Monatsarchiv für September 2006

Welches Farbprofil ist ideal?

Dienstag, den 12. September 2006

Die digit! aus dem Klie Verlag, vielen Berufsfotografen bekannt, hat sich in ihrer Ausgabe 4-06 mit Farbprofilen und Farbsystemen beschäftigt. Verglichen wurden die Farbprofile LStar-RGB, sRGB, ECI-RGB und Adobe-RGB. So mancher von uns vertraut der sicheren Seite und gibt Bilder nur im sRGB-Farbraum ausser Haus. Auch Adobe-RGB und ECI-RGB sind sehr verbreitet. Ein lesenswerter Artikel, der detaillierter Unterschiede und Hintergründe beschreibt als ich in diesem kleinen Blogeintrag kann.

Wo liegen die Schwächen?

sRGB hat zwar eine relativ gute Gradationskurve, die dem menschlichen Empfinden sehr entgegen kommt, doch schwächelt der Farbraum in der Größe. Es werden halt zu wenig Farben dargestellt bzw. gehen beim Konvertieren in sRGB verloren. sRGB ist also nur die letzte Wahl. Im Office-, Screeen- und Webbereich dagegen ist sRGB ideal, weil es den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt und so auch auf unkalibrierten Monitoren noch eine Beurteilung erlaubt, wenn auch mit Einschränkungen.

Adobe-RGB ist ein sehr großer Farbraum, doch schwächelt dieses Profil gerade in den Tiefen, dort wo sowieso nur noch Rauschen vorhanden sein kann. In den Tiefen verbraucht das Adobe-RGB fast 20 Stufen von den im 8-Bit-Modus zur Verfügung stehenden 255 Stufen - also fast 10 Prozent. Adobe-RGB und auch sRGB weisen einen Weisspunkt von D65 (6.500 Kelvin) auf, der Standard liegt aber bei D50 (5.000 Kelvin). D65 ist blauer als D50. Gerade in der Foto- und Grafikindustrie ist D50 die Normlichtquelle - darunter wird geprüft. Bei beiden Profilen muss also beim Druck oder bei der Belichtung eine Weisspunktanpassung vorgenommen werden.

ECI-RGB hat einen ebenfalls sehr günstigen Gradationsverlauf wie sRGB aber einen deutlich größeren Farbumfang. Lange war das der Farbraum für viele Profis und noch heute bekomme ich viele hochwertige Bilddateien mit eben diesem Farbprofil. Bei ECI-RGB ist der Weisspunkt D50. Schwachpunkt bei ECI-RGB ist der bauchige Verlauf der Gradationskurve im Mitteltonbereich. Der Verlauf entspricht in etwa dem des Offsetdrucks. Für einen hochwertigen Fineartdruck nicht eben günstig.

Der neue Stern am Farbprofil-Himmel heisst LStar-RGB. Als einziger Farbraum weist er ein Gamma von 1.0 auf. Basierend auf dem CIE-LAB-System ist dies eine L*-Gradation und dem menschlichen Sehempfinden am ähnlichsten. Auch für eine spätere Separation für den Druck in CMYK ist dieser Farbraum ideal. Eine Umrechnung von RGB-Gradation in CMYK-Gradation entfällt, weil die Druckerprofile eh meist im L*a*b* umrechnen und bei 1.0 gibt es nichts zu berechnen. So ist der Verlust durch Transformationen und Umrechnungen vom LStar-RGB-Farbraum in jeden anderen Farbraum, egal ob Druck oder Monitor, auf ein Minimum begrenzt.

LStar-RGB wurde von Color Solutions kreiert und zum ECI-RGB v. 2.0 -Standard eingereicht und wird wohl der neue Standard werden. LStar-RGB kann kostenlos unter http://www.lstar-rgb.com heruntergeladen werden. Dort finden Sie auch weitere Infos in deutsch und englisch. Das Farbprofil ist für Mac OS und Windows verfügbar.

Meine persönlichen Erfahrungen

Ich habe sehr lange Zeit meist ECI-RGB eingesetzt und verwendet. Ich war der Meinung, damit das maximale in meinen Bildern zu erhalten. Als ich aber vor Jahren mal einen RIP-Anbieter mit einer Datei mit eingebettetem ECI-RGB-Profil konfrontierte, was der Output kläglich und nicht zu gebrauchen. Später stellte sich heraus, das gerade beim Druck ECI gravierende Mängel offenbarte indem es große Teile des Farbraums in einem Bereich aufwies, der sich einfach nicht im Inkjet- und Offsetdruck darstellen ließ. Ich wechselte dann zu Adobe-RGB, doch waren mir die Bilder häufig zu rotlastig, vor allem in neutralen Tonwerten - Grau hatte oft einen leichten Rotstich. Vor einem Jahr probierte ich dann LStar-RGB und kann überzeugt sagen, toll. Monitoranzeigen und Druck, sogar der Druck auf einer Indigo Digitaldruckmaschine, die noch altertümlich auf Euroskala CMYK kalibriert war, stimmen harmonisch überein und ich habe aus jedem Ausgabegerät das maximal Mögliche herausgeholt. Meine Empfehlung: Unbedingt verwenden!

