Zweimal der WOW-Effekt

Von meinem Erlebnis mit dem Hahnemühle Fineart Pearl habe ich ja schon in meinem vorherigen Beitrag geschwärmt und ich möchte das hier noch mal betonen, wie begeistert ich bin.

Jetzt zur Leinwand: Normalerweise drucke ich ausschließlich mit Fotoschwarz im Epson Pro. Doch jedes Material hat, besonders im Schwarz, seine Anforderungen an einen kontrastreichen und gesättigten Druck. Fotopapiere und auch das Hahnemühle Fineart Pearl verlangen nach dem Fotoschwarz, matte Materialien wie Hahnemühle PhotoRag und Leinwand verlangen nach Mattschwarz.

Das hängt damit zusammen, wie die Tinte in die Aufnahmeschicht eingebettet wird. Fotoschwarz wird von der Oberfläche aufgenommen und erhält so die Oberflächenstruktur. Besonders Glanz bleibt so erhalten. Das Ergebnis ist ein tiefes Schwarz. Matte Papiere saugen Fotoschwarz ein wenig auf, es vergraut dabei. Spätestens, wenn die Farbe ganz trocken ist, sieht Schwarz nur noch dunkelgrau aus. Durch geschickte Kalibrierung fällt das aber nicht besonders auf, es sei denn, man stellt einen Druck mit Mattschwarz daneben.

Der Unterschied ist in der Pigmentgröße der beiden Schwarze zu suchen. Fotoschwarz enthält ganz feine Pigmente, die in die Oberfläche einziehen. Mattschwarz enthält große Pigmente, die auf der Oberfläche liegen bleiben. Mattes Papier und auch die Leinwand werden idealerweise mit Pigmenten bedruckt, die groß sind und nicht in die Oberfläche einziehen können - sie bleiben auf der Oberfläche. Dadurch wird der Druck allerdings auch etwas empfindlicher gegen Abrieb - also Vorsicht im Umgang mit solchen Drucken.

Warum ich nicht immer mit Mattschwarz auf Leinwand drucke?

Da ist zum einen der Kostenfaktor: Beide Tinten lassen sich nicht gleichzeitig in der Druckmaschine verwenden, ich muss also tauschen. Der Epson Pro bietet dafür einen relativ einfachen Schwarzwechsel-Modus an und so dauert der Wechsel ungefähr 10-15 Minuten. Doch wird dabei Tinte vernichtet und Tinte ist teuer. Und das war bisher auch immer der Grund, der mich von einem grundsätzlichen Wechsel abgehalten hat. Es kostet bei jedem Wechsel bis zu 10 Euro Tinte und Wartungsbehälter, die unwiderbringlich verloren gehen. Mal eben einen Tintenwechsel für einen Druck auf Leinwand in 20×30 cm lohnt nicht, denn kann ich Ihnen nicht in Rechnung stellen.
Und zum anderen die erhöhte Empfindlichkeit der Drucke, die eine noch vorsichtigere Behandlung verlangt.

Wieviel mehr Schwarz bringt das?

Ein ungefähr 10 bis 15 Prozent tieferes Schwarz kann damit erzielt werden. Das scheint nicht viel, doch habe ich gerade eben Drucke gemacht - Stillifes vor schwarzem Hintergrund -, wo sich das ganz besonders gelohnt hat. Allein der bessere Kontrast, die Farben wirken vor dem tieferen Schwarz einfach leuchtender.

Und in Zukunft?

Alle anderen Drucke werden weiterhin mit Fotoschwarz gedruckt. Ich überlege aber eine Pro-Serie, bei der ich dann einmal wöchentlich auf Mattschwarz umstelle und in einem Rutsch alle bis dahin angefallenen Aufträge erledige. Sicher werden die Drucke dann ein klein wenig teuerer werden müssen, doch wer das möchte und die etwas längere Zeit warten kann, der wird mit einem tiefen Schwarz und kontrastreicheren Drucken belohnt.

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