Essay zu Fotoalben

Das Thema Fotoalben selbst zu bedrucken hat mich von Anfang an fasziniert. Als Hahnemühle seine Fotoalben vorstellte, war ich zunächst hin und weg. Zunächst. Dann waren da mit einem Male viele Anbieter, die Fotoalben zum Selbstbedrucken anboten, viele basierten auf dem Konzept und Papier von Hahnemühle. Und ruckzuck war in der Fotolaborszene neben dem klassichen 10×15 Print das individuelle Fotoalbum selbstverständlich. Die Fotolabore will ich mal als industrielle Anbieter einstufen, denn fast alle drucken mit HP Indigo Maschinen, die mit Preisen ab 150 tausend Euro pro Stück nicht für jeden erschwinglich sind. Zu der damit möglichen Qualität später mehr.

Meine Erfahrung mit einem industriellen Anbieter

Ich habe mir in den vergangenen Wochen zwei Fotobücher drucken lassen. Ein Buch in DIN A5 mit 60 Seiten für knapp 80 Euro war ok, musste aber nach Reklamation ein zweites Mal gedruckt werden. Die Bindung, eine Klebebindung mit eigenem Motiv bedrucktem, festem Buchdeckel und zusätzlich Buchschrauben, war gut, die Druckqualität insgesamt ausreichend. Ist halt doch kein hochwertiger Inkjetdruck.

Das zweite Buch war in DIN A3 mit Ringbindung und die Innenseiten glänzend laminiert. Hier waren die Motive ein wenig schwieriger weil größer dargestellt und viele Motive vor schwarzem Hintergrund fotografiert. Die Bindung war na ja, die Druckqualität mangelhaft. Kaum ein schwarzer Bereich in den Fineart-Fotografien war auch nur annähernd Schwarz, meist nur Dunkelgrau mit deutlichem Grünstich. Tonwertabrisse an vielen Stellen, hier klappt die Separation einfach nicht. Absolut indiskutabel. Und die einzelnen Blätter waren durch das dünne Papier und die Laminierung an den Rändern durchgängig wellig. Das Buch werde ich in die Mülltonne befördern und es war mein letzter Auftrag.

Ich glaube hier ein grundsätzliches Problem mit HP Indigo Maschinen gefunden zu haben und da fast alle Anbieter mit diesen Maschinen drucken, kann das verallgemeinert werden. Am Farbmanagement muss dieser Anbieter noch sehr stark arbeiten.

Das Angebot an Alben zum Selbstbedrucken

Es gab in der letzten »Fine Art Printer« eine kleine Übersicht über Fotoalbenanbieter, die Fotoalben zum Selbstbedrucken im Sortiment haben. Da sind nette Ideen dabei, doch keiner kann mit einem Album aufwarten, das schon von aussen Rückschlüsse auf den Inhalt gibt. Individuelle Umschläge sind passé. Einzig haben manche Varianten ein gestanztes rechteckiges Loch im Umschlag, das den Blick auf das erste Bild frei gibt, doch im Bücherregal bleibt einem der Inhalt verschlossen. Bei wenigen Alben im Bücherregal kann das manchmal verschmerzt werden.

Auch gibt es Anbieter, die einen individuellen geprägten Text auf dem Deckel anbieten. Da kommen dann aber schnell mal 200 Euro zusammen, die man für ein nacktes Album hinblättern muss, denn den Druck muss man ja noch selbst machen.

Die Bindearten sind vielfältig: Buchschrauben sind eine Möglichkeit, Klebebindungen eine andere. Die meisten schliessen allerdings durch die Art der Bindung ein erweitern des Inhalts aus, einzig nur per Buchschrauben gebundene erlauben ein späteres hinzufügen von weiteren Seiten.

