Welches Farbprofil ist ideal?

Die digit! aus dem Klie Verlag, vielen Berufsfotografen bekannt, hat sich in ihrer Ausgabe 4-06 mit Farbprofilen und Farbsystemen beschäftigt. Verglichen wurden die Farbprofile LStar-RGB, sRGB, ECI-RGB und Adobe-RGB. So mancher von uns vertraut der sicheren Seite und gibt Bilder nur im sRGB-Farbraum ausser Haus. Auch Adobe-RGB und ECI-RGB sind sehr verbreitet. Ein lesenswerter Artikel, der detaillierter Unterschiede und Hintergründe beschreibt als ich in diesem kleinen Blogeintrag kann.

Wo liegen die Schwächen?

sRGB hat zwar eine relativ gute Gradationskurve, die dem menschlichen Empfinden sehr entgegen kommt, doch schwächelt der Farbraum in der Größe. Es werden halt zu wenig Farben dargestellt bzw. gehen beim Konvertieren in sRGB verloren. sRGB ist also nur die letzte Wahl. Im Office-, Screeen- und Webbereich dagegen ist sRGB ideal, weil es den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt und so auch auf unkalibrierten Monitoren noch eine Beurteilung erlaubt, wenn auch mit Einschränkungen.

Adobe-RGB ist ein sehr großer Farbraum, doch schwächelt dieses Profil gerade in den Tiefen, dort wo sowieso nur noch Rauschen vorhanden sein kann. In den Tiefen verbraucht das Adobe-RGB fast 20 Stufen von den im 8-Bit-Modus zur Verfügung stehenden 255 Stufen - also fast 10 Prozent. Adobe-RGB und auch sRGB weisen einen Weisspunkt von D65 (6.500 Kelvin) auf, der Standard liegt aber bei D50 (5.000 Kelvin). D65 ist blauer als D50. Gerade in der Foto- und Grafikindustrie ist D50 die Normlichtquelle - darunter wird geprüft. Bei beiden Profilen muss also beim Druck oder bei der Belichtung eine Weisspunktanpassung vorgenommen werden.

ECI-RGB hat einen ebenfalls sehr günstigen Gradationsverlauf wie sRGB aber einen deutlich größeren Farbumfang. Lange war das der Farbraum für viele Profis und noch heute bekomme ich viele hochwertige Bilddateien mit eben diesem Farbprofil. Bei ECI-RGB ist der Weisspunkt D50. Schwachpunkt bei ECI-RGB ist der bauchige Verlauf der Gradationskurve im Mitteltonbereich. Der Verlauf entspricht in etwa dem des Offsetdrucks. Für einen hochwertigen Fineartdruck nicht eben günstig.

Der neue Stern am Farbprofil-Himmel heisst LStar-RGB. Als einziger Farbraum weist er ein Gamma von 1.0 auf. Basierend auf dem CIE-LAB-System ist dies eine L*-Gradation und dem menschlichen Sehempfinden am ähnlichsten. Auch für eine spätere Separation für den Druck in CMYK ist dieser Farbraum ideal. Eine Umrechnung von RGB-Gradation in CMYK-Gradation entfällt, weil die Druckerprofile eh meist im L*a*b* umrechnen und bei 1.0 gibt es nichts zu berechnen. So ist der Verlust durch Transformationen und Umrechnungen vom LStar-RGB-Farbraum in jeden anderen Farbraum, egal ob Druck oder Monitor, auf ein Minimum begrenzt.

LStar-RGB wurde von Color Solutions kreiert und zum ECI-RGB v. 2.0 -Standard eingereicht und wird wohl der neue Standard werden. LStar-RGB kann kostenlos unter http://www.lstar-rgb.com heruntergeladen werden. Dort finden Sie auch weitere Infos in deutsch und englisch. Das Farbprofil ist für Mac OS und Windows verfügbar.

Meine persönlichen Erfahrungen

Ich habe sehr lange Zeit meist ECI-RGB eingesetzt und verwendet. Ich war der Meinung, damit das maximale in meinen Bildern zu erhalten. Als ich aber vor Jahren mal einen RIP-Anbieter mit einer Datei mit eingebettetem ECI-RGB-Profil konfrontierte, was der Output kläglich und nicht zu gebrauchen. Später stellte sich heraus, das gerade beim Druck ECI gravierende Mängel offenbarte indem es große Teile des Farbraums in einem Bereich aufwies, der sich einfach nicht im Inkjet- und Offsetdruck darstellen ließ. Ich wechselte dann zu Adobe-RGB, doch waren mir die Bilder häufig zu rotlastig, vor allem in neutralen Tonwerten - Grau hatte oft einen leichten Rotstich. Vor einem Jahr probierte ich dann LStar-RGB und kann überzeugt sagen, toll. Monitoranzeigen und Druck, sogar der Druck auf einer Indigo Digitaldruckmaschine, die noch altertümlich auf Euroskala CMYK kalibriert war, stimmen harmonisch überein und ich habe aus jedem Ausgabegerät das maximal Mögliche herausgeholt. Meine Empfehlung: Unbedingt verwenden!

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