Neue Leinwand, neue Qualität

Samstag, den 2. September 2006

Bisher konnten Sie bei uns zwischen der Leinwand Eco mit 340 g/qm und der Leinwand Fineart mit 350 g/qm Flächengewicht wählen. Das ist jetzt Vergangenheit. Eine Leinwand von Epson mit einem Flächengewicht von 375 g/qm in zwei Qualitäten: mit 720 dpi oder 1440 dpi bedruckt.

Warum dieser Wechsel?

Die Leinwand Eco war eine sehr günstige Leinwand mit akzeptablem Preis-/Leistungsverhältnis. Nicht schlecht, aber eben auch nicht Spitze. Sie wies aber für mich zu starke Qualitätsschwankungen auf - oft waren leichte Pickel in der Beschichtung zu finden, die nicht dahin gehörten und den Druckkopf beschädigen konnten. Solche Stellen mussten raus genommen und Drucke dadurch wiederholt werden.

Die Leinwand Fineart mit ihrer seidenglänzenden Oberfläche war eine sehr hochwertige Leinwand mit edler Anmutung, feiner Webung und sehr gutem Druckbild. Nachteile waren der sehr hohe Preis und nur eine Verfügbarkeit bis 36 Zoll Breite. Damit waren also nur Drucke bis 80 cm Bildbreite machbar, Ränder zum Umschlagen mussten ja noch dazu gerechnet werden.

Beiden gemeinsam war ein Fehlen einer kleinen Rollenbreite von 24 Zoll für kleine Bildgrößen und keinerlei Aussagen über Haltbarkeit der Farbe nach dem Druck - hier konnten nur Vermutungen angestellt werden.

Was zeichnet die neue Leinwand aus?

Die neue Leinwand ist die »Water Resistant Matte Canvas for Epson« von Epson. Vor kurzem hatten wir auf den Maschinenpark auf den neuen Epson Pro 9800 Drucker umgestellt und was harmoniert besser als Maschine und Verbrauchsmaterial vom gleichen Hersteller.

Die Leinwand hat ein Flächengewicht von 375 g/qm, eine matte Oberfläche und eine sehr feine Webung. Gerade die Webung hat mich sehr beeindruckt. Die Leinwand Eco hatte verglichen dazu ein groberes Garn und größere Maschen, die Leinwand Fineart hatte gleich feines Garn aber auch grobere Maschen. Das wirkte sich in einer etwas stärkeren Lappigkeit aus - sie fühlten sich weicher an. Man kann das vergleichen mit einer Jeans aus frühen Jahren aus dem Supermarkt und einer Markenjeans - einmal dünner Stoff, einmal fester Stoff. Hier führt das feine Garn und die Menge der Fäden pro Quadratzentimeter - oder wie die Maßeinheit auch immer sein mag - zu einer fein gewebten Oberfläche mit großer Steifigkeit. Sie lässt sich auch wunderbar aufziehen - kein Reißen beim Spannen mit der Zange und nur wenig Verziehen.

Epson verspricht für seine Ultrachrome K3 (TM) Tinten 75 Jahre, reine Schwarzweissdrucke sollen gar bis 100/200 Jahre halten (hier gibt es unterschiedliche Aussagen, ob nun 100 oder 200 Jahre). Die verwenden wir auch.

Was ist noch zu beachten?

Wenn Sie Ihre Drucke besonders lange erhalten wollen, so gilt es natürlich mehr zu beachten. Epson empfiehlt idealerweise eine Aufbewahrung an einem kühlen, dunklen Ort. Hohe Temperaturen, Luftfeuchtigkeit und direkte Sonneneinstrahlung sollten vermieden werden. Auch eine Sprühbeschichtung wird empfohlen, am besten mit auf Wasserbasis. Hier gibt Epson einen Hinweis auf »Premier Art Eco Print Shield« und zu weiteren Informationen: www.firnis.com. Wer mag kann auch den Sprühlack von Hahnemühle testen, den ich schon früher kurz erwähnt hatte.