird sehr schnell klar und bleibt auch bis zuletzt so. Einzig auf kleine Luftbläschen muss geachtet werden. Die unbedingt so lange überrollen, bis sie sich aufgelöst haben. Mir ist beim zweiten Motiv passiert, das ich nach dem zweiten Durchgang einige kleine Luftbläschen übersehen hatte und nach einer halben Stunde war der Firnis handtrocken, die Bläschen waren noch da und der Druck jetzt so unansehnlich, das ich ihn wegtun musste. Nachdem der dritte Firnisauftrag gemacht ist, sollte der Druck weitere 24 Stunden trocknen und erst dann auf den Keilrahmen aufgezogen werden. Mein Fazit: Wer nur ab und an mal einen Canvasdruck firnissen will, für den ist das eine einfache Vorgehensweise. Wer aber mehrere Drucke oder gar viele schützen will oder muss, der bekommt Probleme. Ich habe da öfter mal so 100×250 cm große Drucke. Da die Drucke zwischendurch immer wieder trocknen müssen, hat man schnell Platzprobleme. Und irgendwo zur Seite stellen geht auch nicht so einfach, denn zu leicht kann sich ein Staubkorn auf der klebrigen Oberfläche festsetzen und ist später nicht mehr entfernbar.

Das Aufsprühen. Dazu habe ich mir eine Sprühpistole von Wagner gekauft. Knapp hundert Euro hat mich die Maschine im Baumarkt gekostet, gleich mit zwei Tanks für die Firnislösung. Die Sprühpistole ist eine sogenannte HVLP Sprühpistole, HVLP steht für High Volume Low Pressure und meint, sie spüht viel Farbe mit geringem Druck. Das wiederum bedeutet, es entsteht fast kein Sprühnebel, der sich im Raum verteilt und so alles mit seinen Farben zudeckt. Das ist gut. Und der Firnis kommt mit guten Druck aus der Pistole. Da gibt es dann wieder Haufenweise Anleitungen, wie die Pistole gehalten werden soll und in welchem Abstand.

Mein erster Versuch war, die Leinwand an einer Art Wäscheleine im Badezimmer über der Badewanne aufzuhängen. Doch der Spühdruck aus der Maschine blies mir die Leinwand immer weg, ein Firnisauftrag war so nicht möglich. Also wieder eine entsprechend große Unterlage besorgen und die Leinwand mit Kreppklebeband darauf fixieren. Mit einem gleichmäßigen Abstand von 5 bis 10 cm zum Canvas den Firnis gleichmäßig aufsprühen. Dabei schön darauf achten, dass der Firnis auch alles bedeckt, aber nicht zu viel, das der Firnis in Tropfenbahnen nach unten läuft. Die Canvas steht senkrecht vor mir, ein flaches hinlegen auf dem Tisch, wie beim Rollen mit der Malerrolle, geht ja nicht. Das Ergebnis war OK. Die Vorgehensweise ist wie beim Aufrollen. Erster Auftrag, dreissig Minuten trocken, zweiter Auftrag, dreissig Minuten trocken, dritter Auftrag. Mit Luftbläschen hat man hier keine Sorgen. Mein Fazit: Das Aufsprühen geht einfacher von der Hand. Doch die Sprühpistole kostet deutlich mehr und stellt an den Bediener deutlich höhere Fertigkeiten. Man muss mehr auf seine Gesundheit achten und unbedingt eine Atemschutzmaske tragen. Und Lärm produziert das Gebläse in der Sprühpistole auch, der leicht störend sein kann. Und so sehr man beim Spürhen auch Acht gibt, etwas geht immer vorbei am Canvas und muss hinterher gereinigt werden, es sei denn, man hat einen dauerhaften Sprühraum. Ich habe leider keinen. Das Sprühen mit der Sprühpistole ist dafür etwas sparsamer im Umgang mit dem doch recht teuren Firnis. Einen Liter bekommt man so zwischen 30 bis 60 Euro, fünf Liter Gebinde sind etwas günstiger pro Liter.

Ein richtiger Fan vom Firnissen werde ich aber bestimmt nicht werden. Zu viele Unannehmlichkeiten durch den erforderlichen Platz, die Staubfreiheit (die ja bei der regelmäßigen Arbeit mit Canvas sowieso nicht gegeben ist) und die langwierige Prozedur sowie die Unwägbarkeiten wie Staub oder die Luftbläschen lassen ein kalkulierbares Arbeiten eigentlich nicht zu.

Resümee

Eine Canvasverkäufer klagte mir sein Leid am Telefon, als ich ihn fragte, was er mir denn empfehlen würde. Er meinte, er hätte über die Jahre soviel versucht, doch nichts befriedigendes sei zu finden gewesen. Eine schwache Alternative sah er und auch ich hatte die Variante schon ins Auge gefasst, in der Verwendung von Canvas mit Satin oder Glossy Oberfläche. Die so beschichtete Leinwand verhält sich fast wie ein gutes Fotopapier, das in der Oberfläche deutlich unempfindlicher ist. Dazu hatte ich mir von Rauch eine satinglänzende recht teure Leinwand besorgt. Die Leinwandoberfläche möchte ich fast als unzerstörbar kennzeichnen, auch wenn das sicher übertrieben ist. Doch Druck und Reiben können dieser Oberfläche erstmal nichts anhaben. Und ich darf diese Leinwand sogar mit Photoblack bedrucken für ein bestes Ergebnis. Das spart den teuren Tintenwechsel. Das Schwarz ist noch ein bisschen Tiefer als das der matten Leinwand mit Matteblack bedruckt. Wermutstropfen sind der recht hohe Preis und viel schlimmer, die störenden Reflexe beim Betrachten der Leinwand durch die glänzende Oberfläche vor allem in Flächen mit hohem Farbauftrag. Also genau dort, wo die Leinwand mit besserem Schwarz punkten kann, schwächelt sie, weil das Schwarz häufig nur als Grau empfunden wird wegen der Lichtspiegelungen. Schade.

Ausblick

Ich recherchiere im Moment nach anderen, weiteren Lösungen für dieses Problem der so besonders empfindlichen Leinwanddrucke. Was ich gefunden habe, kann ich Ihnen vielleicht schon bald hier präsentieren. Ich bin gespannt, wie es ausgeht, Sie hoffentlich auch.