Das von Hahnemühle scheint mir der beste Kompromiss zu sein, wobei Kompromiss hier sehr zu betonen ist, denn von ideal ist das noch weit entfernt. Hahnemühle bietet nur sein eigenes Papier an. Das ist zwar sehr hochwertig, doch ist es das gleiche Papier, auf dem sonst Finearts gedruckt werden, eben ein Naturpapier. Mir fehlen eine gute Weisse des Papiers und die Möglichkeit, das Papier mit Photoblack zu bedrucken, denn das Natural Art muss mit Mattblack bedruckt werden, sonst gibt es nur Grau statt Schwarz und die Farbe sickert durch das Papier. Und, das Papier ist nach dem Druck sehr, sehr empfindlich. Nicht zuletzte empfiehlt Hahnemühle die dreimalige Besprühung des fertigen Drucks mit seinem Protective Spray.

Und da im Hahnemühlealbum das hochwertige Natural Art verwendet wird, empfehle ich, jeden Betrachter des Albums gleich mit Baumwollhandschuhen zu bestücken, damit die Finearts auch Finearts bleiben.

Was fehlt sind also weniger anspruchsvolle und weniger empfindliche Papiere, die trotzdem die Wirkung von professionellen Fotografien wertig wiedergeben und sich dem üblichen Umgang mit Fotoalben gewachsen zeigen.

Meine Überlegungen, ein Album selbst zu drucken

Nachdem ich das ringgebundene Album von dem oben erwähnten Druckdienstleister zurück bekam und über die schlechte Qualität mich geärgert hatte, beschloß ich ein Album selbst herzustellen. Die Papierauswahl auf dem Markt ist allerdings mager, ausser besagte Papiere von Hahnemühle fand ich nur ein echtes Fotopapier bei Sihl, das allerdings mit 330 g/qm recht stabil ist.

Eine Ringbindung kann ich im Hause machen, eine Stanz- und Bindemaschine von Renz ermöglicht mir das. Wer so etwas nicht hat, ist da schlecht dran, denn das Sihlpapier ist pur ohne Löcher für Schrauben.

Das Sihlpapier gibt es in DIN A4 und DIN A3+. Ich wähle DIN A3+, erkenne jedoch schnell, dass ich damit keinen Umschlag hin bekomme. Das Ringalbum vom Dienstleister hatte eine milchglasige Folie als Schutz vor dem ersten und nach dem letzten Blatt. Woher sollte ich eine solche Folie bekommen und dann in DIN A3+? Sicher hätte ich das Papier auf DIN A3 kleinschneiden können, um aber gleich große Bogen zu erhalten, muss man das mit einem Stapelschneider machen. Eine Stapelschneidemaschine habe ich, sogar elektrisch, doch ist deren Schnittbreite auf 39 cm begrenzt. Aus 48 cm dann 42 herausschneiden geht damit nicht. Außerdem war mir eine Ringbindung nur ein notwendiges Übel mangels Alternativen.

Ich fand von Fastbind dann eine Lösung, selbst ein Hardcover herzustellen. Eine kleine Maschine, in die ein selbstklebend ausgerüsteter Druck für den Deckel eingelegt wird. Dann legt man die Buchdeckelpappen an die richtige Stelle auf den Druck und bewegt einen Hebel, schon ist der Umschlag fertig. Das klingt sehr gut. Allerdings kostet die Maschine für DIN A3+ über 3 000 Euro plus MwSt. Und den Album-Innenteil bringt man dann mit einer Klebebindung - natürlich auch von Fastbind - in den Umschlag ein. Die Klebebindemaschine kostet auch und das Album ist später nicht erweiterbar.

Das ist es irgendwie nicht, ich bin enttäuscht.

Zusammenfassung

Variante 1

Das Buch vom Dienstleister in DIN A3 (315×420 mm) mit 15 Blatt/30 Seiten, Deckeln aus matten ca. 0,5 mm dicken Folien, Ringbindung und alle Innenseiten glänzend laminiert hat mich inkl. Versand und MwSt. etwas über 67 Euro gekostet.

