Was unterscheidet Foto- und Fineart-Papier
Ein langes Leben für eine gedruckte Fotografie ist unser aller Wunsch. Hochwertiges Papier und gute Tinten sind Garanten, das eine Fotografie uns lange erfreuen kann. Neben vielen Umwelteinflüssen wie Schadstoffen in der Luft, Luftfeuchtigkeit und Sonneneinstrahlung bestimmen aber gerade die Papiere, wie lange ein Kunstwerk uns erhalten bleibt. Epson hat mit seinen Ultrachrome-K3-Tinten eine gute Basis geschaffen (das K3 steht übrigens für 3 Schwarztöne - mit K wird in der Druckbranche das Schwarz bezeichnet, auch Tiefe genannt). Bis zu 75 Jahre sollen sie halten können. Doch ob unsere Finearts auch so lange halten, ist ganz wesentlich vom Bedruckstoff abhängig, denn beide gehen beim Druck eine besondere Verbindung ein.
Schon die spezielle Tintenbeschichtung eines Papiers oder Leinwand bestimmt, wie gut die Farben darauf zeitlich halten und nicht verblassen. Aber auch der Bedruckstoff selbst unterliegt Alterungen wie Vergilben und Zerfallen. Wer kennt nicht alte Zeitungen, die schon beim in die Hand nehmen in kleine Stücke sich auflösen.
Fotopapiere grundsätzlich sind für eine kürzere Lebensdauer konzipiert. Hier stehen günstige Herstellungskosten, knackige Farben und eine gute Griffigkeit im Vordergrund. Meist werden Fotopapiere auch in dunklen, lichtgeschützten Fotoalben aufbewahrt, wo so auch Umwelteinflüsse weniger Schaden anrichten. Ausstellungsfotos sind durch die offene Präsentation da schon anfälliger und sollten nicht zu hell aufgehängt werden. Eines der größten Schwachpunkte von Fotopapier sind die darin verwendeten optischen Aufheller, die für ein besonders strahlendes Weiß des Papiers sorgen. Optische Aufheller vergehen schneller als uns lieb ist, die Folge sind Vergilbungen am Foto.
Die im Papier verwendete Zellulose-Mischung bestimmt, wie lange die Fasern zusammen halten. Das ist das, was ich oben mit der alten Zeitung meinte. Irgendwann zerfällt das Papier, auch das Fineartpapier zerfällt irgendwann, doch mit Sicherheit wesentlich später als das Fotopapier.
Hahnemühle und alle anderen Fineart-Papier-Hersteller werben mit der besonderen Archivfestigkeit ihrer Papiere. Voraussetzungen sind säurefreie Herstellungsverfahren und der Verzicht auf optische Aufheller. Ein Test in den USA soll einem Druck mit Ultrachrome-K3-Tinten auf Hahnemühle PhotoRag eine Lebensdauer von weit über 100 Jahren bescheinigt haben. Eine Quelle dazu kann ich nicht nennen, es wurde mir auch nur so erzählt. Aber sollte das stimmen, so zeigt das, dass das Papier auch die Druckfarbenlebensdauer verlängern kann, denn Epson spricht ja nur von 75 Jahren für seine Tinten.
Fineart-Papiere sind nicht nur teurer in der Herstellung, sie werben auch als einzige mit einer Archivfestigkeit und Museumsqualität. Museen und Galerien stellen gerade an fotografische Drucke besondere Anforderungen bezüglich des Herstellungsverfahrens, bevor die Fotografien von ihnen angenommen werden. Versuchen Sie also gar nicht erst, eine Fotografie auf Fotopapier anzubieten, nehmen Sie gleich ein hochwertiges Fineart-Papier. Die Herstellerliste ist nicht sehr lang, doch die Auswahl immer noch gut: Innova, Crane, Hahnemühle um nur einige zu nennen.
Zusammenfassend die Vorteile von Fineart-Papieren: Keine optischen Aufheller - kein Vergilben des Papiers, säurefreie Herstellung - keine vorzeitige Farbänderung am Motiv, das Papier hält in jedem Fall länger als die Druckfarbe. Fineart-Papiere werden meist auch in festeren Grammaturen angeboten: Hahnemühle Fineart Pearl in 285 g/qm, Hahnemühle PhotoRag in 310 g/qm.
Eine Frage bleibt allerdings auch für mich, auf die mir vielleicht jemand eine Antwort geben kann: Fineart-Papiere, die das früher beliebte Barytfotopapier nachahmen, haben einen extrem hohen Weißegrad, der eigentlich auch nur durch optische Aufheller erreicht werden kann. Sind da optische Aufheller drin und sind das dann noch echte Fineart-Papiere?