Vorteil: Buchlayout abschicken, vorab bezahlen und nach ca. 7 Tagen hält man das fertige Buch in Händen. Und die Druckseiten sind durch die Laminierung geschützt.

Nachteil: Einfache Ringbindung, Laminierung nicht jedermanns Geschmack, Druckseiten relativ dünn (200 g/qm), mit Laminierung wellig, wenig wertig und in meinem Fall miserable Druckqualität.

Variante 2

Das Papier von Sihl, das 330 DS semimatt beidseitig beschichtet, kostet im Karton mit 20 Blatt/40 Seiten gut 63 Euro inkl. Versand und MwSt. Dazu kommt noch der Druck. Hier will ich mal nur den Tintenpreis ansetzen, geschätzt ca. 40 Euro für 30 Seiten DIN A3+ und inkl. MwSt. auf meinem Epson 9800. Für die Ringbindung rechne ich mal 1 Euro, für die Deckelfolien noch mal 1 Euro. Das macht für ein Buch wie in Variante 1 beschrieben mit 30 Seiten = 89,25 Euro.

Vorteil: Absolut beste Druckqualität auf sehr gutem Fotopapier.

Nachteil: Einfache Ringbindung, Druckseiten nicht geschützt, man muss selbst Zeit investieren, denn 30 Seiten dauern schon ihre Zeit auf einem Epsondrucker, Fehldrucke kommen hinzu und dann ist der ganze Spass auch noch etwas teurer.

Variante 3

Ein Fotobuch in DIN A3 von Hahnemühle. Das ist aussen 308×455 mm groß oder so, der Deckel ist gut gelöst und wertig, die Buchschrauben eine gute Lösung. So ein Album kostet mit 20 Blatt Natural Art beidseitig beschichtetem Papier mit einem Flächengewicht von 256 g/qm so um die 65 Euro. Dazu kommt der Druck, den ich hier mit 32 Euro ansetzen will, weil die Druckfläche nur gut DIN A3 ist und nicht DIN A3+ wie in Variante 2. Umschlag und Papier kosten für 15 Blatt/30 Seiten anteilig ungefähr 55 Euro - aus 40 Blatt im Nachfüllpack, das knapp 79 Euro kostet, der Deckel kostet rund 25 Euro, errechnet. Rechnet man jetzt noch die Tintenkosten hinzu macht das 87 Euro. Dazu kommt noch geschätzt eine Dose Hahnemühle Protective Spray, mit dem jede einzelne Druckseite dreimal dünn besprüht werden muss. Damit wird der Druck dann unempfindlicher gegen Fingerabdrücke und andere Verschmutzungen. Eine Dose kostet bei Abnahme von vier Dosen je gut 18,50 Euro. Das ganze Album in DIN A3 mit gleichem Umfang wie in den vorherigen Varianten kostet dann 105,50 Euro.

Vorteil: Absolut beste Druckqualität auf einem sehr haltbaren Fineartpapier. Durch das Spray sind alle Seiten einigermaßen geschützt. Der Umschlag ist sehr wertig. Das Album kann sehr leicht ergänzt werden mit weiteren Seiten.

Nachteil: Teuerste Lösung, Druck setzt das Mattblack voraus und der Umschlag gibt keinen Eindruck vom Inhalt. Hat man also vier Alben gleicher Größe nebeneinander liegen, so schafft erst ein Blick ins Album Klarheit, was drin ist.

Fazit

Keine Lösung kommt nur annähernd an mein Idealalbum heran: ich habe ein individuelles Cover, einen hochwertigen Druck von langer Haltbarkeit mit unempfindlichen Albuminnenseiten, Seiten lassen sich austauschen bzw. einfügen und das alles zu einem für meinen Geschmack angemessenen Preis: 70 bis 75 Euro. Ziehe ich die Tintenkosten ab, so darf ein unbedrucktes Album in DIN A3 nur um die 40 Euro kosten.

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